Ostschweizer Kantone für kantonale Krankenkassen

Kantonale Krankenkassen wären nach Meinung von fünf Ostschweizer Gesundheitsdirektoren eine gleichwertige Alternative zur heutigen Kassenvielfalt. Allerdings würden sie derzeit noch Änderungen auf schweizerischer Ebene vorziehen.

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Teure Medizin: Lösungsvorschläge gibt es viele - die Kosten steigen derweil seit Jahren an. (Bild: Keystone)

Teure Medizin: Lösungsvorschläge gibt es viele - die Kosten steigen derweil seit Jahren an. (Bild: Keystone)

Ursula Hafner (SP), Schaffhauser Gesundheitsdirektorin, sagte am Donnerstag, man werde nun die Forderungen nach einem stärkeren Risikoausgleich zwischen den Kassen und der Ausweitung von Manged- Care-Modellen in Bern vorbringen. Sollte man kein Gehör finden, werde man in etwa zwei Jahren mit Vorarbeiten für einen Systemwechsel beginnen.

Studie vorgestellt
Die Gesundheitsdirektoren der Kantone St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Glarus haben am Donnerstag eine Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften vorgestellt. Diese geht der Frage nach, ob es sinnvoll wäre, die heutige Krankenkassen-Vielfalt durch kantonale Kassen zu ersetzen.

Gesetzesänderung auf Bundesebene Bedingung
Die Gesundheitsdirektoren kommen aufgrund der Studie zum Schluss, dass Krankenkassen, die alle Einwohner einer Region oder eines Kantons versichern, machbar wären. Grundbedingung dafür sei aber, dass das Krankenversicherungs-Gesetz auf Bundesebene geändert würde. Nur wenn auch auf eidgenössischer Ebene die heutige Krankenkassen-Vielfalt abgeschafft würde, hätten kantonale oder regionale Kassen eine Chance, hiess es am Donnerstag. Gegenüber dem heutigen System, das auf Wettbewerb unter den Krankenkassen baut, hätten Einheitskassen Vorteile. Sie könnten und müssten alle Einwohner eines Gebietes versichern, womit das Werben um kostengünstige Mitglieder (gute Risiken) sowie das Verwalten von Kassenwechseln entfiele. Kantonale Einheitskassen könnten nicht versuchen, kostenintensivere Versicherte wie alte Menschen und chronisch Kranke los zu werden.

Risikoausgleich entscheidend
Damit spiele die Solidarität zwischen den Versicherten und Versicherungen besser. Sollte allerdings der Risikoausgleich zwischen den heutigen Kassen gerechter werden, fiele dieser Vorteil weg. Angestrebt werden müsse ein Verbot von «Billigkassen», die ihre Tarife nur dadurch tief hielten, dass sie versuchten, möglichst wenig Alte und chronisch Kranke zu versichern. Ausgeweitet werden sollten zudem unbedingt die Angebote für Managed care - beispielsweise in Hausarztmodellen. Sie brächten eine bessere Kostenkontrolle. Die Frage nach kantonalen Krankenkassen ist in den vergangenen Monaten von den Gesundheitsdirektoren der EDK-Ost mehrfach gestellt worden. Ausgelöst wurden diese Vorstellungen durch die ständig steigenden Versicherungsprämien. (sda)