Armee rüstet sich gegen Wasser

ST.GALLEN. Die Ostschweizer Territorialregion der Armee übt dieses Jahr speziell die Bewältigung von Naturkatastrophen. Am Jahresrapport sprach auch ein General der deutschen Bundeswehr, die den Ostschweizern in grosser Not zu Hilfe käme.

Fritz Bichsel
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Der Ausserrhoder Sicherheits- und Justizdirektor Paul Signer (links) im Gespräch mit Divisionär Hans-Peter Kellerhals. (Bild: Ralph Ribi)

Der Ausserrhoder Sicherheits- und Justizdirektor Paul Signer (links) im Gespräch mit Divisionär Hans-Peter Kellerhals. (Bild: Ralph Ribi)

Armeekader sowie Vertreter von Behörden und Blaulichtorganisationen trafen sich gestern auf dem Olma-Gelände zum Jahresrapport der Territorialregion (Ter Reg) 4. Gedanken aus Sicht der zivilen Instanzen äussert der Militärdirektor in der Ausserrhoder Kantonsregierung, Paul Signer. Er berichtet von guter Zusammenarbeit und einer Sorge.

Dass in der Schweiz Volk und Politik über den Einsatz der Armee entscheiden können, verpflichte die Politik im Gegenzug, ausreichend Mittel bereitzustellen. Leider habe eine «unheilige Allianz» im Bundesparlament die Weiterentwicklung der Armee «und damit die für die Kantone wichtige Stärkung der Territorialverbände verzögert».

Dass SVP und Linke das Projekt «Weiterentwicklung der Armee, WEA» im ersten Anlauf scheitern liessen, macht auch der Ter Reg 4 mit Zentrale in St.Gallen zu schaffen. Ihr Kommandant, Divisionär Hans-Peter Kellerhals, berichtet den wenigen Frauen und gegen tausend Männern am Jahresrapport: «Wegen Änderungen mit der WEA haben wir Funktionen zurückhaltend besetzt. Weil sich die Weiterentwicklung verzögert, fehlen uns nun im Stab etliche Leute.» Das Kader habe noch ausreichenden Bestand, aber nicht genügend Spezialisten. Zur Lösung dieser Schwierigkeiten wird die Ausbildung nochmals intensiviert.

«Armee wieder höher gewichtet»

Die Ter Reg unterstützt bei Bedarf Kantone und Gemeinden, wenn die zivilen Kräfte nicht ausreichen zur Bewältigung ausserordentlicher Ereignisse – von Naturkatastrophen bis Flüchtlingsbetreuung. Divisionär Kellerhals stellt fest – übereinstimmend mit Umfrageresultaten –, dass in der Bevölkerung angesichts neuer Bedrohungen das Bedürfnis nach Sicherheitsmassnahmen wächst und die Armee wieder höher gewichtet wird. Er verweist aber auch auf wachsende Gefahr von Katastrophen, besonders von naturbedingten. Auf die Bewältigung solcher Ereignisse wird sich die Ter Reg 4 dieses Jahr speziell vorbereiten.

Gemeinsam mit zivilen Kräften

Unter den Gästen ist Thomas Fehr als Gemeindepräsident von Horn. Dort unterstützte die Armee 2015 die zivilen Kräfte beim Löschen des Grossbrandes in der Industrieruine Raduner. Nur angenommen war glücklicherweise ein Meteoriteneinschlag in Glarus Süd. Dort übten Bataillone der Ter Reg 4 in schwierigem Gelände die Wiederherstellung von Verkehrswegen samt Brückenbau und die Bergung von Menschen aus Trümmern – auch realitätsnah aus einem Abbruchhaus, das sie sprengten.

2016 folgt die Grossübung «Technico» in beiden Appenzell. Auch sie soll die Zusammenarbeit von zivilen Kräften und Armee stärken. Im Glarnerland gewann Hans-Peter Kellerhals folgende Erkenntnisse: «Die Zusammenarbeit funktioniert gut, und auf Schaden- oder Bauplätzen sind unsere Leute unschlagbar. Bei Schutz, strategischer Planung und Material besteht noch Verbesserungspotenzial.»

Bei Bedarf Hilfe vom Ausland

Zu Naturgefahren verweist der Kommandant darauf, «dass die Ter Reg 4 von Wasser umzingelt ist». Der Bewältigung von Hochwasserkatastrophen gelte deshalb besonders Augenmerk.

Dazu berichtete Brigadegeneral Gerd Josef Kropf vom Kommando Territoriale Aufgaben der deutschen Bundeswehr über Erfahrungen aus dem Kampf gegen riesige Hochwasser 2013 in Deutschland. Seine Informationen zeigten zwei bedeutende Unterschiede: Die deutsche Armee hat für solche Aufgaben keine separaten Truppenteile, weshalb ihre Leute dafür weniger spezialisiert sind als die Schweizer Territorialregionen. Dafür können in Deutschland alle Angehörigen der Bundeswehr, die sich in einem betroffenen Gebiet befinden, eingesetzt werden. Das würde sich der Kommandant der Ter Reg auch bei uns wünschen.

Die Ter Reg 4 pflegt enge Beziehungen mit den für Territorialaufgaben zuständigen Stellen der Armeen von Deutschland und Österreich. Bei Grossereignissen ist denkbar, dass sich Verbände über Staatsgrenzen hinweg gegenseitig unterstützen.