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Ostschweizer Bundespolitiker uneins über Vaterschaftsurlaub: «Zwei Wochen sind lächerlich wenig» – «Väter sollen Ferien nehmen»

Heute Mittwoch entscheidet der Nationalrat, ob Väter nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub erhalten sollen. Ostschweizer Politiker sind sich uneins.
Adrian Vögele, Bern
Der Ständerat will zwei Wochen bezahlte Auszeit für Väter. Am Mittwoch muss der Nationalrat entscheiden. (Bild:Alessandro Crinari/Keystone)

Der Ständerat will zwei Wochen bezahlte Auszeit für Väter. Am Mittwoch muss der Nationalrat entscheiden. (Bild:Alessandro Crinari/Keystone)

Väter sollen nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub erhalten: Dieser Kompromiss steht im Zentrum, wenn der Nationalrat heute Mittwoch über einen staatlich finanzierten Vaterschaftsurlaub debattiert. Es handelt sich um den Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Vaterschaftsurlaub jetzt», die vier Wochen fordert. Der Ständerat hatte dem Gegenvorschlag deutlich zugestimmt. Der Urlaub soll über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert werden, der Bund schätzt die Kosten auf 230 Millionen Franken pro Jahr.

Ostschweizer Nationalrätinnen und Nationalräte sind mässig begeistert über die Zwei-Wochen-Lösung – aus unterschiedlichen Gründen. «Zwei Wochen sind lächerlich wenig», sagt Barbara Gysi (SP/SG). Natürlich werde sie dem Vorschlag zustimmen – aber danach müssten weitere Schritte folgen. Die SP fordert 38 Wochen Elternurlaub – je 14 für Mutter und Vater sowie zehn frei aufteilbare Wochen. Auch Edith Graf-Litscher (SP/TG) ist daher mit zwei Wochen nicht zufrieden. Dennoch sage sie Ja dazu – «ich habe lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.»

Unternehmer ärgern sich

Ganz anders klingt es bei der SVP. «Einen staatlich finanzierten Vaterschaftsurlaub braucht es nicht», sagt der Ausserrhoder David Zuberbühler. Väter könnten nach der Geburt ihre Ferien beziehen – «so habe ich es bei meinen zwei Kindern auch gemacht». In seinem eigenen Unternehmen klappe das problemlos. «Zudem erhalten Väter bei uns in jedem Fall drei Tage frei – den gesetzlich vorgeschriebenen Tag plus zwei weitere Tage.» Dass Grossunternehmen ihren Mitarbeitern teils mehrere Monate Vaterschaftsurlaub anbieten, sei schlecht, so Zuberbühler.

«Das setzt die ganze Wirtschaft unter Druck.»

Kritisch äussert sich auch Hansjörg Brunner (FDP), Präsident des Thurgauer Gewerbeverbands. Die EO-Abgaben müssten für den zweiwöchigen Urlaub erhöht werden, was eine Mehrbelastung für die Wirtschaft bedeute. «Das lehne ich ab. Man sollte das Thema ohnehin besser im Rahmen der Sozialpartnerschaft regeln.» Es sei für ihn als Unternehmer eine Selbstverständlichkeit, dass Väter nach der Geburt ihres Kindes Ferien beziehen oder Überzeit kompensieren könnten.

«Das Geld besser in Betreuung investieren»

Auch Marcel Dobler (FDP/SG) lehnt die Initiative und den indirekten Gegenvorschlag ab. «Ich teile die Ansicht des Bundesrats, dass man das Geld besser und nachhaltiger in Kinderbetreuungsangebote investieren würde anstatt in einen Vaterschaftsurlaub.» Zudem unterstütze er den Vorschlag seiner Partei für 16 Wochen Elternzeit, wobei acht Wochen für die Mutter reserviert wären und der Rest aufteilbar zwischen beiden Eltern.

Das wiederum kommt bei der Linken schlecht an. «Die 14 Wochen Mutterschutz sind unantastbar», sagt Barbara Gysi. «Sie gehören den Müttern.»

«Ein gewisser Ausgleich zugunsten kleiner Firmen»

Zufrieden mit dem Zwei-Wochen-Kompromiss zeigen sich CVP-Vertreter. «Er ist im Interesse kleiner Unternehmen», sagt Nicolo Paganini. «Sie erhalten damit einen gewissen Ausgleich gegenüber Grossunternehmen, die lange Vaterschaftsurlaube bieten können.» Auch Bauernpräsident Markus Ritter unterstützt den Gegenvorschlag.

«Wer die Familie in der Nähe hat, wie das bei vielen Bauern der Fall ist, braucht keinen Vaterschaftsurlaub.»

Doch wo die Verwandtschaft die Kinder nicht mitbetreuen könne, sei eine bezahlte Auszeit für die Väter nötig.

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