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Ostschweizer Schüler lernen schweizweit am längsten

In St.Gallen sind in den letzten Jahren zehn Prozent der Lektionen an den Mittelschulen gestrichen worden. So viel wie in keinem anderen Kanton. Trotzdem gehören die Unterrichtszeiten zu den längsten im Land.
Katharina Brenner
Schüler der Kanti am Burggraben haben deutlich mehr Unterricht als Gymnasiasten in Genf. (Bild: Urs Bucher, 15. Januar 2016)

Schüler der Kanti am Burggraben haben deutlich mehr Unterricht als Gymnasiasten in Genf. (Bild: Urs Bucher, 15. Januar 2016)

St. Gallen ist Sparmeister. Die Zahl der Lektionen an den Mittelschulen ist seit dem Jahr 2000 um 10,7 Prozent gesunken – so stark wie in keinem anderen Kanton. Das zeigt eine Untersuchung des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG). Die Maturitätsquote sei jüngst wieder kontrovers diskutiert worden, schreibt Lucius Hartmann, Vizepräsident VSG, einleitend. Da mute es doch etwas merkwürdig an, dass über die eigentliche Unterrichtszeit praktisch nichts gesagt werde.

Das hat die VSG jetzt getan, mit folgendem Ergebnis: Zwischen den Jahren 2000 und 2017 wurden im Durchschnitt drei Prozent aller Lektionen gestrichen. St. Gallen ist der einzige Ostschweizer Kanton von 15 untersuchten. Warum sind ausgerechnet hier so viele Lektionen weggefallen? Tina Cassidy, Leiterin des St.Galler Amts für Mittelschulen, sagt:

«Die Gründe für den Abbau liegen in der Verlegung der Maturitätsprüfung auf die Zeit vor den Sommerferien und die Verlängerung der Weihnachtsferien.»

Ausserdem habe es im Kantonsbudget Sparpakete gegeben. «Wir hatten das Glück, in der letzten Zeit wieder etwas aufbauen zu können.» Etwa mit dem Fach Informatik, das seit diesem Schuljahr unterrichtet wird. «Wir haben dafür nicht bei anderen Lektionen gespart, sondern es sind vier Jahreswochenlektionen dazu gekommen.»

Halbes Jahr mehr Unterricht in Appenzell als in Genf

Damit ist im Kanton St.Gallen eine Befürchtung von Schweizer Gymnasiallehrern nicht eingetreten: dass das Fach Informatik auf Kosten anderer eingeführt wird. Die Veröffentlichung der Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt hänge mit dieser Befürchtung zusammen, schreibt die «NZZ am Sonntag». Im selben Artikel nennt Marc König, Rektor der Kantonsschule am Burggraben und Präsident der Schweizer Gymnasialrektoren, den Abbau der Lektionen «schwerwiegend». Er war gestern für weitere Ausführungen verhindert.

Der Abbau an Lektionen im Kanton St.Gallen sei kein Grund für Alarmismus, beschwichtigt Tina Cassidy und verweist auf einen weiteren Aspekt der Untersuchung: Die Anzahl an Lektionen wurde in St.Gallen zwar reduziert, hier lernen Schülerinnen und Schüler im Schweizer Vergleich aber immer noch mit am längsten. Spitzenreiter ist Appenzell Innerrhoden. Während vier Jahren am Gymnasium beträgt die Unterrichtszeit dort 3600 Stunden (siehe Grafik). «Ein Schüler oder eine Schülerin in Appenzell Innerrhoden hat faktisch über ein halbes Jahr mehr Unterricht als in Genf!», heisst es in der Untersuchung der VSG.

Die Innerrhoder Landesschulkommission sei sich der hohen Lektionenzahl bewusst, sagt Silvio Breitenmoser, Leiter Amt für Mittel- und Hochschulen. «Die Unterrichtstage sind ziemlich gefüllt.» Mit der Einführung des Fachs Informatik verschärfe sich die Situation, mehr Lektionen finden kaum noch Platz. Die Schulleitung sei dabei, die Stundentafel genau zu analysieren. Ziel sei eine «ausgewogene Stundentafel», in der Raum für kreative Projektarbeiten ist.

Mit der Unterrichtszeit steigt Erfolg im Studium

Im Lauf der Jahre habe sich die Anzahl der Unterrichtsstunden von 3825 auf 3600 reduziert. Die Belastung für die Schülerinnen und Schüler scheint noch im erträglichen Rahmen zu sein, sagt Breitenmoser. Trotzdem müsse die Frage nach dem Mehrwert einer hohen Stundendotation gestellt werden. Mehr Erfolg an der Hochschule etwa: mit der Unterrichtszeit steigen die Erfolgschancen im Studium. Gemäss Untersuchung haben Kantone mit einer tieferen Unterrichtszeit zwar eine höhere Maturaquote – tendenziell aber auch mehr Studienabbrecher.

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