Lehrer bleibt trotz Roboter

RORSCHACH. Die Schule müsse in der Digitalisierung mithalten. Trotzdem gebe es in der Volksschule auch künftig Klassen und Lehrer: Darüber sind sich Fachleute am Hochschultag der PH St. Gallen einig.

Fritz Bichsel
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Dauerthema in der Schule: Der Einsatz von Computer und neuen Medien im Unterricht. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Dauerthema in der Schule: Der Einsatz von Computer und neuen Medien im Unterricht. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Seit dreissig Jahren wird über Computer in der Schule diskutiert. Derweil produzierten Computer bereits selber Konzepte und Berichte. Das sagt Beat Döbeli vom Institut für Medien und Schule der Pädagogischen Hochschule Schwyz am Hochschultag der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG). Vertretern von Politik und Wirtschaft sowie Hoch-, Mittel- und Berufsschulen empfiehlt er, was Klaus Haefner bereits vor gut dreissig Jahren schrieb: In der Schule fördern, was nicht automatisiert werden kann, und Leute ausbilden, die nicht durch Computer oder Roboter ersetzt werden können.

Das noch vor zehn Jahren als unmöglich beurteilte selbstfahrende Auto zeigt jedoch: Es ist schwierig vorhersehbar, was automatisiert werden kann. Werden auch Lehrpersonen durch Roboter ersetzt? In der Diskussionsrunde unter Leitung von Tagblatt-Redaktorin Diana Bula sind sich Fachleute von der PHSG einig: Trotz Digitalisierung gebe es in der Volksschule auch in Zukunft Klassen als soziale Gemeinschaft und Lehrpersonen, weil diese den Schülern weit mehr vermitteln als Wissen.

Mehr als elektronische Geräte

Beat Döbeli zeigt, dass es um mehr geht als den Umgang mit elektronischen Geräten: Schülern Kompetenzen vermitteln für das Leben in der digitalen Welt, zum Filtern von relevanten Informationen aus Unmengen und zum Verstehen, wie Informatik und weltweite Vernetzung funktionieren. Dafür brauche es Willen der Lehrpersonen, Wissen bei Lehrern und Schülern und Werkzeuge für alle Lernenden.

Der Kanton St. Gallen hat seit 15 Jahren ein Konzept für Informatik in der Volksschule. Jetzt macht er mit dem Lehrplan 21 grosse Schritte, wie Regierungsrat Stefan Kölliker aufzeigt: Ein neues Konzept und Empfehlungen für die lokale Umsetzung sollen «pädagogische Nutzung von Informatik» und «Zugang aller Schüler zu Compter und Internet» sicherstellen. Dafür werden die Lehrpersonen fachlich und didaktisch aus- und weitergebildet sowie Lernsysteme und Lehrmittel entwickelt.

An der PHSG ist in diesen Bereichen das Institut ICT & Medien tätig. Auch sein Leiter Ralph Kugler betont, bei der Digitalisierung der Volksschule stehe das Vermitteln von Kompetenzen an Lehrkräfte und Lernende für das Leben mit Informatik im Zentrum.

Medienkompetenz vermitteln

Fachleute der PHSG empfehlen, bereits im Kindergarten zu beginnen. Und sich von einer falschen Vorstellung zu lösen: Kinder können zwar bereits in diesem Alter elektronische Geräte aller Art bedienen, aber auch ältere haben noch kaum Medienkompetenz.

Zwei Preisträger

Den Hochschultag gestern nachmittag und abend in Rorschach leitete letztmals Erwin Beck – vor seiner Pensionierung als PHSG-Rektor 2016. Er blendete auf Wachstum seit dem ersten Hochschultag 2009 von 800 auf über 1400 Studierende zurück. Den Preis von 3000 Franken für besondere Verdienste um diese Entwicklung und die Lehrerbildung im Kanton verteilt die Schule dieses Jahr auf zwei Personen: Jaqueline Büchi, Professorin für Textile Handarbeit und Verteidigerin dieses reduzierten Fachs, und Christian Brühwiler, Leiter des Instituts für Professionsforschung, besonders für intensive Studien zur Wirksamkeit der St. Galler Lehrerbildung.