Musik liegt in der Gallusstadt

ST.GALLEN. Am Auffahrtswochenende erfüllt das Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival die Stadt mit Musik und Gesang. Mit von der Partie sind auch die Kanti-am-Brühl-Singers, deren Chorleiter Michael Schläpfer auch OK-Präsident des Festivals ist.

Corinne Riedener
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Die Kanti-am-Brühl-Singers proben mit ihrem Chorleiter Michael Schläpfer. (Bild: Urs Bucher)

Die Kanti-am-Brühl-Singers proben mit ihrem Chorleiter Michael Schläpfer. (Bild: Urs Bucher)

In der Aula der Kantonsschule am Brühl in St.Gallen wird fleissig geprobt: Junge Frauen stehen im Halbkreis auf der Bühne und singen «Stets i truure», jenes melancholische Schweizer Volkslied, das Polo Hofers Band Rumpelstilz in den 70er-Jahren in ein Pop-Gewand gesteckt hatte. Neben den Kanti-am-Brühl-Singers sitzt Chorleiter Michael Schläpfer am schwarzen Flügel. Immer wieder unterbricht er die Sängerinnen, lässt knifflige Stellen wiederholen und an Akkorden feilen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, am Auffahrtswochenende müssen die Übergänge und Töne sitzen: 51 Chöre aus allen Regionen der Schweiz haben sich für das vierte Kinder- und Jugendchorfestival angemeldet, dessen Gastgeberin die Stadt St.Gallen ist (siehe Kasten). Für die Kanti-am-Brühl-Singers ist es also ein Heimspiel.

Die Beatles waren high

Der Leiter des Kanti-Chors ist zugleich auch OK-Präsident des Festivals, das vor acht Jahren vom Verein Schweizer Kinder- und Jugendchor-Förderung (SKJF) ins Leben gerufen wurde. «Es ist kein Wettbewerb», sagt Schläpfer. «Dennoch geben wir unser Bestes.» Bis jetzt sei er zufrieden mit der Probearbeit, obwohl er gerne einige Lektionen mehr darauf verwendet hätte. Dann stimmt er das Lied «Yellow Submarine» von den Beatles an.

Nach wenigen Takten unterbricht er jedoch. «Viel zu hastig», so sein Urteil. Er erklärt, in welcher Zeit das Lied entstanden ist. «Damals ist man high gewesen, denkt daran. Versucht doch, dieses Lied auch etwas <higher>, ein wenig gemütlicher zu singen.» Gelächter im Saal, doch der Input zeigt Wirkung: Beim zweiten Anlauf ist Schläpfer zufrieden.

Lager-Flair im Zivilschutzraum

Für die Organisation des Festivals hat der Musik- und Geschichtslehrer sein Pensum absichtlich reduziert. «In den vergangenen zwei Jahren habe ich durchschnittlich einen Tag pro Woche dafür investiert», sagt der OK-Präsident nach der Probe. Während dieser Zeit habe man Donatoren gesucht, Taschen und T-Shirts bedruckt, ein Songbook und den Festführer kreiert, alle Auftritte, Helfer und Schlafplätze organisiert. Und das nicht zu knapp: Ursprünglich rechnete das Komitee mit etwa 1200 Kindern, Jugendlichen und Betreuungspersonen – mittlerweile sind es über 1500. Sie schlafen in Zivilschutzräumen und Militärunterkünften, beispielsweise in der Kaserne Neuchlen-Anschwilen. Ein Grossteil seiner Arbeit sei nun getan, sagt Schläpfer. «Jetzt will ich mich dem Probe-Endspurt widmen.»

Ein Hahn im Korb

In der Regel üben die Kanti-am-Brühl-Singers am Freitagmittag, so kurz vor dem Festival sind aber Zusatzproben angesetzt. «Da das Chorsingen bei uns ein Freifach ist, ändert sich die Zusammensetzung ständig», sagt Schläpfer. «Wir müssen uns darum jedes Jahr wieder aufeinander einstellen.» Zurzeit setzt sich das Ensemble aus 16 Schülerinnen der Wirtschafts- und Fachmittelschule zusammen. «Eine motivierte, bunt gemischte Frauenbande», sagt Schläpfer und lacht.

Wieso sich kaum Männer für das Freifach interessieren, kann er nicht genau sagen. «Vielen Chören fehlt es an männlichem Nachwuchs, ich bedaure das. In unserem Fall hat es damit zu tun, dass mehrheitlich Frauen unsere Schule besuchen.»

Lediglich ein einziger Mann habe in den vergangenen drei Jahren im Kanti-Chor gesungen – Dieser sei dafür umso angefressener gewesen. Irgendwie verständlich, bei so viel reizender Gesellschaft.

Michael Schläpfer (Bild: pd)

Michael Schläpfer (Bild: pd)