Tinner will den Thurgau retten

Beat Tinner ist ein einflussreicher Mann. Er ist Gemeindepräsident von Wartau. Er ist St. Galler FDP-Kantonsrat. Er ist Vizepräsident des halbstaatlichen Software-Riesen VRSG. Und er ist Präsident der Vereinigung aller St. Galler Gemeindepräsidenten. Sein Wort hat also Gewicht.

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Beat Tinner ist ein einflussreicher Mann. Er ist Gemeindepräsident von Wartau. Er ist St. Galler FDP-Kantonsrat. Er ist Vizepräsident des halbstaatlichen Software-Riesen VRSG. Und er ist Präsident der Vereinigung aller St. Galler Gemeindepräsidenten. Sein Wort hat also Gewicht.

Zu Tinners Leidwesen hat der Kanton St. Gallen seit Anfang Jahr ein Öffentlichkeitsgesetz. Jeder kann jetzt die Verwaltung mit unbequemen Fragen quälen. Also versucht Tinner nun, wenigstens die Thurgauer davor zu bewahren. «Damit öffnet man Journalisten und Querulanten Tür und Tor, um Verwaltungen zu beschäftigen», sagte er in dieser Zeitung. Tinner unterscheidet trennscharf zwischen Journalisten und Querulanten. Das ist freundlich, aber falsch. Bekanntermassen sind Journalisten nichts anderes als Querulanten mit fixem Gehalt.

Der Rest von Tinners Aussage ist aber völlig korrekt. Jedes Kind weiss, dass Verwaltungen nicht beschäftigt werden dürfen. Die Verwaltung zieht ihre Daseinsberechtigung schliesslich nicht aus irgendeiner Art von Beschäftigung. Das Öffentlichkeitsprinzip ist also nichts anderes eine Wucherung der Demokratie, ein bösartiger Scherz, der eine friedvoll in sich ruhende Verwaltung gefährlich aus dem bürokratischen Gleichgewicht bringen kann.

Der weitsichtige Mann aus Wartau hat deshalb ein weiteres Amt verdient. Wir schlagen ihn vor zum Präsidenten des Fördervereins für querulantenfreien Verlautbarungsjournalismus (FQVJ). Der Verein müsste noch gegründet werden. Vielleicht findet sich eine noch nicht bis zum Exzess ausgelastete Verwaltung, die das übernehmen könnte. (ar)

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