Heilbad Unterrechstein: vorläufig keine Entschuldigung

GRUB AR/HEIDEN. Der Druck auf das Heilbad Unterrechstein steigt. Der Gemeinderat Heiden distanziert sich von den Verantwortlichen, welche einer Gruppe behinderter Kinder den Zugang zum Bad verwehrt haben. Der Geschäftsleiter des Heilbades seinerseits ist enttäuscht über die Kritik aus Heiden.

Daniel Walt
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Im Kreuzfeuer der Kritik: Das Mineral- und Heilbad Unterrechstein. (Bild: Benjamin Manser)

Im Kreuzfeuer der Kritik: Das Mineral- und Heilbad Unterrechstein. (Bild: Benjamin Manser)

Dicke Post für Heinrich Eggenberger, Geschäftsleiter des Heilbades Unterrechstein: In einem Schreiben fordert die Gemeindebehörde von Heiden, dass das Heilbad Gruppen mit behinderten Menschen künftig wieder uneingeschränkt Zugang gewährt. Gleichzeitig will der Gemeinderat, dass sich Eggenberger bei der Heilpädagogischen Schule Heerbrugg entschuldigt, deren Gruppe mit behinderten Kindern abgewiesen worden war.

«Können Haltung nicht nachvollziehen»
«Das Vorgehen des Heilbades hat in mir Enttäuschung und Unverständnis hervorgerufen», erklärt Norbert Näf, Gemeindepräsident von Heiden, auf Anfrage. Das Thema sei im Gemeinderat diskutiert worden - «die Behörde fand: Wir müssen handeln, um unsere Sicht der Dinge darzulegen.» Im Schreiben an den Geschäftsleiter des Heilbades hält Norbert Näf namens der Behörde fest: «Das Heilbad hat für die ganze Region eine hohe touristische Bedeutung. Deswegen sieht sich der Gemeinderat im Interesse des Rufs der Tourismusdestination Heiden verpflichtet, sich von Ihrer Politik bezüglich Einschränkung des Zutritts zum Heilbad für Gruppen mit behinderten Personen zu distanzieren. Wir können Ihre Haltung nicht nachvollziehen.» Die Integration von Menschen mit Behinderungen sei nicht nur gesetzliche, sondern auch gesellschaftliche Pflicht, welche insbesondere Anbietende von touristischen Dienstleistungen zu erfüllen hätten.

Mehrere Gründe für Stellungnahme
Das Heilbad Unterrechstein befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Grub AR. Der Gemeinderat Heiden macht mehrere Gründe geltend, weshalb er sich zum Streit ums Baden für behinderte Kinder vernehmen lässt. Zum einen verwendet das Heilbad als Geschäftsadresse ein Postfach in Heiden. Zum anderen wirbt es auf der eigenen Homepage und auf Druckerzeugnissen mit dem Standort und der touristischen Marke Heiden. «Zudem ist die Gemeinde Heiden Aktionärin der entsprechenden Aktiengesellschaft», so Norbert Näf. Er habe dem Geschäftsleiter des Heilbades das gemeinderätliche Schreiben vorab per Mail zukommen lassen und auch mit ihm telefoniert - «er hat eine andere Sicht der Dinge», so Näf, der aber nach wie vor auf ein Umdenken in Unterrechstein hofft. Dies auch vor dem Hintergrund, dass ihm diverse Leute berichtet hätten, sie hätten ihr Abonnement für das Heilbad zurückgegeben.

Enttäuschter Geschäftsleiter
Heinrich Eggenberger, Geschäftsleiter des Heilbades Unterrechstein, hat wenig Verständnis für die gemeinderätliche Stellungnahme aus Heiden: «Ich bin sehr enttäuscht, wie pauschal die Behörde das Thema abhandelt», hält er fest. Eine Entschuldigung gegenüber der betroffenen Schule sei für ihn vorderhand kein Thema, genauso wenig ein Abrücken von der definierten Haltung - «wobei wir sie permanent überprüfen», sagt Eggenberger. Er stellt fest, dass es nach Absprache für Gruppen mit behinderten Kindern durchaus weiterhin möglich sei, zu den gewöhnlichen Öffnungszeiten in Unterrechstein zu baden. «Wichtig ist, dass man miteinander redet, und dann findet man auch einen Weg», sagt er.