Erst eine Idee – die Inhalte folgen

Der Schleier ist gelüftet, das Siegerkonzept bekannt. Die Konturen der nächsten Landesausstellung bleiben dennoch unscharf. Die Verantwortlichen erklären, weshalb dies so sein muss, und ziehen Vergleiche mit der Expo 02.

Regula Weik
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Der Schleier soll gelüftet werden. Jener über der Expo 2027. Der Ort dazu ist wohl überlegt ausgewählt: Heiden – mit Blick ins Expo-Land, ins St. Gallische, in den Thurgau, auf den Bodensee. Doch dann legt sich ein Schleier über die Landschaft. Sie habe es sich auch «amächeliger» vorgestellt, sagt Marianne Koller, Ausserrhoder Regierungsrätin – und meint das Wetter, nicht das Siegerprojekt.

«Ein kleines Stück näher gerückt»

Mit der Kür des Siegerkonzepts rücke die nächste Landesausstellung in der Ostschweiz «ein kleines Stück» näher, sagt Carmen Haag, Thurgauer Regierungsrätin und Vorsitzende des Projektausschusses Expo 2027. Und weiter: «Konzepte sind keine detaillierten Projekte.» Die konkreten Inhalte und das Gesicht der Expo 2027 würden in den nächsten Schritten entwickelt. Dies an die Adresse jener, die konkrete Projekte erwartet hatten, eine Wolke wie in Yverdon oder einen Monolithen wie in Murten an der Expo 02. Übrigens: Wolke und Monolith waren zwölf Jahre vor Eröffnung der letzten Expo auch noch nicht bekannt. Und beide gibt es heute nicht mehr.

Das wollen die Macher einer Expo in der Ostschweiz verhindern. Die Themen, die Diskussionen, die Prozesse sollen über 2027 hinaus nachhallen. Und anders als im Drei-Seen Land soll die Landschaft nicht Staffage, sondern erlebter, bereister, erfahrener Raum sein.

Die Idee hinaustragen

«Es braucht Bilder, um begeistern zu können», antwortet Carmen Haag auf die Frage, wann die Ostschweiz endlich beginne, auch die restliche Schweiz von ihrer Idee zu überzeugen. Mit dem Siegerkonzept lägen nun erstmals mögliche Ideen und Vorstellungen auf dem Tisch, die nun auch hinausgetragen würden. «Heute ist der Startpunkt dafür», so die Thurgauer Regierungsrätin.

Die Expo 02 habe «Phasen vieler Ankündigungen und lange wenig Konkretes» gehabt, fügt der St. Galler Regierungspräsident Beni Würth an. Mit dem Siegerkonzept und den nun folgenden Arbeiten sei die notwendige «Substanz» vorhanden, um aufzuzeigen, wo der Mehrwert einer Expo in der Ostschweiz für die Schweiz liege.

Ist eine Landesausstellung in einer zunehmend digitalisierten Welt kein Anachronismus? Beni Würth verneint. Was hält uns zusammen? Was trennt uns? Es stehe der Schweiz gut an, sich periodisch diese Fragen zu stellen.

Nach Abschluss der Medienkonferenz hat sich der Nebel verzogen. Das Expo-Land jedoch bleibt milchig, wie mit einem Weichspüler gezeichnet – ohne scharfe Konturen. Genauso wie die Expo 2027 und das Siegerkonzept. Wie hatte es Jurypräsident Angelus Eisinger erklärt: «Keine akademische, vielmehr eine notwendige Abstraktheit.»

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