BESUCH IN MOSCHEE: "Ethisch korrekt statt wie die Axt im Wald"

Der Umgang mit fremden Kulturen kann im Polizeialltag zu Stolpersteinen führen. Um dies zu verhindern, besuchen Ostschweizer Polizeischüler eine St.Galler Moschee und erhalten einen Einblick in den Islam.

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Ein Imam gab den Ostschweizer Polizeischülern in zwei Stunden wichtige Tipps im Umgang mit Muslimen. (Bild: Kapo SG)

Ein Imam gab den Ostschweizer Polizeischülern in zwei Stunden wichtige Tipps im Umgang mit Muslimen. (Bild: Kapo SG)

ST.GALLEN. Ein Polizist erhält den Auftrag, einen inhaftierten Muslim zu einer Befragung abzuholen. Der Häftling ist allerdings ins Gebet vertieft - wie also reagieren? Solche Fragen behandelt die Polizeischule Ostschweiz (PSO) mit Sitz in Amriswil im Fach "Interkulturelle Kompetenz". Eine Ausbildungssequenz des Kurses wurde am Mittwoch in der "El Hidaje"-Moschee in St.Gallen abgehalten. Ziel des Fachs ist es, den zukünftigen Polizeibeamten Wissen über andere Kulturen, Migratiosströme und Globalisierung zu vermitteln. "Zudem schlagen wir die Brücke zur täglichen Polizeiarbeit", sagt Marcus Kradolfer, Direktor der Polizeischule Ostschweiz.

Schweizweit die einzige Schule
In der Moschee erfuhren die Polizeischüler, wie lange ein muslimisches Gebet dauert. So sollen sie entscheiden können, ob beispielsweise ein Häftling wirklich betet oder einfach seine Befragung hinauszögern möchte. "Wir wollen, dass es ethisch für beide Seiten stimmt. Dass sowohl der Polizist seinen Auftrag erfüllen kann, aber auch die Würde des Häftlings gewahrt bleibt", sagt Schuldirektor Kradolfer.

Die Polizeischule Ostschweiz ist schweizweit bisher die einzige Schule, die das Fach "Interkulturelle Kompetenz" anbietet. Die Erfahrungen, die Kradolfer damit bisher gemacht hat, sind gut. "Je mehr unsere Schüler über andere Kulturen wissen, desto kompetenter sind sie später im Einsatz", so der Direktor und schiebt nach: "Wir brauchen kompetente Polizisten und keine Axt im Wald." (chk)