Zmörgelen, bis der Znacht kommt

Leslie Feist singt hauchzart aus den Boxen, helles Morgenlicht flutet den Raum, die Gäste sitzen an kleinen Tischen. Die einen sind schon beim Nachmittagskaffee, die mit den etwas verschlafenen Gesichtern noch beim Frühstück.

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Hans-Ruedi Beck, der Chef des Restaurants Stickerei in St.Gallen, tritt mit einer Tasche voller frischer Backwaren in sein Lokal.

«Bei uns kann man bis um 18 Uhr frühstücken – da muss man zwischendurch mal Nachschub holen», sagt er.

«Jeder braucht einen Zmorge»

Im Januar dieses Jahres hat er das Lokal übernommen, mit der Idee, die einstige Café-Bar, die für ihre kleineren Snacks bekannt war, in ein etabliertes Speiselokal umzuwandeln. Dabei haben der 29-Jährige und sein Küchenteam das Frühstück nicht vergessen.

Und offensichtlich – anders als viele andere Ostschweizer Restaurants – an die Nachtschwärmer gedacht: «Auch wer am Wochenende erst am Mittag aufsteht, braucht einen Zmorge», sagt Beck.

Je nachdem, wie anstrengend die letzte Nacht war, stehen auf der Speisekarte zwei Frühstücksvarianten zur Auswahl: die einfache Variante mit Brot, Butter, Konfitüre und Früchten, und für die Entkräfteten der grosse Frühstücksteller. «Davon haben wir heute schon rund dreissig Stück serviert», sagt Beck.

Die Beliebtheit wird nachvollziehbar, sobald man den Luxuszmorge vor sich hat. Auf dem Teller für 19 Franken sind süsse und salzige Köstlichkeiten derart kunstvoll angerichtet, dass es fast zu schade ist, sie aufzuessen: frische Früchte und Aufstriche, ein 3-Minuten-Ei, diverse Käse- und Fleischsorten, eingelegte Tomaten und Oliven sowie Joghurt. «Natürlich alles aus der Region», merkt Hans-Ruedi Beck an.

In der gemütlichen Stube

Die Portion ist grosszügig, die Stimmung lebendig – der späte Morgen vergeht wie im Flug. Wie spät es tatsächlich schon ist, merkt man, wenn sich in der «gemütlichen Stube», wie Stammgäste die «Stickerei» bezeichnen, langsam Bratenduft breitmacht. Es ist Abendessenszeit! Wäre noch genügend Platz im Bauch, würde man sogleich zum nächsten Gang übergehen.

«Das kommt schon mal vor», sagt Beck, «die Leute kommen zum Frühstück, verbringen den Nachmittag bei uns, und am Abend bestellen sie den Znacht.» Auch das ist nachvollziehbar, denn um sich in der «Stickerei» so wohl wie in der eigenen Stube zu fühlen, muss man nicht unbedingt Stammgast sein.

Marco Kamber

Stickerei

Oberer Graben 44, St. Gallen

Frühstückszeiten:

Jeweils samstags von 10 bis 18 Uhr

Kaffee: 4 Franken

Spezielles: Frische Zutaten aus der Region, schöne Atmosphäre, Frühstück bis abends

Mit diesem Frühstücksteller (oben) machen sich Langschläfers samstags in der St. Galler «Stickerei» fit fürs Wochenende. (Bilder: mak)

Mit diesem Frühstücksteller (oben) machen sich Langschläfers samstags in der St. Galler «Stickerei» fit fürs Wochenende. (Bilder: mak)