Choreographien auf Knopfdruck

ST.GALLEN. Heute abend spielt die Schweizer Nationalmannschaft in Basel gegen Slowenien. Mit dabei sind auch zwei St.Galler. Sie haben eine App entwickelt, die Choreographien im Stadion zum Kinderspiel macht.

Tim Naef
Drucken
Teilen
Weltklasse Zürich: Dank der App Fanpictor wechselten die Choreographien im Minutentakt. (Bild: pd)

Weltklasse Zürich: Dank der App Fanpictor wechselten die Choreographien im Minutentakt. (Bild: pd)

Kariem Hussein gewinnt sein Heimrennen im Letzigrund über 400 Meter Hürden. Das Publikum feiert den Thurgauer. Und nur wenige Augenblicke später ist eine Choreographie zu sehen: Mit weissen und roten Blättern formen die Zuschauer 49,16 – die Siegerzeit von Hussein. Was früher eine langwierige Vorbereitung benötigte, schafft das Zürcher Publikum in wenigen Sekunden. Zu verdanken ist das zwei St.Gallern: Stephan Schürer und Reto Scheidegger haben die App «Fanpictor» entwickelt, die es ermöglicht, komplexeste Choreographien in kürzester Zeit darzustellen und selber zu gestalten.

Begonnen hat alles mit einem Bier unter Freunden. «Wir überlegten uns, wie wir Stadion-Choreographien ins digitale Zeitalter holen können», erzählt Schürer. «Daraus ist die App entstanden.» Mittlerweile ist aus der Idee ein Unternehmen mit sechs Mitarbeitern geworden.

Reto Scheidegger, Mitgründer von Fanpictor (Bild: pd)

Reto Scheidegger, Mitgründer von Fanpictor (Bild: pd)

Stephan Schürer, Mitgründer von Fanpictor (Bild: pd)

Stephan Schürer, Mitgründer von Fanpictor (Bild: pd)

Abstimmung im Internet

Das Prinzip ist einfach: Das Smartphone zeigt dem Besitzer, welche Farbe in die Höhe gehalten werden muss. «Das ermöglicht uns, die Choreographien in kürzester Zeit zu ändern und auf Geschehnisse zu reagieren», sagt Schürer. Gleichzeitig kann jeder Fan seine eigene Choreographie im Vorfeld einer Veranstaltung entwerfen. «Im Internet wird darüber abgestimmt, welches Sujet dargestellt wird. So können Fans aus der ganzen Welt etwas zur Stimmung beitragen.»

Zurzeit muss der Veranstalter noch die nötigen Blätter für die Choreographien zur Verfügung stellen. Für dieses Problem haben die St.Galler jedoch eine Lösung entwickelt, die sie gerade beim europäischen Patentamt angemeldet haben: Dabei ersetzen die Smartphone-Bildschirme die Blätter. «Daraus ergeben sich völlig neue Möglichkeiten», sagt Schürer. «Zusätzlich hat die App ein Musikerkennungsprogramm: Die Bildschirme blinken nun im Takt der Musik mit.»

Auch für Musikfans

Auch die neue App soll interaktiv werden. So kann der Benutzer die Musik selbst wählen und seine eigene Lichtshow designen. «Damit lösen wir uns vom reinen Sportprodukt und gehen einen Schritt weiter.» Bis jetzt kam die App ausschliesslich bei Sportveranstaltungen zum Einsatz, wie am Donnerstag beim Weltklasse Zürich. Mit der Weiterentwicklung wollen Schürer und Scheidegger auch Musikfans für die App begeistern. Das nächste Ziel ist aber England: In der zweiten englischen Liga wird am 12. September die Fanpictor-Premiere auf der Insel stattfinden. Die St.Galler Choreographien könnten schon bald auch in der englischen Premier League zu sehen sein. «Mehrere Clubs haben ihr Interesse angemeldet», sagt Schürer. «Noch ist aber nichts spruchreif.»

Gökhan Inler wählt aus

Die nächste Bewährungsprobe steht jedenfalls fest: Während des Schweizer-Nati-Spiels heute abend in Basel haben die St.Galler einen weiteren Auftritt. Welche Sujets dabei präsentiert werden, entscheiden diesmal nicht die Fans, sondern Gökhan Inler. Der Schweizer Internationale wird aus über 100 Fanvorschlägen seinen Favoriten auswählen.

Legende (Bild:)

Legende (Bild:)

Legende (Bilder: pd)

Legende (Bilder: pd)

Weltklasse Zürich: Dank der App Fanpictor wechselten die Choreographien im Minutentakt. (Bilder: pd)

Weltklasse Zürich: Dank der App Fanpictor wechselten die Choreographien im Minutentakt. (Bilder: pd)