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Ostschweizer Parlamentarier zum Streit um Agroscope: «Eine Negativspirale droht»

Mit seinen Abbauplänen für die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Parlament eine herbe Niederlage erlitten. Dass Standorte - etwa jener in Tänikon - gestrichen werden, ist derzeit nicht mehr realistisch. Ostschweizer Parlamentarier drängen dennoch weiterhin auf Verbesserungen bei Agroscope.
Adrian Vögele, Bern
Blick in die Anlagen von Agroscope in Tänikon. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Blick in die Anlagen von Agroscope in Tänikon. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Sache ist krachend gescheitert: Bundesrat Johann Schneider-Ammann stiess mit seinen Sparplänen für die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope auf breiten Widerstand im Bundesparlament. Politiker von links bis rechts wehren sich gegen den Abbau, der auch den Standort Tänikon mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedroht hätte. Der Bundesrat versprach in der Sommersession, über die Bücher zu gehen und vorerst keine weiteren Entscheide zur Zentralisierung von Agroscope zu fällen. Doch damit ist das Thema für die Ostschweizer Parlamentarier nicht erledigt: «Es ist wichtig, dass wir jetzt den Druck aufrechterhalten», sagt Ständerätin Brigitte Häberli (CVP/TG). Sie fordert mit einer Motion mehr Autonomie für Agroscope – die Forschungsanstalt soll einen ähnlichen Status erhalten wie die ETH und dadurch weniger abhängig sein von der Bundesverwaltung. Der Ständerat behandelt den Vorstoss am kommenden Dienstag, mehr als die Hälfte der Ratsmitglieder hat ihn bereits unterzeichnet.

Sparen ohne inhaltliches Ziel

Für Häberli und ihren Thurgauer Ratskollegen Roland Eberle (SVP) ist Agroscope schon ­länger ein Sorgenkind. Dass der Bund mit dem Kanton Thurgau erst vor zwei Jahren einen Vertrag zum Forschungsstandort Tänikon abschloss, diesen dann aber kurz darauf wieder in Frage stellte, ist nicht das Einzige, was die beiden stört. «Das Hauptproblem ist, dass die geplante Reform von Agroscope finanziell motiviert ist – und nicht fachlich», sagt Roland Eberle. Der Bund wolle Standorte zusammenlegen, um Kosten zu sparen, ohne aber eine Strategie für die wissenschaft­liche Arbeit zu haben. Dabei sei die Landwirtschaft auf die Forschung angewiesen – «aber auf eine Forschung, die nicht einfach nur die Thesen der Bundesverwaltung bestätigt».

Agroscope brauche auch in Zukunft Standorte in den verschiedenen Regionen, sagt Häberli. Trotzdem lasse sich die Effizienz allenfalls noch steigern, etwa indem sich die Filialen stärker auf bestimmte Themen fokussieren. Die beiden Ständeräte betonen, es sei wichtig, dass die Zukunft der Forschungsanstalt bald geklärt wird. «Für die Angestellten ist die derzeitige Ungewissheit fatal», sagt Häberli. «Besonders die guten Leute schauen sich nach einer anderen Arbeitsstelle um. Eine Negativspirale droht.»

Schliessung von Filialen unwahrscheinlich

Besorgt ist auch Markus Ritter, St. Galler CVP-Nationalrat und Präsident des Schweizer Bauernverbandes. Agroscope verliere wegen der unglücklichen Reformversuche laufend hoch­qualifiziertes Personal. Ihn stört ebenfalls, dass Sparpläne gewälzt werden, bevor überhaupt die künftigen Ziele und Leistungen von Agroscope definiert sind. Ritter glaubt allerdings nicht, dass sich Bundesrat Schneider-Ammann jetzt noch leisten kann, Forschungsstandorte in Frage zu stellen, nachdem er mit seiner Reformidee im Parlament spektakulär aufgelaufen ist.

Bauern wollen flexiblere Forschung

Markus Hausammann (SVP/TG) kämpft im Nationalrat für dasselbe Anliegen wie Brigitte Häberli im Ständerat: Auch er hat eine Motion eingereicht. «Es muss ­etwas geschehen – Agroscope braucht eine Reform», sagt der Präsident des Thurgauer Bauernverbandes. Die Forschungsanstalt müsse unabhängiger werden vom Bund, und die Branche müsse mehr Einfluss nehmen können. «Für uns ist es wichtig, dass die Forschung flexibler wird.» Heute werde diese auf vier Jahre hinaus geplant. «So kann man nicht auf aktuelle Bedürfnisse der Bauern reagieren.» Und bisweilen würden auch Ergebnisse publiziert, die in der Praxis eigentlich schon lange bestätigt seien. Was die einzelnen ­Forschungsstandorte angeht, so zeichnet sich laut Hausammann ab, dass sie neu kategorisiert ­werden, als Haupt- oder Nebenstandorte. Dass Filialen ganz gestrichen würden, sei momentan eher nicht mehr zu befürchten.

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