«Waadt erinnert an Bayern»

St. Gallen. Am besten durchstreift man die Sonderschau «Das Waadtland ist einzigartig» zu verschiedenen Tageszeiten. In der Frühe fallen jene auf, die daran interessiert sind, mehr über diese Region zu erfahren. Sie wollen entdecken, was sie trotz Ferienaufenthalten nicht mitbekamen.

Mélanie Knüsel-Rietmann
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Auf der Genussinsel locken Waadtländer Spezialitäten die Olma-Besucher zum kulinarischen Kennenlernen der Waadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auf der Genussinsel locken Waadtländer Spezialitäten die Olma-Besucher zum kulinarischen Kennenlernen der Waadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

St. Gallen. Am besten durchstreift man die Sonderschau «Das Waadtland ist einzigartig» zu verschiedenen Tageszeiten. In der Frühe fallen jene auf, die daran interessiert sind, mehr über diese Region zu erfahren. Sie wollen entdecken, was sie trotz Ferienaufenthalten nicht mitbekamen. «Wir hatten keine Ahnung davon, wie viele multinationale Unternehmen gegründet worden sind – etwa der Arbeitsvermittler Adecco, der Elektronikspezialist Kudelski oder Logitech. Auch was an der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Lausanne geforscht wird, ist neu für mich», sagt Margrit Looser aus Au. Sie steht vor dem ersten Roboter, der selber entscheiden kann, was er als nächstes tun oder eben lassen möchte. «Ein bisschen erinnert mich das an Bayern, wo wir ebenfalls oft Ferien machen: High-Tech und Tradition sind hier vereint», sagt ihr Begleiter.

Was ist ein Pédibus?

Blankes Staunen auch bei dem Ausstellungsteil, wo bewiesen wird, dass die Waadtländer den Begriff Nachhaltigkeit nicht zur Floskel in Schönwetterreden verkommen lassen. Marketing-Direktorin Tanja Dubas muss erklären, was ein Pédibus ist. «Mit dieser Initiative werden Kinder dazu ermuntert, zu Fuss in die Schule zu gehen. An festgelegten Punkten werden sie von Vertrauenspersonen abgeholt und marschieren gemeinsam dorthin.» Die Geschichte hinter den zwischen Blumenblättern plazierten Solarmodulen interessiert ebenfalls: In Lausanne müssen bei Neubauten 30 Prozent der Energie für Warmwasser durch Sonnenenergie erzeugt werden. Für 1000 Franken pro Einheit können solche Einrichtungen nach Hause bestellt werden.

Der Ganzjahres-Klaus

Nicht nur die Welt der Forschung oder des Umweltschutzes locken Besucher an, auch das Brauchtum, das selbst Waadtland-Liebhabern fremd ist. Niklaus Mani führt einen Mann vor, der zwar an einen Samichlaus erinnert, aber völlig «verkehrt» gekleidet ist. Sein Gewand gleicht eher einem Tarnanzug. «Bei uns lebt er ganzjährig oberhalb von Montreux und muss sich verkleiden, damit ihn niemand erkennt.» Er erzählt den Zuhörern augenzwinkernd kurlige Geschichten. Zur Weihnachtszeit kann der Besucher auf dem Gare de Père Noël eine Bahn besteigen und hinauf zum Rochers-de-Naye fahren, wo die Behausung des Samichlaus zu besichtigen ist – mit allen nur denkbaren Requisiten.

Je später der Tag, desto mehr Besucher durchstreifen die Sonderausstellung wegen der Spezialitäten, für die das Waadtland bekannt ist: die Charcuterie vaudoise, der Vacherin Mont-d'Or und die Weine. «Halt, das muss umgekehrt formuliert werden», sagt ein Degustant. Eine lustige Runde pflichtet ihm bei: «Der Wein kommt an erster Stelle.» Das bestätigt der Winzer Jean-Pierre Cavin. «Die Ostschweizer sind unsere treuesten Gäste.» Nelly Barraus, sie wirbt für die «echte Saucisson vaudois», nickt. «Wir schwelgen in Ferienerinnerungen», sagt ein junges Paar, das sich von ihr ein Rezept für den Waadtländer Kartoffel-Saucisson-Auflauf geben lässt. Auch am Ankerplatz für Liebhaber des Vacherin Mont-d'Or, eines delikaten Weichkäses, der nur wenige Monate den Gaumen der Gourmets erfreut, ist der Andrang gross.