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OSTSCHWEIZER STÄDTE: Die automatische Stadt

Mit Glasfaserkabeln, Funknetzen, Sensoren und Smart Metern bereiten sich auch Ostschweizer Städte auf die digitale Zukunft und den Energiewandel vor. Aber die intelligente Stadtverwaltung muss auch transparent sein und die Bürger einbeziehen.
Kaspar Enz
Selbstfahrende Autos, wie hier am "Smart City Expo World Congress" in Barcelona, könnten bald auch in der Ostschweiz Realität werden. (Bild: Keystone)

Selbstfahrende Autos, wie hier am "Smart City Expo World Congress" in Barcelona, könnten bald auch in der Ostschweiz Realität werden. (Bild: Keystone)

In der Stadt der Zukunft fahren die Autos von alleine, gesteuert von Programmen, die Staus verhindern und wissen, wo freie Parkplätze stehen. Die «Smart City» erkennt auch, wenn an einem Regentag zu wenig Solarstrom produziert wird, und stellt Heizungen für ein paar Stunden aus – denn sie wissen, dass die Bewohner alle ausser Haus sind. Diese überprüfen in der Mittagspause ihren Stromverbrauch, übers städtische Funknetz natürlich. Und spätabends beleuchten Laternen den Heimweg – aber nur, wenn jemand vorbeiläuft.

Vieles davon ist Zukunftsmusik. Doch das Schlagwort «Smart City», intelligente Stadt, treibt im Moment auch Ostschweizer Stadtregierungen um. So möchte Wil eine Smart City werden. Die Grundlagen dafür will die Stadt in der laufenden Legislatur schaffen, wie der Stadtrat am Freitag bekanntgab. «Ein Leuchtturmprojekt im Rahmen der Legislaturplanung», sagt Daniel Meili, als Stadtrat für das Departement Versorgung und Sicherheit zuständig. Konkrete Projekte gebe es zwar noch nicht. Aber seit drei Jahren baut auch Wil sein Glasfasernetz. In rund vier Jahren soll es jeden Winkel der Stadt erreichen. Und der Einbau der Smart Meter, der intelligenten Messgeräte, sei schon weit gediehen. «Die Anwendungen kennen wir heute zum Teil noch gar nicht», sagt Meili. Aber ohne Glasfasern und ohne Smart Meter ist eine Smart City kaum denkbar: Die Smart Meter messen den Energieverbrauch genau. Und die Glasfaserkabel können genug Daten transportieren, dass nicht nur die Bewohner miteinander kommunizieren können, sondern die Stadt selbst: Abfallkübel, Strassenlaternen, Busse oder Parkplätze.

Intelligente Müllcontainer

In der Stadt St.Gallen ist das schon Realität. Sensoren überwachen die Füllstände von Altglascontainern. Tests mit Unterflurbehältern laufen an. Die Müllabfuhr soll so Fahrten sparen. Anzeigen an Haltestellen sagen, wann die nächsten Busse kommen. Mancherorts sind die Strassenlaternen mit Sensoren ausgestattet: Sie schalten sich erst an, wenn sie Bewegung auf der Strasse erkennen. Und im Juli testet die Stadt eine neue Idee: Gewisse Parkplätze melden, ob sie frei sind. Damit soll verhindert werden, dass die Autofahrer auf Parkplatzsuche unnötig durch die Quartiere kurven.

Möglich ist das, weil St.Gallen vor einigen Monaten ein strahlungsarmes Funknetz aufgebaut hat – als erste Stadt in der Schweiz. Darauf kann sie ein bisschen stolz sein. «Die Fachwelt sieht, dass wir offen sind und im Rahmen der Möglichkeiten nutzen.» Und weitere Projekte seien in Planung. «Es wird im Bereich Mobilität sein», sagt Jans. Aber er stellt auch fest: «Smart City ist ein Schlagwort.» Wofür es genau stehe, sei noch unklar. «Es ist aber so: Die Digitalisierung bietet die technische Basis für Dinge, die früher nicht möglich waren.» Möglichkeiten, die es auszuloten gelte, «zumindest dort, wo wir uns einen Mehrwert versprechen, für die Verwaltung oder die Bürger.»

