Islamisches Zentrum Wil bewilligt

WIL. Die Baukommission bewilligt das islamische Begegnungszentrums. Sämtliche 217 Einsprachen gegen das Bauvorhaben wurden abgelehnt. Eine einzige Auflage betrifft die Verkehrsregelung.

Silvan Meile
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Ganz im Süden der Stadt soll das Zentrum gebaut werden. (Bild: zVg)

Ganz im Süden der Stadt soll das Zentrum gebaut werden. (Bild: zVg)

Gestern Mittwoch teilte die Stadtkanzlei mit, dass die Baukommission am 9. November die Bewilligung für das islamische Zentrum an der Rosenstrasse erteilte. Fast auf den Tag genau ein Jahr nachdem das Baugesuch unter grosser Beachtung der Öffentlichkeit eingereicht wurde, erteilt nun die Stadt Wil grünes Licht für den Bau eines islamischen Begegnungszentrums mit Klassenzimmern und Gebetsstätte. Teilweise heftigen Widerstand erfuhr das Projekt von Seiten der SVP und Einwohnern im Südquartier, wo der Neubau erstellt werden soll. 217 Einsprachen gingen gegen das Bauvorhaben ein. Zum Vergleich: Für das Grossprojekt im selben Quartier, dem Sportpark Bergholz, waren es zwei Einsprachen.

«Verfahren dauert seine Zeit»

Dem Bauvorhaben äusserst kritisch gegenüber steht unter anderem Stadtparlamentarier Mario Schmitt von der SVP. Anfang Jahr kritisierte er zusammen mit drei Parteikollegen in einer Interpellation das Vorhaben der islamischen Gemeinschaft. Für Schmitt ist der jetzige Zeitpunkt der Erteilung der Bewilligung kein Zufall. «Die Baubewilligung lag wohl schon länger bereit», sagt er. Man habe aber die Wahlen abgewartet, um nicht Stimmen zu verlieren, so seine Behauptung. Stadtrat Marcus Zunzer, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr, widerspricht dieser Vermutung. Den nötigen Entscheid des Kantons, der Prüfungen von kantonalen Stellen wie etwa bezüglich Feuerschutz oder Arbeitsinspektorat voraussetzt, sei erst Ende Oktober eingetroffen. Ausserdem habe die sorgfältige Abklärung der Bewilligungserteilung effektiv so lange gebraucht, sagt Zunzer.

Rekurse sind möglich

Mario Schmitt sieht insbesondere in der Tatsache, dass in der Baueingabe des Begegnungszentrums Klassenzimmer geplant sind, ein Problem. Er sieht darin sogar einen ersten Schritt in Richtung einer «Zweiklassengesellschaft». «Unser Gesetz sagt, dass der Islam keine staatlich anerkannte Religion ist», sagt er. Aus diesem Grund müsse im voraus genau abgeklärt werden, was in diesen Schulzimmern geschehen soll, meint er. Dies löst bei Marcus Zunzer hingegen Befremden aus. Details betreffend der effektiven Nutzung seien nicht Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens, auch wenn dort ein Raum als Klassenzimmer bewilligt werde und bei einer allfälligen Umnutzung erneut der Bewilligungspflicht unterstehe. Auch den Vorwurf, man habe kurzerhand das städtische Parkplatzreglement angepasst, weist Zunzer weit von sich. «Nach Berechnungen wären 45 Parkplätze nötig», sagt er. Effektiv weist das Bauvorhaben 50 Parkplätze aus. Eine Auflage gab es für die Gesuchsteller jedoch: Bei Anlässen mit besonders grossem Besucheransturm – wohl an hohen islamischen Feiertagen – ist das Begegnungszentrum für die Verkehrsregelung mit Kadetten verantwortlich. Rekurse gegen die von der Stadt erteilte Baubewilligung sind denkbar. Mario Schmitt ist eine jener Personen, die einen möglichen Gang ans Kantonsgericht in Betracht ziehen.