Bergwerk für Fledermäuse

Das ehemalige Braunkohlebergwerk in Rufi wird zum Fledermaus-Paradies. Der Schänner Hansruedi Möhl setzt sich für das Schutzgebiet ein. Die Finanzierung steht bereits.

Martin Kempf
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Schutz vor Eindringlingen: Hansruedi Möhl lässt beim Lüftungsstollen ein Gitter installieren. (Bild: Martin Kempf)

Schutz vor Eindringlingen: Hansruedi Möhl lässt beim Lüftungsstollen ein Gitter installieren. (Bild: Martin Kempf)

rufi. Wenn Hansruedi Möhl von Fledermäusen erzählt, leuchten seine Augen. Er hat sich vor rund neun Jahren zum Fledermaus-Verantwortlichen ausbilden lassen und ist für das Gebiet um Schänis zuständig. Seither weiss er alles über die kleinen Flieger, kennt ihr Gewicht, weiss, was sie fressen und wo sie schlafen.

Ganzjähriges Domizil

Für das Braune Langohr hat er sich nun den alten Stollen in Rufi gesichert, in dem immer wieder Braunkohle abgebaut wurde, letztmals während des Zweiten Weltkriegs. Heute sind die Zugänge fast vollständig verschüttet oder mit Betonklötzen und -wänden versperrt.

Nachdem Möhl den Standort letztes Jahr als Domizil der Fledermäuse entdeckt hatte, liess er zuerst einen kleinen Schlitz in die Betonwand des einen Eingangs bohren. Somit hatten die Tiere einen weiteren Zugang zum Stollensystem. Nach Abklärungen mit der Gemeinde Schänis, dem Kanton und dem Verein Fledermausschutz St. Gallen-Appenzell-Liechtenstein hat er sich entschlossen, den Stollen ganz als Schutzgebiet für die Fledermäuse auszuscheiden.

«Tiere brauchen Ruhe»

Um sicherzustellen, dass niemand mehr in den sowieso schlecht zugänglichen Stollen eindringt, installiert der Verein Schänner Natur nun ein Eisengitter vor dem Lüftungsstollen. Die Gitterstäbe verlaufen waagrecht zueinander, so dass die kleinen Flugräuber bequem dazwischen hindurchfliegen können. «Die Tiere brauchen im Winter unbedingt Ruhe», erklärt Möhl die Notwendigkeit des Gitters. Denn ein Braunes Langohr wiegt im Herbst rund sechs bis zehn Gramm, 1,5 Gramm davon sind Fett für den Winterschlaf.

Werden die Tiere aufgeschreckt, wird der Kreislauf so weit angekurbelt, dass die Fettreserve möglicherweise nicht bis zum Frühling reicht, was den Tod zur Folge haben könnte.

Kleine Kosten, grosse Wirkung

Die Kosten für das Gitter, das ausreicht, um das Schutzprojekt zu vollenden, belaufen sich auf 1590 Franken. Finanziert wird der kleine Eingriff mit grosser Wirkung je zu einem Drittel von der Gemeinde Schänis, dem Verein Fledermausschutz und dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen.