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Charthits statt Schweizerpsalm: Deshalb wird die Landeshymne an Ostschweizer Schulen nur selten gesungen

Im Tessin ist der Schweizerpsalm nicht nur Pflichtstoff, ab diesem Jahr werden Kinder auch darin geprüft. Ganz anders ist die Situation in der Ostschweiz: Die Landeshymne wird nur selten gesungen, was mehrere Gründe hat.
Ursula Wegstein
Eine Lehrerin singt mit Kindern: In Ostschweizer Schulen ertönt die Landeshymne nur selten. (Bild: Getty)

Eine Lehrerin singt mit Kindern: In Ostschweizer Schulen ertönt die Landeshymne nur selten. (Bild: Getty)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Der Schweizerpsalm ist kein einfaches Lied: Die Melodie steigt bis in hohe Tonhöhen und auch mit dem Text hat mancher seine Mühe. Und doch gehört er zur Identität der Schweiz. In den Schulzimmern einzelner Kantone ist er obligatorisch. So im Tessin seit dem Jahr 2013. Eigentlich. Doch die Nachforschungen eines SVP-Kantonsrats ergaben nun: Viele Schulen erfüllen die Hymnenpflicht nicht.

Darum schickt die Tessiner Regierung nun erstmals Inspektoren in die Klassenzimmer – zum Hymnentest. Falls nötig, ergreift das Erziehungsdepartement Massnahmen, damit die Kinder mit den patriotischen Klängen vertraut werden.

Charthits entsprechen dem Musikgeschmack

Die Realität in Ostschweizer Schulen: Kaum eine Klasse singt die Landeshymne im Unterricht. «Noch nie habe ich die Landeshymne oder Lieder der Volksmusik mit einer Klasse gesungen», sagt Nikolai Eggenberger, Oberstufenlehrer an der Maitlisek Gossau. «Wenn ich etwas Klassisches singen würde, dann wohl eher ein Chorstück aus der Romantik», so Eggenberger weiter.

Etwas Poppiges, das die Schüler auch in den Charts hören, träfe einfach eher ihren Musikgeschmack. «Sonst ist die Motivation zum Singen nicht so gross», sagt Eggenberger. Hoch im Kurs stehen vor allem Lieder von Ed Sheeran, etwa «Shape Of You» oder «Perfect» sowie «Say Something» von Justin Timberlake.

Auch Lukas Pfiffner, seit 1980 Mittelstufenlehrer, hat die Landeshymne in den letzten Jahren nicht mehr mit seinen Klassen gesungen. Stattdessen tönte heute aus dem Herisauer Schulzimmer «Wie viele Strassen» und «Der Papagei ein Vogel ist». Auch «Appenzeller Ländli Du» aus dem «Appenzeller Liederbuch» gehört zu Pfiffners Repertoire. Dass er die Landeshymne nicht mehr singe, habe keinen besonderen Grund. «Es gibt einfach so viele neue Lieder.»

Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden kennen beide das Landsgemeindelied «Ode an Gott». Ob ein Lehrer das Landsgemeindelied singe, hänge von der jeweiligen Beziehung zu diesem Lied ab, sagt Pfiffner.

Musik transportiert Emotionen

Anders ist das noch in der Lehrerausbildung. An der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) werde der Schweizerpsalm in der musikalischen Ausbildung der Lehrpersonen durchaus einmal gesungen, so Martin Lehner, Fachleiter Musik Sekundarstufe 1 an der PHSG. «Die Landeshymne kommt zum Beispiel auch im Modul Harmonielehre in der Sekundarstufe vor», sagt Lehner.

«Die Hymne hat melodische Wendungen und eine typische Modulation».

Zur Liedbegleitung gebe es verschiedene Versionen zur Auswahl.

«Dass die Landeshymne wenig gesungen wird, liegt vielleicht daran, dass wir eher ein distanziertes Verhältnis zu ihr haben», sagt Daniel Thommen, Co-Präsident des Lehrerinnen- und Lehrerverbands St.Gallen. Das Lied polarisiere wegen seiner stark religiösen Textstellen.

Ertönt die Landeshymne bei einem Fussball-Länderspiel, erzeugt sie teils dennoch Gänsehaut. «Das liegt an der Melodie und der Harmonie», sagt Lehner. «Sie hat etwas sehr Erhabenes, das uns speziell berührt.» Das mache die besondere Qualität der Komposition aus. Zusammen mit der Musik speichere das Gehirn auch die Emotion, die wir beim ersten Hören hatten. «Jedes Mal, wenn wir die Melodie hören, stellt das Gehirn diese emotionale Verbindung wieder her.»

Lieder im Lehrplan

Die Landeshymne ist gemäss Lehrplan 21 in den Ostschweizer Kantonen möglicher Schulstoff. Im Jahr 2015 scheiterte der St.Galler SVP-Kantonsrat Mike Egger mit einer Motion bei der Regierung. Egger forderte, dass in der Primarschule das Lernen der Landeshymne obligatorisch wird. Der Grund: Unterrichtsstoff gehöre nicht ins Gesetz, sondern sei Sache der Lehrpläne und Lernmittel.

Im Fachbereich «Natur, Mensch, Gesellschaft» sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Schweiz, ihren kulturellen Werten und typischen Umgangsformen befassen», so Alexander Kummer, Leiter Amt für Volksschule St.Gallen. Die Landeshymne und Nationalfeier seien ebenfalls Themen. In St.Gallen beinhalten das Singbuch «Sing Ais» für die Mittelstufe und jenes für die Oberstufe neben Schweizer Volksliedern auch die Landeshymne. Das «St.Gallerlied» ist nicht Pflicht.

Im Fachbereichslehrplan Musik des Thurgau steht: Die Schüler können die Eigenart von Liedern aus unterschiedlichen Kulturen singend interpretieren und dem kulturellen Kontext zuordnen (etwa Heimatlied oder Landeshymne). Nach ausführlicher Diskussion im Grossen Rat ist inzwischen auch das «Thurgauer Lied» verbindlicher Lerninhalt.

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