SCHOCK FÜR ROMANSHORNER EHEPAAR: Feuerhölle zum Ferienende

Jürgen und Christa Dombrowski aus Romanshorn haben bange Momente in Süditalien erlebt. Ihr Wohnmobil fing Feuer und brannte komplett aus. Dabei hatten die beiden sogar noch Glück im Unglück.

Daniel Walt
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Alle Löschversuche blieben erfolglos: Das Wohnmobil aus dem Thurgau brennt lichterloh. (Bild: PD)

Alle Löschversuche blieben erfolglos: Das Wohnmobil aus dem Thurgau brennt lichterloh. (Bild: PD)

Jürgen Dombrowski ist ein Bär von einem Mann: 1.98 Meter gross, stämmig, Schuhgrösse 51. Das, was er vor genau einer Woche erlebt hat, liess ihn aber hemmungslos weinen. "Das seelische Tief kam einen Tag, nachdem unser Wohnmobil abgebrannt ist", berichtet Dombrowski. Erst in jenem Moment wurde dem 61-Jährigen und seiner Frau so richtig bewusst, was sie gerade erlebt hatten und wie knapp sie einer noch viel grösseren Katastrophe entkommen waren.


Gasexplosion reisst Fahrzeug in Stücke

Jürgen und Christa Dombrowski hatten wunderbare Tage auf Sizilien verbracht – zum zweiten Mal innert Jahresfrist. "Mit etwas Wehmut, aber auch Vorfreude auf die Rückkehr nach Hause setzten wir in der Nacht mit der Autofähre nach Neapel über", blickt Jürgen Dombrowski zurück. Kurz nach 9 Uhr war es, als sie mit ihrem Wohnmobil am vergangenen Dienstag die Ortschaft Torre Annunziata passierten. Plötzlich stieg Rauch aus dem Motorraum. Sofort hielten die beiden an. Und sahen, wie ein Gemisch aus Wasser und Diesel auf die Strasse lief und Feuer fing. In der Folge gelang es den beiden gerade noch, ein paar Habseligkeiten aus dem Wohnmobil zu retten, bevor dieses innert kürzester Zeit in Vollbrand stand. Schliesslich explodierten die zwei Gasflaschen an Bord des Fahrzeugs und rissen das Wohnmobil in Stücke.

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Wrack für 300 Euro entsorgt

"Anfangs funktionierten wir bloss", blickt Jürgen Dombrowski, lange Jahre im Kader der Feuerwehr Romanshorn, auf die bangen Momente zurück. Der italienischen Sprache nur bedingt mächtig, waren sie dankbar, als sich ihnen plötzlich auf Deutsch eine Frau vorstellte. "Sie war früher in Arbon wohnhaft gewesen und lebt mittlerweile wieder in ihrer Heimat Italien. Ihr Mann hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass in der Nähe ein Wohnmobil mit Thurgauer Nummernschild in Brand geraten war", sagt Dombrowski. Die Frau stand dem Paar aus Romanshorn in der Folge emotional bei, half ihnen bei der Erledigung der Formalitäten mit der Polizei und vermittelte den Dombrowskis den Kontakt zum Pfarrer der kleinen evangelisch-lutherischen Gemeinde "Cristo Salvatore". Deren Kirche befindet sich nur rund 300 Meter vom Ort des Unglücks entfernt. Dort fand das Paar aus Romanshorn für zwei Nächte Unterschlupf. Der Pfarrer organisierte schliesslich auch die Entsorgung des komplett abgebrannten Wohnmobils zu einem Spottpreis von 300 Euro.
 

"Nicht auszudenken, was passiert wäre"

"Die Hilfsbereitschaft, die wir vor Ort erlebt haben, war überwältigend", blickt Christa Dombrowski zurück. Selbst die Bewohner eines Hauses, das durch den Brand arg in Mitleidenschaft gezogen worden war, kümmerten sich rührend um das Paar und deckten es beispielsweise mit Esswaren ein. "Dies, obwohl es in den Wohnungen nach Rauch stank, Fensterrahmen geschmolzen und Glasscheiben zu Bruch gegangen waren", sagt Jürgen Dombrowski. Dankbar sind er und seine Frau vor allem aber dafür, dass beim Brand niemand verletzt worden ist. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn unser Wohnmobil nur wenige Stunden zuvor auf der Autofähre Feuer gefangen hätte", sagt Jürgen Dombrowski. Er und seine Frau sind sich bewusst: "Das hätte in einer Katastrophe für viele Menschen enden können."

Bestürzt: Jürgen und Christa Dombrowski. (Bild: dwa)

Bestürzt: Jürgen und Christa Dombrowski. (Bild: dwa)

Der Traum lebt weiter

Vor vier Jahren hatten Jürgen und Christa Dombrowski das Wohnmobil mit Baujahr 2007 gekauft. "Es bedeutete für uns verlängerte Wochenenden, Ferien – einfach Entspannung", sagt Christa Dombrowski traurig. Ein zweites Zuhause inklusive Kühlschrank, Backofen und TV-Apparat sei es für sie gewesen, fügt Jürgen Dombrowski an. Dementsprechend nimmt der Verlust des Wohnmobils Dombrowski und seine Frau mit. "Viele Erinnerungen sind mit dem Fahrzeug und all den Dingen verbunden, die nun verbrannt sind", sagt Christa Dombrowski. Weshalb das Fahrzeug in Brand geraten sei, werde vermutlich kein Techniker mehr herausfinden, sagt Jürgen Dombrowski. Zuletzt hatte das Ehepaar im April rund 3000 Franken in einen grösseren Service investiert.

Mit einigen Tagen Abstand können es sich die beiden Romanshorner vorstellen, dereinst wieder ein Wohnmobil anzuschaffen. Denn ihren Traum von der grossen Unabhängigkeit auf Reisen wollen sie nach den schrecklichen Stunden in Süditalien nicht aufgeben. Ein angeschmorter Spielwürfel, den sie im Wrack gefunden haben, könnte dereinst zum Schlüsselanhänger für ein neues Wohnmobil werden. Zunächst müssen sie nun aber viel Papierkram erledigen, insbesondere mit der Versicherung. Und: Jürgen Dombrowski muss sich neue, speziell angefertigte Schuhe der Grösse 51 besorgen – praktisch all seine Exemplare sind im Wohnmobil nämlich verbrannt.