Vier Kantone beteiligen sich finanziell: Die St.Galler Bewerbung für den nationalen Innovationspark hat Rückenwind

Der Kanton St.Gallen bewirbt sich ein drittes Mal beim Bund für einen Standort im nationalen Innovationspark. Nach zwei gescheiterten Anläufen sieht es nun besser aus: Die Bewerbung hat die Vorprüfung überstanden. An der Finanzierung des Parks wollen sich alle Ostschweizer Kantone beteiligen.

Adrian Vögele
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Der Innovationspark Ost soll in der Stadt St.Gallen bei Empa und Startfeld angesiedelt werden.

Der Innovationspark Ost soll in der Stadt St.Gallen bei Empa und Startfeld angesiedelt werden.

Mareycke Frehner

Die Vorarbeiten sind abgeschlossen, jetzt gilt es ernst: Der Kanton St.Gallen bewirbt sich ein drittes Mal für einen Standort im nationalen Innovationspark. Dieses gesamtschweizerische Grossprojekt zur Verknüpfung von Forschung und Wirtschaft ist 2016 gestartet und wird vom Bund mit 350 Millionen Franken unterstützt. In diversen Regionen der Schweiz sind bereits Standorte in Betrieb oder im Aufbau (siehe Karte), nur die Ostschweiz spielt in diesem Netzwerk bisher keine Rolle. Der Kanton St.Gallen scheiterte zweimal mit seiner Bewerbung, der Thurgau hatte ebenfalls keinen Erfolg.

Im dritten St.Galler Anlauf läuft bisher alles nach Plan. Die Kernidee: Rund um die Empa in der Stadt St. Gallen soll ein «Innovationspark Ost» entstehen – mit Schwerpunktbereichen wie Medizinaltechnik, Optik und Photonik. Beteiligt sind auch das Kantonsspital und die Universität St.Gallen. Ostschweizer Unternehmen sollen einen einfacheren Zugang zur Spitzenforschung erhalten und so die Entwicklung innovativer Produkte besser vorantreiben können.

Die Vorprüfung ist überstanden

Der Kanton St.Gallen reichte seine Bewerbung im vergangenen Jahr bei der Stiftung Switzerland Innovation, die für den nationalen Innovationspark zuständig ist, zur Vorprüfung ein. Diese Vorprüfung ist inzwischen abgeschlossen – mit positivem Fazit. Der Kanton musste lediglich Details nachjustieren. «Wir haben aus den Erfahrungen mit den ersten beiden Bewerbungen gelernt», sagt Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner, der das Dossier vor kurzem von seinem Vorgänger Bruno Damann übernommen hat. Die Wirtschaft sei an der Planung eng beteiligt – «ohne sie wäre der Innovationspark nicht realisierbar». Und mit Empa, Kantonsspital sowie HSG seien Institutionen mit im Boot, die «exzellente Forschung» betreiben würden.

Beat Tinner, St.Galler Volkswirtschaftschef (FDP).

Beat Tinner, St.Galler Volkswirtschaftschef (FDP).

PD

Nachdem die erste Hürde gemeistert ist, steht die zweite, entscheidende Hürde bevor: Die St.Galler Regierung hat das fertige Bewerbungsdossier verabschiedet, nun wird es definitiv eingereicht. Switzerland Innovation wird das Vorhaben vertieft prüfen und dann dem Bundesrat einen Antrag stellen, ob der Standort St.Gallen in den nationalen Innovationspark aufgenommen werden soll oder nicht. «Mit dem Entscheid des Bundesrats rechnen wir im ersten Quartal 2021», sagt Tinner.

Eine Viertelmillion Franken aus dem Thurgau

Die letzten Details zur Finanzierung des Parks werden zur Zeit geklärt. Tinner zeigt sich zuversichtlich, dass das Aktienkapital von drei Millionen Franken zustande kommt, je zur Hälfte finanziert von Wirtschaft und öffentlicher Hand. Ein grosser Teil der Beiträge sei bereits zusichert.

Die Thurgauer Regierung will sich am Aktienkapital des Innovationsparks Ost beteiligen – unter der Voraussetzung, dass dieser tatsächlich vom Bund ins Netzwerk aufgenommen wird und der Thurgau ein Mitbestimmungsrecht erhält, etwa mit einem Sitz im Verwaltungsrat des Innovationsparks Ost. Laut dem Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit geht es um 250'000 Franken. «Ein substanzieller Beitrag», wie Beat Tinner sagt. Die Unterstützung der Thurgauer Regierung sei ein Zeichen dafür, dass der Innovationspark Ost breit abgestützt sei. Der Thurgauer Grosse Rat muss die Beteiligung allerdings noch absegnen. Auch die anderen Ostschweizer Kantone, die Stadt St.Gallen sowie das Fürstentum Liechtenstein haben Finanzbeiträge in Aussicht gestellt oder schon zugesagt. Appenzell Innerrhoden etwa hat bereits entschieden: Der Kanton wird 100'000 Franken ins Aktienkapital einbringen, wie Volkswirtschaftsdirektor Roland Dähler sagt.

Auch Ausserrhoder Firmen sind interessiert

In Ausserrhoden steht der Beschluss noch bevor. «Aus unserer Sicht ist das ein wichtiges Projekt für die ganze Region», sagt Daniel Lehmann, Leiter des Ausserrhoder Amts für Wirtschaft und Arbeit. Der Kanton habe darum ebenfalls die Absicht, sich am Aktienkapital zu beteiligen. «Appenzell Ausserrhoden hat nur schon aufgrund der geografischen Nähe zum geplanten Standort ein besonderes Interesse am Innovationspark.» Zudem seien verschiedene Ausserrhoder Firmen in den Bereichen tätig, auf die das Projekt ziele. Über die Höhe der finanziellen Beteiligung wird die Ausserrhoder Regierung nach den Sommerferien entscheiden.

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