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Lieber Koks als das billige Imitat: Ostschweizer sind zu reich für Crystal Meth

Die synthetische Droge Crystal Meth breitete sich in letzter Zeit in Deutschland wie in der Westschweiz aus. In der Ostschweiz gibt es Szenen wie aus «Breaking Bad» aber weiterhin nur am Fernsehen.
Kaspar Enz
Crystal Meth: In der Ostschweiz noch sehr selten. (Bild: Getty)

Crystal Meth: In der Ostschweiz noch sehr selten. (Bild: Getty)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

«Crystal ist nicht dein Freund!», warnt der Freistaat Bayern schon seit einigen Monaten in Werbespots. Von der tschechischen Grenze aus frisst sich die Droge nicht nur durch Ostdeutschland, das Methamphetamin hat auch Teile Bayerns erfasst.

Aber nicht nur im Norden der Ostschweiz, auch im Westen lauert die Horrordroge. Anfang Jahr zerschlug die Freiburger Polizei einen Ring von Crystal-Meth-Dealern. Denn in der Westschweiz breitet sich das Rauschgift seit 2015 aus. Im August nun die Meldung aus St. Gallen: In den Sporttaschen zweier junger Männer wurden 30 Einheiten Crystal Meth gefunden, wie die Stadtpolizei mit­teilte.

Meth-Fund war Fehlanzeige

Ist auch die Ostschweiz in den Sog der gefährlichen Droge geraten? «Fehlalarm», sagt Florian Schneider, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei. Das «Crystal Meth» aus der Sporttasche war gar keines. «Wie eine Laboranalyse gezeigt hat, war es ein anderes Amphetamin», sagt Schneider.

Eine gewisse Zunahme scheint es zwar zu geben: Im vergangenen Jahr stellte die St. Galler Kapo rund 180 Gramm Methamphetamine sicher, wie die Kriminalstatistik zeigt – deutlich mehr als in den Vorjahren, als es jeweils rund 30 Gramm waren. «Im nahen Ausland ist mehr davon im Umlauf», sagt Schneider. «Deshalb ist es auch hier einfacher, zum Stoff zu kommen.»

Trotzdem bleibe Crystal Meth eine Randerscheinung – im selben Jahr stellte die Kapo über 100 Kilogramm Marihuana sicher, über 20 Kilogramm Heroin und rund fünf Kilogramm Kokain.

Der Stoff kommt per Post

Und während man diese Drogen auch mal bei Strassenkontrollen sicherstellt, kommt das bei Crystal Meth kaum vor. «Wir finden es hauptsächlich in Postsendungen.» Ostschweizer Konsumenten bestellen es in den Niederlanden, Deutschland oder England, in den dunkleren Ecken des Internets, und sie bestellen kleine Mengen, höchstens 10 Gramm. «Eine eigentliche Szene mit Meth-Dealern oder Labors, die es herstellen, gibt es hier nicht», sagt Polizeisprecher Schneider.

Auch die Thurgauer Kantonspolizei hat keine Anzeichen dafür, dass Crystal Meth in die Ostschweiz überschwappen könnte. Kürzlich habe man zwar etwas davon gefunden, sagt Kapo-­Sprecher Matthias Graf: «0,2 Gramm.» Ein absoluter Einzelfall. Geht es den Schweizern noch zu gut? «Meth ist eine sehr billige Droge, die stark einfährt», sagt der St. Galler Polizeisprecher Florian Schneider. Aber sie hat auch üble Folgen, macht schnell abhängig. «Die hiesige Kaufkraft ist dafür wohl zu hoch», sagt er.

Lieber Kokain als Imitat

Tatsächlich könne sich in der Schweiz auch ein Arbeiter Kokain leisten, wenn er woanders Abstriche macht, bestätigt Regine Rust. «Kokain ist das teure Markenprodukt. Crystal Meth ist die billige Imitation», sagt die Betriebsleiterin der Suchtfachstelle St. Gallen.

Ähnlich wie Kokain habe es eine aufputschende Wirkung, man könne mehr leisten, fühle sich motivierter. «Entwickelt wurde es in Deutschland, dort wurde es im zweiten Weltkrieg den Soldaten gegeben», sagt Rust. Doch darauf folgt totale Erschöpfung und Depression, der man mit mehr Stoff zu entfliehen sucht – so gerät man in die Sucht.

Vor allem im Osten Deutschlands habe die Meth-Sucht mancherorts epidemische Ausmasse erreicht. Doch davon sei man hierzulande zum Glück noch weit entfernt. In St. Gallen gebe es erst eine kleine Zahl Gelegenheitskonsumenten.

Horrordroge im Auge behalten

Zum Glück, sagt Florian Schneider. «Crystal stellt schlimme Dinge mit einem an.» Es ist auch als «Horror- oder Zombiedroge» bekannt. Eingefallene Wangen, ausgefallene Zähne und Flecken auf fahler Haut: So sehen die Schreckensbilder der Süchtigen aus, die vor allem aus den USA kommen. «Wer Meth konsumiert, lebt aber meist schon in prekären Verhältnissen», relativiert Regine Rust.

Trotzdem gilt Crystal Meth als eine der schädlichsten Drogen überhaupt. «Wir verfolgen die Substanz deshalb sehr genau», versichert Florian Schneider.

Meth-Küchen von Tschechien bis Oberägeri

Zehn Jahre ist es her, seit die amerikanische TV-Serie «Breaking Bad» anlief. Die Geschichte des Chemielehrers, der Crystal Meth kocht, um Medikamente zu bezahlen, wurde auch in Europa Kult.

An die Serie erinnerte diesen Frühling auch ein Fall in der Innerschweiz. Dort stiess die Zuger Polizei auf eine Meth-Küche – zu Hause bei einem Manager. Tatsächlich ist die synthetische Droge vergleichsweise leicht herzustellen und entsprechend billig.

In Tschechien hob die Polizei Hunderte Labors aus. Von dort aus gelangt das kristalline Methamphetamin nach Deutschland. Dort hat Meth seinen Ursprung: Im Zweiten Weltkrieg wurden deutsche Soldaten mit der «Panzerschokolade» an die Front geschickt: Sie sollte Müdigkeit, Angst und Hunger vergessen machen. Doch es heisst nicht umsonst «Horrordroge»: Meth macht schnell süchtig und kann das Nervensystem unwiderruflich schädigen. (ken)

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