KRADOLF: Hanf-Streit: Auch Anlagen im Thurgau durchsucht

Zweite Runde im Streit um Ostschweizer Industriehanf: Nachdem die St.Galler Behörden eine Hanfanlage der Firma Medropharm durchsucht und sämtliche Pflanzen vernichtet hatten, sind nun auch die Standorte im Thurgau überprüft worden. Der Geschäftsführer ist ratlos über das Vorgehen der Behörden: "Was wir hier machen, ist alles legal."

Tim Naef
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Blick in eine Hanfanlage der Medropharm. (Bild: pd)

Blick in eine Hanfanlage der Medropharm. (Bild: pd)

KRADOLF. Die Thurgauer Kantonspolizei hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bischofszell am Dienstag sämtliche Liegenschaften der Thurgauer Firma Medropharm durchsucht. "Es wurden zwei Hanfanlagen, die Geschäftsräume und sogar die Privatwohnung unseres Chefs durchsucht", sagt Patrick Widmer, Mitinhaber von Medropharm.

Dies bestätigt die Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage. "Bei der Aktion wurden Medizinalprodukte sichergestellt und Hanfpflanzen beschlagnahmt", sagt Andy Theler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Zudem sei der Geschäftsführer der Firma, der bei den Hausdurchsuchungen anwesend war, polizeilich befragt worden. Wo sich die Anlagen befinden, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

"Wir waren immer transparent"
Laut Theler führt die Staatsanwaltschaft Bischofszell eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts der Widerhandlung gegen das Betäubungs- sowie gegen das Heilmittelgesetz. Anhand von Proben soll nun etwa der THC-Gehalt der Pflanzen ermittelt werden. Widmer kann sich daraus keinen Reim machen: "Wir waren die ganze Zeit transparent. Was wir hier machen, ist vollkommen legal."

In der Anlage werden Hanfpflanzen mit einem THC-Wert unter einem Prozent angebaut. "Wir sind nicht am THC interessiert, sondern an Cannabidiol (CBD)" sagt Widmer. Dieses wird beispielsweise bei der Behandlung von Epilepsie eingesetzt. CBD darf in den meisten Ländern legal verkauft werden und wird hauptsächlich für medizinische Zwecke angewendet. In der Schweiz dürfen Hanfplanzen ohne Sondergenehmigung angebaut werden, deren Blüten einen geringeren THC-Wert aufweisen als ein Prozent.

"Die Behörden waren informiert"
Der Anbau von Hanf wurde laut Theler von Medropharm im Thurgau nicht gemeldet. Dem widerspricht Widmer entschlossen: "Wir standen in ständigem Kontakt mit verschiedensten Behördenvertretern. Sie wissen ganz genau, was wir in den Räumlichkeiten anbauen." Er habe beispielsweise mit dem Chef der Thurgauer Kriminalpolizei Mailkontakt gehabt.

Zudem habe er mit dem Ermatinger Polizeichef einen Termin am Montag gehabt. "Wir wollten eine Schulung in unseren Räumlichkeiten abhalten, um den Unterschied zwischen Drogenhanf und Industriehanf aufzuzeigen", sagt Widmer. Dieser Termin sei aber wegen "Terminkollisionen" seitens der Polizei abgesagt worden. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Behörden sagen können, wir hätten sie nicht informiert. Ich habe bei den besagten Herren sogar nachgefragt, ob ich noch weiteren offiziellen Stellen Bescheid geben muss."

Widmer hofft nun einfach, dass die ganze Sache geklärt wird. "So wie es aussieht, wurden im Thurgau keine Pflanzen vernichtet. Dies hätte einen Schaden von mehreren Hunderttausend Franken verursacht. Glücklicherweise sei es nicht wie im Kanton St.Gallen abgelaufen."

Über 100'000 Franken Schaden in St.Gallen
Anfang September war in St.Gallen eine Anlage für Industriehanf, die ebenfalls zu Medropharm gehört, von der Kantonspolizei durchsucht worden. Bei der Razzia hätten die Behörden über 600 Hanfpflanzen beschlagnahmt und anschliessend vernichtet, sagt Widmer. "Zudem sind Geräte im Wert von rund 35'000 Franken zerstört worden. Wir verstehen nicht, warum man den Hanf nicht unter polizeilicher Aufsicht ausblühen lassen konnte, statt ihn zu zerstören."

Das Unternehmen mit Sitz in Kradolf, welches für verschiedene Pharmafirmen im Ausland Industriehanf produziert, lässt seinen Hanf regelmässig von unabhängigen Labors überprüfen. Aus einem Analysebericht, der Tagblatt Online vorliegt, geht hervor, dass der Medropharm-Hanf lediglich einen THC-Gehalt von 0,68 Prozent hat.

Doch nicht nur der Sachschaden ist gross. Die zerstörten Pflanzen hätten zudem rund 26 Kilogramm Industriehanf abgeworfen. "Wir bezahlen unseren Auftragnehmern 4000 Franken pro Kilogramm", so Widmer. Der Ertragsausfall beträgt demnach über 100'000 Franken.

In St.Gallen hatte es Medopharm versäumt, den Anbau des Hanfs anzumelden, wie es im kantonalen Gesundheitsgesetz verlangt wird. "Wir haben dies aber schlicht nicht gewusst", so Widmer. Für ihn steht es ausser Frage, dass sein Unternehmen in St.Gallen einen Fehler gemacht hat. Er stellt aber nach wie vor die Verhältnismässigkeit des Einsatzes der St.Galler Behörden in Frage.

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