Ostschweizer Medienpreis: Demokratie braucht guten Journalismus

Donnerstagabend sind die Ostschweizer Medienpreise vergeben worden. Sie gingen an die Journalistin Stefanie Hablützel, die Medienvereinigung Öffentlichkeitsgesetz.ch und den Journalisten Pascal Weber.

Claudia Schmid
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Am Donnerstagabend wurde der Ostschweizer Medienpreis verliehen, der an die Journalistin Stefanie Hablützel ging. (Bild: Mareycke Frehner)

Am Donnerstagabend wurde der Ostschweizer Medienpreis verliehen, der an die Journalistin Stefanie Hablützel ging. (Bild: Mareycke Frehner)

Der Radio- und Fernsehpreis der SRG Ostschweiz und der Ostschweizer Medienpreis sind erstmals gemeinsam verliehen worden. Die Übergabe fand am Donnerstagabend im St.Galler Pfalzkeller statt. Trotz engerer Zusammenarbeit und dem gemeinsamen Ziel, den Qualitätsjournalismus in der Ostschweiz zu fördern, bleiben die beiden Preise aber unabhängig.

Justizskandal aufgedeckt

Die Stiftung Ostschweizer Medienpreis verzichtete neu auf eine Einteilung in Kategorien und nominierte im Vorfeld fünf Arbeiten. Als Gewinner ging Stefanie Hablützel für das Aufdecken eines Justizskandals in Graubünden hervor. Ihr Text «Mit 100 Stundenkilometern ins Unglück» erschien am 14. Juni 2017 in der Zeit. Die Autorin habe über lange Zeit recherchiert, um einen Justizskandal aufzuklären, lobte die Jury. Dabei habe sie nicht skandaliert, sondern sachlich die Tragweite des Falles aufgezeigt. Der Preis ist mit 10'000 Franken dotiert.

Nominiert waren neben der Gewinnerin: Raya Badraun für eine Reportage über eine junge Kunstturnerin in der Ostschweiz am Sonntag; die Redaktion des Bündner Magazins Piz für die gesamte Ausgabe vom letzten Dezember; Roman Hertler für eine brisante Recherche im Innerrhoder Justizmilieu im St.Galler Tagblatt; Patricia Loher, Christian Brägger und Ralf Streule vom St.Galler Tagblatt für monatelange kompetente und kritische Einblicke in die Führungsgremien des FC St.Gallen.

Elf Redaktionen, eine Recherche

Das Tagblatt erhielt zusammen mit zehn weiteren Redaktionen einen Preis zur Recherche über die Öffentlichkeitsgesetze in St.Gallen. Von links: Jörg Krummenacher, Conradin Knabenhans, Maria Lorenzetti und Andri Rostetter. (Bild: Mareycke Frehner)

Das Tagblatt erhielt zusammen mit zehn weiteren Redaktionen einen Preis zur Recherche über die Öffentlichkeitsgesetze in St.Gallen. Von links: Jörg Krummenacher, Conradin Knabenhans, Maria Lorenzetti und Andri Rostetter. (Bild: Mareycke Frehner)

Im Rahmen des Ostschweizer Medienpreises wurde auch ein Anerkennungspreis verliehen. Dieser ging an die Medienvereinigung Öffentlichkeitsgesetz St.Gallen. Sie machte trotz anfänglichem Widerstand systematisch die Löhne aller Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten im Kanton St.Gallen öffentlich. Grundlage für die aufwendige gemeinsame Recherche von elf Redaktionteams bildete das 2014 erlassene Gesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung.

«Dass sich verschiedene Redaktionen der Ostschweiz für eine Recherche zusammenschliessen, ist ein Novum und einmalig», heisst es in der Begründung der Jury für den Anerkennungspreis. 72 der 77 Gemeinden gaben die gewünschten Daten den Medien bekannt, die anderen fünf veröffentlichten sie in der Folge ebenfalls.

Das Leiden der Menschen im Krieg

Der von der SRG Ostschweiz verliehene Radio- und Fernsehpreis erhielt Pascal Weber. Er ist seit 2010 Nahost-Korrespondent von Fernsehen SRF. Der im Linthgebiet aufgewachsene Journalist lebt heute mit seiner Familie in Beirut. «Mit viel Sachkenntnis schildert und analysiert Pascal Weber die vielschichtigen Konflikte im Nahen Osten», hielt die Jury fest. Engagiert, rücksichtsvoll und mit grossem Respekt erzähle er Geschichten von Menschen, die durch den Krieg in eine unerträgliche Lage gebracht worden seien und unter Armut und Unterdrückung litten. Die Auszeichnung sei nicht allein für ihn, sondern für alle Menschen, die ihm ihre Geschichten anvertraut hätten, betonte Pascal Weber.

Sylvia Egli von Matt hielt an der Preisverleihung ein Plädoyer für den Journalismus. «Wir brauchen den Journalismus für den Zusammenhalt der Gesellschaft», erklärte die frühere Direktorin der Journalistenschule MAZ und heutige Vizepräsidentin der Eidgenössischen Medienkommission. Vielleicht aber müsse man den Journalismus neu denken, um ihm die Bedeutung zurückzugeben, die ihm gebühre. Auch Antonia Fässler, Statthalter Appenzell Innerrhoden, betonte die Notwendigkeit des Journalismus für die Direkte Demokratie. Politik und Medien seien aufeinander angewiesen.

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Roman Hertler