«In unserem Gefängnis gibt es kein Boxtraining»

Keiner seiner 73 Häftlinge bekomme ein Sondersetting wie «Carlos». Das sagt Ernst Scheiben, Leiter des Kantonalgefängnisses Frauenfeld.

Felix Burch
Drucken
Teilen
Ernst Scheiben, Leiter Straf- und Massnahmevollzug. (Bild: Nana Do Carmo)

Ernst Scheiben, Leiter Straf- und Massnahmevollzug. (Bild: Nana Do Carmo)

FRAUENFELD. Ernst Scheiben spricht im Interview mit der Ostschweiz am Sonntag über «Carlos». Im Kantonalgefängnis Frauenfeld seien zwar keine Jugendlichen wie «Carlos» untergebracht, Sondersettings gebe es aber keine. «In unserem Gefängnis bieten wir kein Boxtraining an», stellt Scheiben klar. Ausserdem präsentiert er Zahlen: «Lehnen wir eine Zelle an einen anderen Kanton aus, verrechnen wir dafür 176 Franken pro Tag. Das entspricht 5300 Franken pro Monat. Müssen wir umgekehrt eine Person in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf plazieren, kostet uns das 300 Franken am Tag und 9000 im Monat.» Auch wenn es nicht 29 000 Franken seien wie bei «Carlos», die Gefängnis-Branche sei einfach eine teure.

Das Kantonalgefängnis ist seit drei Jahren zu 100 Prozent ausgelastet. Unter anderem, weil das Gefängnis laut Scheiben im Durchschnitt zu 15 Prozent von Ausschaffungshäftlingen besetzt ist, die nicht aus strafrechtlichen, sondern aus ausländerrechtlichen Gründen eingesperrt sind.

Schliesslich macht Scheiben darauf aufmerksam, dass momentan viele Personen wegen kleiner Strafen in Gefängnissen sitzen. «Wenn Leute eine 500-Franken-Busse nicht mehr bezahlen können und deshalb ins Gefängnis müssen, darf man sich schon fragen, ob die armen Menschen in unserem Land immer ärmer werden», gibt Scheiben zu bedenken.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 9. März.