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Ostschweizer Sommerbilanz: Das Obstjahr wird in die Geschichte eingehen

Hohe Temperaturen, kaum Regen, anhaltende Dürre: 2018 war ein Hitzesommer. Wer aber hat davon profitiert und wem setzte dieser zu?
Christoph Zweili
Pausbackige, knackig-rote Äpfel: Die Ernte 2018 ist gut. (Bild: Rudolf Hirtl)

Pausbackige, knackig-rote Äpfel: Die Ernte 2018 ist gut. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Bäche sind teilweise trocken, die Seen haben einen tiefen Stand, die Wasserquellen sind sehr klein geworden und die Grundwasserpegel sinken: Der letzte grössere Niederschlag liegt bereits über drei Wochen zurück. Insgesamt fehlen in der Ostschweiz Niederschlagssummen von rund 300 Millimetern, was dem Durchschnitt von drei Monaten entspricht. Laut Fachleuten kann dieses Defizit nur durch andauernde Niederschläge im Winter und eine kontinuierliche Schneeschmelze im Frühling 2019 ausgeglichen werden. Der fürs Wochenende angekündigte Regen und Schnee reicht bei weitem nicht. Im Kanton St.Gallen war der nördliche Teil des Kantons am meisten von der Trockenheit betroffen, insbesondere in der Thurebene von Wil bis Oberbüren. Darüber hinaus waren es alle Südhänge im Rheintal, Werdenberg, Sarganserland, Linthgebiet und sogar im Toggenburg. «Allein im Kanton St.Gallen wird der Ausfall bei Heu, Emd und Grassilage bei über 30 Millionen Franken liegen», sagt der Geschäftsführer des Bauernverbandes, Andreas Widmer.

Die Bauern hätten das Beste aus der Situation gemacht: In den letzten acht Wochen seien Emd und Silage für den Winter eingebracht worden, damit sei ein Teil der Ausfälle kompensiert worden. Statt teures Futter zuzukaufen, hätten viele Betriebe aus ökonomischen Gründen ihre Bestände reduziert und Tiere zur Schlachtung verkauft. Entscheidend ist nun, wie lange die Kühe auf der Weide bleiben. «Mit jeder Woche, in welcher das Vieh im November mit Gras gefüttert werden kann, spart der Landwirt fünf Prozent des Winterfutters ein», sagt Widmer. Im Grünlandkanton St.Gallen hinterlasse das Trockenjahr vor allem in Wiesen und Weiden seine Spuren. Gleichwohl habe sich die Situation entspannt: Die starke Verdunstung und der hohe Bewässerungsbedarf aus den Sommermonaten kann im Herbst unter anderem durch die kühlen Lufttemperaturen und den morgendlichen Tau oder Nebel kompensiert werden.

Die Obstbauern und die Winzer freuen sich

In der Ostschweiz war die Zuckerrüben-Ernte schlecht und beim Mais unterschiedlich. Aber das Obstjahr wird in die Geschichte eingehen: Nach der langen Blütezeit im Frühling und der warmen Witterung wird mit überdurchschnittlichen Erträgen beim Stein- und Kernobst gerechnet. Für konkrete Zahlen ist es laut den Fachstellen aber noch zu früh, die Mostapfelernte sei noch im Gange.

Gute Erträge werden auch bei den Sonnenblumen und Kartoffeln erwartet, die bewässert werden konnten. Und: Sollte es 2018 keine Spitzenweine geben, «dann ist daran nicht die Natur schuld», heisst es in Fachkreisen. Mit neuen Quellfassungen, grösseren Reservoirs und verstärkter Nutzung des Grundwassers versuchen sich die Bauern für kommende Trockenperioden vorzubereiten.

Im Rhein sorgte die Hitze für ein Fischsterben: Über drei Tonnen tote Fische wurden im August aus dem Fluss gezogen, mehrheitlich Äschen. Die Kantone Thurgau, Schaffhausen und Zürich verhängten im Anschluss ein Fangverbot für Äschen und Forellen bis Ende September 2019. Wie hoch der aktuelle Äschenbestand noch ist, werde sich erst im Verlaufe des Winters abschätzen lassen, sagt der Amtsleiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, Roman Kistler.

