Architekten diskutieren neuen Lehrgang

ST.GALLEN. In St.Gallen soll wieder Architektur unterrichtet werden: Dies fordern Fachhochschule und Fachverbände. 2007 war der Ingenieur-Architektur-Lehrgang eingestellt worden. Am Montagabend wurde über die Inhalte einer künftigen Ausbildung diskutiert.

René Hornung
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«Wenn ihr eine neue Ausbildungsstätte auf die Beine stellt, dann bitte ohne falsche Bescheidenheit, dann muss der Anspruch hoch sein.» Das sagte der aus Chur stammende junge ETH-Architekt Sebastian Bietenhader am Montagabend an einer öffentlichen Podiumsdiskussion. Dazu eingeladen hatten die Fachhochschule St.Gallen und das Architektur Forum Ostschweiz. Aus Sicht der Studierenden sei die Auswahl an Studienorten heute gross, deshalb müsse eine neue Ausbildungsstätte attraktiv sein.

«Es braucht Generalisten»

Hugo Dworzak, Leiter des Studiengangs Architektur und Raumentwicklung an der Universität Liechtenstein in Vaduz und Architekt in Lustenau, ging auf den Inhalt des diskutierten Studiums ein. Er plädierte für eine Ausbildung, die gesellschaftliche Aspekte stark gewichtet. Die Zeiten, da das Selbstverständnis des Architektenberufs das eines Künstlers war, seien vorbei. Der Herisauer Architekt und BSA-Präsident Paul Knill konkretisierte: Es brauche vor allem Generalisten.

«Nachwuchs mit Charakter»

Kontrovers debattiert wurde die Frage, wie weit die Schulen Praktiker oder Theoretiker ausbilden sollen. Traditionell wurden am Technikum eher die Praktiker ausgebildet, während an der ETH mehr Gewicht auf Theorie und Entwurf gelegt wird. Heute seien diese Unterschiede in der Praxis aber kaum mehr zu spüren. Oft lerne man im direkten Austausch mit Studienkollegen und in der Praxis am meisten, stellte der ETH-Absolvent Christian Portmann fest.

Welchen Einfluss ein Ausbildungslehrgang auf die regionale Baukultur haben könne, wollte Diskussionsleiter Ronnie Ambauen von der Runde wissen. Ambauen ist selber Architekt und Stadtrat in Rorschach. «Wo es eine Schule gibt, schafft sie sich auch ein Umfeld», war Paul Knill überzeugt, allerdings brauche es auch einen Austausch mit anderen Ausbildungsstätten. Er hoffe, dass Leute von auswärts nachher in der Region bleiben. Heute sei der Sog weg aus der Ostschweiz zu spüren. Einige Ostschweizer Architekturbüros hätten deshalb Mühe, junge Leute zu rekrutieren. Knill erwartete von den jungen Menschen vor allem Neugier und Freude am Beruf. – Hugo Dworzak doppelte nach: «Wir brauchen keine hochspezialisierten Fachleute. Wir brauchen in den Büros Nachwuchs mit Charakter und Persönlichkeit, das ist eine Bereicherung.» Und Sebastian Bietenhader erinnerte daran, dass die Architekturausbildung in Mendrisio eine eigene Dynamik angenommen habe und bei Studierenden beliebt ist. Das müsste auch St.Gallen erreichen.

Möglicher Start im Jahr 2017

Einig war man sich, dass die Wirtschaft in der Region mehr Architekten braucht. Aber einfach nur nach dem heute geltenden ECTS-Punktesystem Leute mit Wissen vollzustopfen, bringe wenig, so Paul Knill. Er wünschte sich etwas anderes. Weil die St.Galler Architekturausbildung mit nur einer Klasse pro Jahrgang in kleinem Rahmen starten würde, seien andere Unterrichtsformen möglich. Angedacht ist die Möglichkeit, das Studium sowohl in Vollzeit wie auch in Teilzeit zu absolvieren, was bis zum Bachelorabschluss drei respektive vier Jahre dauern soll.

Wie geht es weiter? Thomas Utz, ebenfalls Architekt, heute aber im Bereich Innovationsmanagement der Fachhochschule St.Gallen tätig, schilderte die bisherigen Vorbereitungsarbeiten und die Aktivitäten des Projektbeirates. Man wolle den Lehrgang in St.Gallen mit der bestehenden Ausbildung an der HTW in Chur in den beiden ersten Semestern aufeinander abstimmen, damit die Studierenden später innerhalb der Fachhochschule Ostschweiz verschiedene Vertiefungsrichtungen auswählen können. Im Sommer 2015 werde die St.Galler Regierung den Bericht zum hängigen Vorstoss zur Architekturausbildung beantworten. Gehe alles gut, könnte ab 2017 in St.Gallen wieder Architektur unterrichtet werden – der Lehrgang würde dann rund zehn Jahre nach der Abschaffung mit neuen Inhalten wieder starten.