Kinderpornografie: Pädophiler erhält vier Jahre Haft und kleine Verwahrung

Das Kreisgericht in Mels spricht einen Mann Mitte 30 schuldig. Trotz Therapie hatte er kinderpornografisches Material konsumiert und verbreitet.

Reinhold Meier
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Der Mann stellte die Pornos auch Dritten zur Verfügung. Bild: Getty

Der Mann stellte die Pornos auch Dritten zur Verfügung. Bild: Getty

Francesco Cantone / Eyeem, EyeEm

Die Anklage hat dem Mittdreissiger vorgeworfen, einschlägigen Bilder und Filme binnen fünf Monaten auf seinen Computer geladen zu haben. Dies trotz einer laufenden ambulanten Therapie sowie einschlägiger Vorstrafen.

Dazu habe der Angeklagte ein sogenanntes Peer-to Peer-Programm genutzt, bei dem sich, vereinfacht gesagt, Gleichgesinnte gegenseitig Dateien zur Verfügung stellen. Diese hatte der Mechaniker dann zunächst im Downloadordner seines Computers gespeichert. Später lud er sie auf eine externe Festplatte. Damit habe er sich der Beschaffung und der Herstellung von Kinderpornografie schuldig gemacht, erklärte der Staatsanwalt.

Bilder im Internet verbreitet

Weil er die Dateien später auch zur eigenen Befriedigung angeschaut und sie sogar mittels eines sogenannten Cloud-Links Dritten zur Verfügung gestellt habe, schlügen zudem der Konsum und das Zugänglichmachen von Kinderpornografie zu Buche. Die Bilder überschreiten die Grenze des Erträglichen: Ein- bis zwölfjährige Mädchen und Buben sind bei sexuellen Handlungen zu sehen. Mit Gleichaltrigen, Erwachsenen und sogar Tieren. Für Ermittler gilt ein besonderes Schutzsetting, wenn sie aus Gründen der Beweissicherung solche Bilder sichten müssen.

Die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Die bislang laufende ambulante Massnahme, also eine Therapie im Blick auf die Störung, sei aufzuheben. Eine frühere Freiheitsstrafe von 24 Monaten, die bis jetzt zugunsten dieser ambulanten Massnahme aufgeschoben worden war, sei zu nun vollziehen. Dies nach der offensichtlichen Erfolglosigkeit der therapeutischen Bemühung.

Kleine Verwahrung gefordert

Zudem sei jetzt eine stationäre Massnahme gemäss Artikel 59 des Schweizer Strafgesetzes anzuordnen. Diese gilt landläufig als «kleine Verwahrung» und ist unter Häftlingen gefürchtet, weil der Freiheitsentzug nicht automatisch abläuft, sondern bei fehlenden Fortschritten immer wieder verlängert werden kann. Selbstredend seien auch die inkriminierten Dateien, Festplatten und Computer respektive Handys zu vernichten.

Der Angeklagte gesteht

Ferner solle dem Mann für zehn Jahre jede berufliche oder ausserberufliche Tätigkeit untersagt werden, bei der er in Kontakt mit Minderjährigen komme. Der Beschuldigte zeigte sich im Grundsatz geständig. Er war aus dem vorzeitigen Strafvollzug in einem Gefängnis in der Romandie zugeführt worden. Zuvor sass er in Untersuchungshaft. Die Verteidigung hatte mit 16 Monaten eine kürzere Haftstrafe gefordert. Vor allem aber wollte sie keine stationäre, sondern eine ambulante Massnahme sehen. Die Haft sei zu deren Gunsten aufzuschieben, so die Forderung.

Vier Jahre Haft, dann wird neu beurteilt

Das Gericht gelangte jedoch zur Auffassung, dass Haft und Therapie zwingend nötig seien. Neben einer Freiheitsstrafe brauche es ein intensives stationäres, therapeutisches Setting. Wegen eines Freispruchs in einem Nebenpunkt reduzierte das Gericht die Haftlänge zwar leicht auf 20 Monate, es liess aber keinen Zweifel an der Schuld und an einer harten Strafe zu. Darum verordnete es auch die besagte Massnahme nach Paragraf 59. Ein psychiatrisches Gutachten habe Klarheit geschaffen: Eine ambulante Behandlung bringe nichts mehr. Zusammen mit der bisher aufgeschobenen Vorstrafenhaft ist eine Freiheitsstrafe von insgesamt 44 Monaten fällig, also knapp vier Jahren.

Ob der Mann danach freikommt, ist alles andere als sicher. Gutachter werden dann überprüfen, ob er Distanz zu seiner kriminellen Veranlagung bekommen konnte. Wenn er sich nicht verändert, bleibt er in Haft. Es liege somit an ihm selbst und an seiner Bereitschaft zu selbstkritischer Lernbereitschaft, ob und allenfalls wann er nach dem Verbüssen der Freiheitsstrafe wieder aus dem Gefängnis freikomme, betonte das Gericht.