Im Kanton St.Gallen gab es zwar kein Massensterben, die Bachforellen haben aber in der Folge der Trockenheit und der Engpässe bei den Lebensräumen nicht die gleichen Reserven wie in normalen Jahren. Fische, die im Winter laichen, sind nun darauf angewiesen, dass die Wasserstände in den Fliessgewässern wieder steigen, damit sie zu ihren Laichplätzen kommen.

Die Verlierer des Hitzesommers im Überblick:

Ostschweizer Viehbauern und Älpler

Viele Bauern leiden wegen der Dürre unter Futtermangel. (Bild: Raphael Rohner)

Viele Bauern leiden wegen der Dürre unter Futtermangel. (Bild: Raphael Rohner)

(lex) Frisches Gras ist kaum gewachsen, viele Bauern mussten bereits im Sommer vom Winterfutter zehren. Und weil das nicht reichte, musste der Viehbestand reduziert werden. Auf dem Markt in Wattwil gab es in diesem Jahr daher viel Schlachtvieh. Abnehmer für die Tiere wurden vergeblich gesucht.

Zäuerli und der Klang von Kuhglocken läuten im Appenzellerland jeweils den Herbst ein. Für die Sennen ist es dann Zeit, mit ihrem Vieh zurück von der Alp ins Tal zu ziehen. In diesem Jahr fanden die Alpabzüge teilweise mehrere Wochen zu früh statt, weil die Kühe auf den Alpwiesen nicht zu fressen mehr finden konnten.

Ostschweizer Gletscher

«Für alle rund 1500 Schweizer Gletscher wird für das hydrologische Jahr 2017/18 ein Verlust von rund 1400 Millionen Kubikmetern Eis geschätzt», verkündete die Akademie der Naturwissenschaften diesen Monat in einer Mitteilung. Die Gletscher hätten allein 2017/18 2,5 Prozent ihrer Masse verloren. Und: Mit dem rekordheissen und trockenen Sommer hätte es noch viel schlimmer kommen können, wenn es im letzten Winter in den hohen Lagen nicht soviel geschneit hätte. Besonders den kleinen Gletschern machen die immer häufiger auftretenden extrem heissen und trockenen Sommer zu schaffen. Gemäss den Experten zerfallen viele richtiggehend. Das ist auch in der Ostschweiz der Fall. Der Pizolgletscher etwa bricht auseinander – und könnte schneller verschwinden als bisher angenommen.

Ostschweizer Feuerwerksverkäufer/1.-August-Freunde

In den Ostschweizer Kantonen galt aufgrund der Dürre zeitweise ein absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot. Unter diesem Entscheid haben nicht nur 1.-August-Fans gelitten, sondern vor allem auch Ostschweizer Feuerwerksverkäufer. Einer von ihnen ist Alain Stucki von der Firma Stucki AG in Wil:

Ostschweizer Wälder

Auch den Ostschweizer Wäldern hat die Dürre zugesetzt. Wegen der Trockenheit verfärbten sich bereits im Juli die ersten Blätter, einzelne Bäume verdorrten sogar. Inzwischen sind den Wäldern die Strapazen kaum noch anzusehen. Welche Spuren der heisse und trockene Sommer hinterlassen hat, kann derzeit jedoch noch nicht abgeschätzt werden. Erst im nächsten Jahr wird sich zeigen, wie gut die Bäume den Hitzesommer tatsächlich überstanden haben.

Ostschweizer Schifffahrt

Wer sich diesen Sommer auf dem Bodensee oder dem Rhein eine frische Brise um die Nasen wehen lassen wollte, musste sich besonders über eines gut informieren: Die Fahrtroute. Der niedrige Wasserpegel hat nämlich auch die Schifffahrt eingeschränkt. Da die schiffbaren Gewässer zu wenig Wasser hatten, konnten nicht mehr alle Landestellen angefahren werden. Der Pegelstand des Obersees lag etwa 80 Zentimeter unter dem Durchschnittswert für den Monat Juli.

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