Ostschweizer Töff-Hotspots: Anwohner von Passstrassen wollen lärmende Töffs ausbremsen

Die Töffsaison wird länger, die Maschinen lauter: Anwohner von Passstrassen sind genervt. Die Kantonspolizei St.Gallen versuchte die Situation mit einer Lärmmessanlage unter Kontrolle zu bringen. Ohne Erfolg.

Remo Künzler
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Ein Töfffahrer liegt auf der Strasse zum Stoss in die Kurve.

Ein Töfffahrer liegt auf der Strasse zum Stoss in die Kurve.

Bild: Max Tinner

Seit den ersten warmen Frühlingstagen in der Ostschweiz röhren die Motoren der Töfffahrer lautstark über die Landstrassen. Besonders beliebt sind Passstrassen, die aufgrund der engen Kurvenführung für einen zusätzlichen Adrenalinschub sorgen. Laut der Verkehrsunfallstatistik des Kantons St.Gallen aus dem Jahr 2019 wird die Töffsaison dank der milden Wetterverhältnisse immer länger. Dies zum Leidwesen von Anwohnern und Landwirten: Die Anzahl von Lärmklagen häuft sich.

Der Motorenlärm auf der Stossstrasse in Altstätten ist einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. Besonders bei schönem Wetter stellen immer mehr Biker ihre Motoren auf die Probe.

Lärmmessanlage bringt nicht den erhofften Erfolg

Die Kantonspolizei bemüht sich am Stoss schon länger um mehr Ruhe: Vor wenigen Wochen wurde am Stoss denn auch ein neues Projekt lanciert: eine Lärmmessanlage. Nur brachte sie offenbar nicht den erhofften Erfolg: Wie «TVO» berichtete, würden Anwohner immer wieder beobachten, wie Töfffahrer extra das Gas betätigen, um einen Lärmrekord aufzustellen. Anwohner Bernhard Gätzi ist genervt:

«Sie holen Anlauf, um zu sehen, wie viel Lärm möglich ist.»

Dies sei mehrfach vorgekommen. Bei einer Überschreitung der Lautstärke werden keine Beweisfotos geschossen, sondern nur die Dezibel registriert, weshalb Gätzi den Sinn hinter der Anlage nicht versteht. Die Lärmsünder kommen ungeschoren davon.

Die Stadt Altstätten hatte das Messgerät in Kooperation mit der Kantonspolizei St.Gallen angeschafft. Bis Ende August sollte die Anlage an der Stossstrasse stehen, doch nun ist sie bereits wieder weg. Auf Anfrage von «20 Minuten» bei der Stadt Altstätten hiess es, dass man sie aufgrund von Reklamationen entfernt habe. Die Anlage könnte jedoch bald wieder an einer neuen Stelle aufgestellt werden.

Auch auf weiteren Strassen (siehe Karte) hat die Polizei zu kämpfen: Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt:

«Schwägalp, Hemberg, Ricken und viele weitere Passstrassen bilden die Hotspots der Töffszene.»

Mediale Kampagnen, Plakate und Kontrollen Um gegen Lärm vorzugehen, arbeite die Polizei präventiv mit medialen Kampagnen sowie mit Plakaten. Krüsi sagt: «Der Groll der Bevölkerung könnte durch das rücksichtsvollere Fahren der Töffs verhindert werden.»

Zudem führe man technische Kontrollen durch, wobei die Töffs genau unter die Lupe genommen werden. Krüsi ergänzt:

«Einige modifizieren die Fahrzeuge so, dass noch mehr Lärm erzeugt werden kann.»

Politischer Vorstoss im St.Galler Kantonsrat

In einem Vorstoss im St.Galler Kantonsrat werden Massnahmen gegen den Lärm von Töffs verlangt. Es seien immer mehr manipulierte Töffs unterwegs, die Lärmmessungen verfälschen könnten. Der Trick sei vergleichbar mit den Manipulationen beim Dieselabgas.

Meinrad Gschwend, Fraktionschef der Grünen im St.Galler Kantonsrat, will nun wissen, was die St.Galler Regierung gegen die Lärm-Manipulationsmechanismen bei Töffs unternehme und wie vorgegangen werden müsste, damit im Kanton St.Gallen auf bestimmten Strecken ein Fahrverbot für besonders lärmige Fahrzeuge erlassen werden könnte.

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