Thurgauer Projekte werden weiterverfolgt

Derzeit laufen im Kanton Thurgau zwei Geothermie-Projekte. In Etzwilen sind die Arbeiten bereits weiter fortgeschritten, im Oberthurgau kam es zu einem Stopp, weil man die St.Galler Resultate abwarten wollte. Trotz des Abbruchs in St.Gallen werden diese beiden Projekte nun weitergeführt.

René Rödiger
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In St.Gallen stehen die Zeiger auf null. (Bild: Hanspeter Schiess)

In St.Gallen stehen die Zeiger auf null. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dass in St. Gallen das Geothermie-Projekt nicht mehr weiterverfolgt wird, hat auch Peter Meier, CEO der Geo-Energie Suisse, zur Kenntnis genommen. Seine Firma will im thurgauischen Etzwilen ein Geothermie-Kraftwerk bauen. Derzeit laufen dort die Vorbereitungsarbeiten. «Das Projekt ist immer noch auf einem guten Weg», sagt Meier. Der St. Galler Entscheid habe auch keine Auswirkungen auf das Vorhaben in Etzwilen.

Meier: «Grundlage des St. Galler Projekts war eine seltene geologische Voraussetzung: eine wasserführende regionale Störungszone im Malmkalk. Bei unseren Projekten wird in der Tiefe ein künstliches Reservoir geschaffen und das zugeführte Wasser dort aufgeheizt.» Deshalb hätten auch die Resultate aus St. Gallen für die zukünftige Nutzung der Geothermie zur Stromproduktion gesamtschweizerisch «eine untergeordnete Bedeutung».

«Abbruch zeichnete sich ab»

Auch Markus Schüpbach, CEO des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau (EKT), war vom Entscheid aus St. Gallen nicht überrascht: «Als im Februar die verbleibenden Optionen präsentiert wurden, zeichnete sich der Abbruch des Projekts ab.» Das EKT will zusammen mit dem Stromkonzern Axpo im Oberthurgau ein Geothermie-Kraftwerk bauen. «Wir arbeiten dabei eng mit den St. Gallern zusammen und nehmen diese Informationen und Ergebnisse natürlich zur Kenntnis.»

Entscheid erst Ende Jahr

Die Pläne der Axpo und der EKT wurden vor einem halben Jahr auf Eis gelegt. Damals wurden die seismischen Messungen ausgesetzt, und man wollte auf die Ergebnisse der St. Galler Bohrungen warten. «Vorerst bleibt diese Seismik-Kampagne im Oberthurgau sistiert. An unserem Zeitplan ändert sich nichts. Ein Entscheid, ob das Kraftwerk im Oberthurgau kommt, wird frühestens im Herbst oder Winter 2014 gefällt», sagt Schüpbach.

Für den EKT-CEO bedeutet das Scheitern der St. Galler Pläne noch lange nicht das Ende der Geothermie in der Schweiz: «Es gibt unterschiedliche Technologien. Diese kann man nicht einfach so vergleichen. Deshalb ist eine pauschale Aussage auch nicht möglich.»

Grosse Investitionssumme

Für das Oberthurgauer Geothermie-Projekt sind Gesamtkosten mit Bohrungen und dem Kraftwerkbau von 100 Millionen Franken veranschlagt. Es soll für 2200 Haushalte Strom und für 4000 Haushalte Heizenergie liefern.

«Bei einer solch grossen Investitionssumme müssen natürlich alle neuen Erkenntnisse einfliessen. Und auch die Risiken müssen genau abgeschätzt werden. Nur schon deshalb liegt der Entscheid über eine Weiterführung des Projektes nicht nur an der EKT alleine», sagt Schüpbach.