Den fünf Tunesiern droht U-Haft

FRAUENFELD. Die Asylbewerber, die auf der Flucht vor der Polizei in die Arboner Kantonalbank gerast sind, werden wohl nicht so schnell ins Durchgangsheim zurückkehren. Noch weiss die Polizei nicht, wer das Auto gefahren hat.

Ida Sandl
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Erst klauten sie ein Auto, dann fuhren sie es in wilder Flucht vor der Polizei zu Schrott. Die Verfolgungsjagd endete in der Nacht auf Mittwoch am Stützpfeiler der Kantonalbank in Arbon (Ausgabe von gestern). Mittlerweile sei von den fünf Asylbewerbern nur noch einer im Spital, heisst es bei der Polizei.

Vier der Männer leben im Durchgangsheim Amriswil. Dort wird man sie aber so schnell nicht wiedersehen. «Es ist davon auszugehen, dass Untersuchungshaft angeordnet wird», sagt Andy Theler, Informationschef der Kantonspolizei Thurgau. Die fünf Tunesier haben nicht nur ein Auto gestohlen, sie hätten sich bei ihrer Raserei auch der Gefährdung des Lebens schuldig gemacht. Es sei auch noch nicht klar, wer das Auto gefahren habe, sagt Theler.

Seit einem Monat wohnen zwei der Beteiligten im Durchgangsheim Amriswil, die anderen beiden sind vor zwei Wochen eingezogen. Der fünfte soll in einem anderen Kanton leben. Was passiert jetzt mit ihnen, nachdem sie straffällig geworden sind? Asylgesuche sind Sache des Bundes. «Haben wir Kenntnis vom Negativverhalten, leiten wir diese Informationen ans Bundesamt für Migration weiter», sagt Camillus Guhl, Chef des Thurgauer Migrationsamtes. Das wirke sich sicherlich nicht förderlich auf den Entscheid aus. Guhl stellt aber klar: «Man darf nicht erwarten, dass die Leute schon heute oder morgen das Land verlassen müssen.»

Versicherung zahlt

Wer kommt für den Schaden auf? Bei den Asylbewerbern wird nicht viel zu holen sein. Der zerstörte Stützpfeiler am Bankgebäude sei durch die Haftpflichtversicherung des Autos gedeckt, sagt Jürg Thalmann, Mediensprecher der Mobiliar in Bern. Da das Auto gestohlen und kaputtgefahren wurde, übernimmt die Teilkaskoversicherung der Autobesitzerin den Schaden. Die Versicherung wird versuchen, die Übeltäter zur Kasse zu bitten.

Wenig erfreulich ist der Vorfall für die Peregrina-Stiftung, im Thurgau zuständig für die Durchgangsheime. «Wir überlegen uns, die vier Männer auf verschiedene Heime aufzuteilen», sagt Gesamtleiterin Susanne Höllwarth. Mehr könne man nicht tun. Die Bewohner müssten ein Gesuch stellen, um über Nacht wegzubleiben. Ein Heim sei aber kein Gefängnis.

Probleme mit Nordafrikanern

28 Tunesier und sechs Marokkaner warten im Thurgau auf den Asylentscheid. Die jungen Männer aus Nordafrika gelten als schwierig, da sie sich ungern an Regeln halten, auch kriminell werden. «Sie haben nichts zu verlieren», sagt Florentina Wohnlich, Chefin des Thurgauer Fürsorgeamtes. «Die Situation ist für uns unbefriedigend.»

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