Und während andere Städte die Entwicklung in St.Gallen verfolgen, schaut auch Jans, was andernorts läuft. Zug plant ein Projekt mit selbstfahrenden Verkehrsmitteln, ähnliche Pläne hegen die SOB. Nicht überall muss St.Gallen vorne mit dabei sein. Mit den Smart Metern steht die Stadt noch am Anfang. Man wollte den Aufbau von Glasfaser- und Funknetz abwarten, sagt Jans.

Wissen, was in den Netzen passiert

In Frauenfeld hingegen soll im Laufe des nächsten Jahres jeder Haushalt mit einem intelligenten Messgerät ausgestattet sein. Für den Direktor der Werkbetriebe ist die Umrüstung bereits ein Erfolg. «Rund 1000 Kunden schauen sich auf unserem Energieeffizienzportal an, wie viel Elektrizität, Wasser oder Gas sie wann wofür verbrauchen», sagt Ernst Haas. «Da sehen sie, wo sie sparen können.» Sparen können sich die Werkbetriebe dafür das manuelle Ablesen der alten Zähler, die bald ganz verschwunden sind. «Und trotzdem wissen wir genau, was in unseren Netzen passiert.» Und die Stadt kann den Stromverbrauch steuern. «Wir können beispielsweise Elektroboiler ein- und ausschalten. Die Kunden merken das aber nicht.» Auch ein Netzausbau lasse sich so besser planen. Und weil immer mehr Fotovoltaikanlagen auf den Dächern stehen, sind die Elektrizitätswerke nicht nur Lieferanten, sondern auch Kunden. «Mit Smart Metern lässt sich das komfortabel abrechnen. Manuell wäre das aufwendig.» Für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 sind die intelligenten Netze deshalb unabdingbar.

Die meisten Ideen, die unter dem Titel «Smart City» genannt werden, wollen mit modernen Technologien Energie sparen. Doch die rein technologische Sicht greife zu kurz, sagt Hans-Dieter Zimmermann vom Institut für Informations- und Prozessmanagement an der Fachhochschule St. Gallen. «Eine Smart City braucht auch smarte Bürger und eine smarte Verwaltung.» Mit Smart Metern, aber auch mit Sensoren an Ticketautomaten oder Parkplätzen sammeln Städte grosse Mengen an Daten. Das werfe Fragen des Datenschutzes auf. «Die Smart City soll unser Leben lebenswerter machen, ohne uns zum gläsernen Bürger zu machen.»

Transparent verwalten

Im Sinne des Öffentlichkeitsprinzips sollen die Gemeinden möglichst offen und transparent handeln und die gesammelten Daten zugänglich machen. Und sie sollten die Bürger an Entscheidungen beteiligen – auch mit Hilfe digitaler Technologien. So hat sein Institut in Zusammenarbeit mit dem Institut für soziale Arbeit eben ein Projekt in Grabs abgeschlossen. «Kinder und Jugendliche stärker zu beteiligen ist ein Ziel der Gemeinde», sagt Zimmermann. Über eine Webplattform konnten die Kinder und Jugendlichen Ideen einbringen und diskutieren. «Ein erfolgreiches Projekt. Die Gemeinde will es weiterführen.»

«Die Frage, wie wir uns schlau organisieren, ist ebenfalls wichtig», findet auch Peter Jans. Auch St.Gallen gehe neue Wege, um die Bürger bei der Quartierentwicklung zu beteiligen.

Die Vernetzung berge noch weitere Risiken: Die Netzwerke könnten ausfallen. «Wir müssen uns gegen Cyberattacken schützen», sagt Jans. «Wichtig ist, dass wir die Risiken im Auge behalten.» Doch die Risiken soll man auch nicht überbewerten, meint Daniel Meili, der Wil in den nächsten Jahren zur Smart City machen will. Denn nicht für alle Wiler ist digitale Technologie so selbstverständlich wie für die Jugendlichen in Grabs. «Wir müssen die Leute an das Thema heranführen und Ängste abbauen», sagt Meili.

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