Preis für Rorschacher Frauen

RORSCHACH. Das Kernteam des Rorschacher Sprachencafés erhält den diesjährigen «Prix Wasserfrau» der Sozialistischen Bodensee-Internationalen. Im Sprachencafé üben sich fremdsprachige Migrantinnen zwanglos in der deutschen Sprache.

Richard Clavadetscher
Merken
Drucken
Teilen
Mitglieder des Kernteams des Sprachencafés an der Löwenstrasse in Rorschach. (Bild: Richard Clavadetscher)

Mitglieder des Kernteams des Sprachencafés an der Löwenstrasse in Rorschach. (Bild: Richard Clavadetscher)

Grosse Ehre für das Sprachencafé Rorschach, insbesondere für sein Kernteam: Es erhält morgen den «Prix Wasserfrau». Der «Prix Wasserfrau» ist eine vom Verband der sozialdemokratischen Parteien im Bodenseeraum (Deutschland, Österreich, Schweiz) ins Leben gerufene Auszeichnung für «Einzelpersonen, vorzugsweise Frauen, und Organisationen», die sich «auf ausserordentliche Weise zum Wohle der Frauen im Bodenseeraum eingesetzt oder spezielle Frauen-Projekte ins Leben gerufen haben». Der mit 1000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum 13. Mal verliehen.

Deutschkenntnisse anwenden

Ausgezeichnet wird das Sprachencafé Rorschach, ein Quartiertreff, laut Wasserfrau-Jury dafür, dass es Frauen aus ganz unterschiedlichen Kulturen die Gelegenheit gibt, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden und Kontakte zu knüpfen. Jury-Präsidentin und alt Nationalrätin Hildegard Fässler: «Da wird gestickt, gekocht, getanzt, Theater gespielt, Kaffee getrunken – und immer wird Deutsch gesprochen.» Ein Kernteam von Frauen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, engagiere sich dabei mit Herzblut in diesem Quartiertreff, so Fässler.

Ein Pilotprojekt

Beim Sprachencafé Rorschach handelt es sich um ein Pilotprojekt im Rahmen des «Project urbain», eines vom Bund durchgeführten und auch vom Kanton unterstützten Programms, das sich mit der gesellschaftlichen Integration in Wohngebieten befasst. Es befindet sich an der Löwenstrasse 33.

Dieses Sprachencafé ist zusammen mit interessierten Quartierbewohnerinnen entwickelt worden. Die dort freiwillig tätigen Frauen werden dabei von Anna Dietsche, der Leiterin des Quartierbüros, unterstützt, sie ist bei der Stadt Rorschach angestellt.

Ziele des Sprachencafés sind laut Anna Dietsche unter anderem, durch den Austausch zwischen hier geborenen und zugewanderten Frauen die transkulturelle Verständigung zu fördern, Migrantinnen zu ermutigen, die erlernten sprachlichen Fähigkeiten auch anzuwenden, sowie diese Frauen auch für den Gebrauch anderer Fähigkeiten und Kompetenzen zu ermuntern.

Viel Kreativität

Dies scheint bestens zu funktionieren: Bis zu 28 Frauen mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen nutzen diese wöchentlichen Treffen, um miteinander verschiedene Themen zu diskutieren, kreativ zu sein oder einen Anlass zu organisieren. Der Kreis der Interessenten wachse immer noch, sagt Dietsche.

Die Sprachencafé-Treffen geniessen dabei nicht nur hohe Wertschätzung bei den Frauen und ihren Kindern im Quartier. Sie haben auch Nutzen darüber hinaus: Weil die sich treffenden Frauen viele Sprachen sprechen, sind sie auch eine Ressource für die Stadt – etwa wenn es um Übersetzungen geht. Noch mehr: Die Rorschacher Schulrätin Ariane Thür Wenger zum Beispiel weiss das Sprachencafé deshalb zu schätzen, weil es mit seinem Netzwerk gerade Migrantinnen hervorragend erreicht. Wenn im Bereich Schule etwas bekannt gemacht werden müsse, nutze man deshalb auch den Input im Sprachencafé und erreiche aufgrund seines Netzwerks auch jene Eltern mit Migrationshintergrund, «die vielleicht noch nicht jede schriftliche Bekanntmachung lesen und auch verstehen würden».

Preisverleihung morgen Freitag, 19 Uhr, Kornhaus Rorschach, Hafenplatz 2