RAPPERSWIL-JONA: Noch kein Ort für Fahrende

Auch im Linthgebiet finden sich bislang keine Durchgangsplätze für Fahrende. Vielleicht bietet Jona im Herbst einen Standort. Kantonsweit ist man gespannt auf die Abstimmung in Gossau.

Dina Wyler
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Die Gossauer Stimmbürgerschaft entscheidet über den Standort für Fahrende an der Grenze zwischen Gossau und St. Gallen-Winkeln. (Bild: Ralph Ribi)

Die Gossauer Stimmbürgerschaft entscheidet über den Standort für Fahrende an der Grenze zwischen Gossau und St. Gallen-Winkeln. (Bild: Ralph Ribi)

RAPPERSWIL-JONA. Nun ist es definitiv. In dieser Saison wird es keinen provisorischen Durchgangsplatz für Fahrende im Linthgebiet geben. Zwei Monate hatten die Gemeinden am Obersee Zeit, geeignete Standorte dem Kanton zu melden. Der Rücklauf aus den Gemeinden blieb aber bescheiden, worauf die Frist um einen Monat verlängert wurde – ohne Erfolg.

Corinne Sutter vom kantonalen Baudepartement ist mit der jetzigen Situation unzufrieden. «Wir haben uns eigentlich mehr Reaktionen nach dem Aufruf von Anfang Jahr erhofft. Der Rücklauf aus den Gemeinden liegt klar unter unseren Erwartungen.» Sie könne nicht nachvollziehen, wieso die Gemeinden keine Standorte gefunden hätten. «Bei den gesuchten Durchgangsplätzen handelt es sich bekanntlich nur um Provisorien. Die Fahrenden würden dort nur ein paar Wochen bleiben.» Dafür brauche es keine grosse Infrastruktur oder Bewilligungen. Der Kanton könne die Gemeinden jedoch nicht dazu zwingen, Durchgangsplätze zur Verfügung zu stellen, sagt Sutter.

Noch im März sprach die Gemeinde Weesen von zwei Grundstücken, die für eine Zwischennutzung in Frage kämen. Nachdem sich die verpachtende Ortsgemeinde Weesen aber dagegen aussprach, fielen diese beiden Optionen weg.

Privater Standort in Wagen

Nach Ablauf der Frist blieb somit als einzige Möglichkeit ein Standort in Jona bestehen. Dabei handle es sich um einen privaten Platz in Wagen, sagt Markus Schwizer, Präsident der Region Zürichsee-Linth. Dieser Standort ist den Behörden schon seit Jahren bekannt.

Doch auch hier hat sich seit Mitte März nicht viel getan. Beim Kanton ging zumindest noch keine Meldung zu einem möglichen Durchgangsplatz in Jona ein, bestätigt Corinne Sutter. «Die Stadt Rapperswil-Jona muss vorerst noch abklären, ob dieser Ort als Durchgangsplatz geeignet wäre», sagt Schwizer. Verzögerungen seien dabei nichts Ungewöhnliches. «Sobald private Eigentümer involviert sind, dauern solche Abklärungen nun mal länger.» Er hoffe aber, dass die Gespräche bis im Herbst abgeschlossen seien.

«Bewusst Angst schüren»

Für die Fahrenden ist diese Aussage aber wenig hilfreich. Denn die Saison dauert lediglich von März bis Oktober. Während der Wintermonate bleiben die Fahrenden an einem fixen Standort. Mike Gerzner von der Bewegung der Schweizer Reisenden ist nicht überrascht, dass der Kanton sein Versprechen, bis Ende März Durchgangsplätze für die Fahrenden zu finden, nicht halten konnte. «Die Behörden zögern die Standortfindung gezielt hinaus», sagt er. Skeptisch sieht Gerzner auch der Abstimmung vom 5. Juni in Gossau entgegen. An diesem Tag stimmt die Bevölkerung über einen festen Standplatz für Fahrende ab. «Es werden bewusst Angst und Unsicherheiten geschürt in der Bevölkerung.» Ihren Ärger kundtun wollen die Fahrenden nächstes Jahr in St. Gallen mit einer grossen Demonstration.

Bund lobt Kanton St. Gallen

Fiona Wigger vom Bundesamt für Kultur versteht den Frust der Fahrenden, weist die Vorwürfe aber zurück. Es stimme zwar, dass der Kanton St. Gallen im Vergleich zu anderen Regionen zu wenig Durchgangsplätze hat. «Der Kanton St. Gallen hat aber ein solides Konzept erarbeitet und zeigt mit seinem Aufruf an die Gemeinden, dass er ernsthaft nach kurz- und langfristigen Lösungen sucht.» Zudem habe der Kanton schon zweimal versucht, feste Standorte für die Fahrenden zu finden. «Diese Vorschläge scheiterten jedoch an der Urne oder im Parlament.»

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