St.Gallen hält die rote Laterne

ST.GALLEN. St.Gallen liegt bei der gymnasialen Maturitätsquote im Kantonsvergleich auf dem letzten Platz. Handlungsbedarf sieht der Kanton nicht. Anders der St.Galler BDP-Präsident: Er fordert eine Mittelschul-Bildungsoffensive.

Sebastian Keller
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Im Schweizer Vergleich absolvieren in den Kantonen Thurgau und St. Gallen unterdurchschnittlich wenige Schüler eine gymnasiale Matura. Auf dem Bild sind Schüler der Kantonsschule Kreuzlingen während des Informatikunterrichts zu sehen. (Bild: Reto Martin)

Im Schweizer Vergleich absolvieren in den Kantonen Thurgau und St. Gallen unterdurchschnittlich wenige Schüler eine gymnasiale Matura. Auf dem Bild sind Schüler der Kantonsschule Kreuzlingen während des Informatikunterrichts zu sehen. (Bild: Reto Martin)

Die Jugendlichen im Kanton St.Gallen setzen nach der obligatorischen Schulzeit vor allem auf die Karte «Berufsbildung». An Mittelschulen zieht es sie im Vergleich zu anderen Kantonen selten. Die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: im Jahr 2013 schlossen lediglich 12,7 Prozent aller 19jährigen St.Gallerinnen und St.Galler eine gymnasiale Maturität ab. Der Schweizer Schnitt liegt bei fast 20 Prozent. Ennet dem Gotthard ist das Gymnasium am beliebtesten: im Kanton Tessin liegt die Quote mit fast 30 Prozent schweizweit am höchsten.

Beliebter ist im Kanton St.Gallen die mit der Berufslehre verknüpfte Berufsmatura. Mit 15,6 Prozent liegt die Berufsmatura-Quote im Kanton St.Gallen über dem Schweizer Durchschnitt von 14,1 Prozent. Erstellt man eine Rangliste in dieser Kategorie, belegt St.Gallen den sechsten Rang; der Thurgau weist exakt die gleich hohe Quote aus – im zweiten Jahr in Folge. In Appenzell Innerrhoden liegt die Quote mit 10,9 Prozent tiefer. Roland Inauen, Vorsteher des Erziehungsdepartementes, gibt auch unumwunden zu: «Unser Problem ist die Berufsmaturität.»

Unterschiedliche Ansichten

Mit der Situation im Kanton St.Gallen ist Felix Keller, Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbandes St.Gallen, zufrieden. Richard Ammann sieht das anders. Der Präsident der kantonalen BDP findet: «St.Gallen soll sich auch im Bildungsbereich zumindest am Durchschnitt orientieren.» Der Kanton St.Gallen soll eine Bildungsoffensive auf der Mittelschulstufe starten, fordert Ammann. Gegenüber der Ostschweiz am Sonntag sagt er: «Ich werde diesbezüglich zu gegebener Zeit einen Vorstoss machen.» Beim Kanton ist eine höhere Quote derzeit kein Thema. «Eine höhere Quote ist kein erklärtes Ziel, weder von der Regierung, vom Erziehungsrat noch vom Bildungsdepartement.» Das sagt Christoph Mattle, Leiter des St.Galler Amtes für Mittelschulen.

Thurgau will moderat steigern

Der Nachbarkanton Thurgau ist in derselben Situation: tiefe gymnasiale Maturitätsquote, steigende Berufsmatura-Quote. Der Thurgauer Regierungsrat hat sich aber – im Gegensatz zu seinen St.Galler Kollegen – die Erhöhung beider Quoten als Ziel in die Regierungsratsrichtlinien festgeschrieben. Dazu sagt Bildungsdirektorin Monika Knill: « «Eine Erhöhung der Gesamtquote im Bereich von ein bis zwei Prozent sehen wir als Erfolg.»

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 5. Oktober.