Ersatz-Sporthalle – gute Lösung mit Weitsicht

In der Frühlingssession des Kantonsparlaments, die heute Montag beginnt, wird über das weitere Vorgehen um die eingestürzte Sporthalle an der Demutstrasse in St. Gallen entschieden.

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Deformierte Träger der Riethüsli-Halle. (Bild: Hanspeter Schiess)

Deformierte Träger der Riethüsli-Halle. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ersatz-Sporthalle – gute Lösung mit Weitsicht

In der Frühlingssession des Kantonsparlaments, die heute Montag beginnt, wird über das weitere Vorgehen um die eingestürzte Sporthalle an der Demutstrasse in St. Gallen entschieden. Dabei stehen grundsätzlich drei Vorschläge zur Auswahl:

Erstens der umgehende Bau einer Elemente-Sporthalle neben dem Trümmerfeld.

Zweitens ein rascher Neubau am bestehenden Platz ohne Klärung der Schuldfrage und als Drittes das Weiterführen eines Provisorium-Unterrichts auf unbestimmte Zeit.

Fragliches Signal

Bereits bevor die vorberatende Kommission tagte, lehnten sich die SVP- wie auch die CVP-Fraktion sehr weit zum Fenster hinaus und verkündeten, dass sie niemals für ein Provisorium 4,38 Mio. Franken bewilligen würden.

Wohlwissend, dass zwar die Einsturzursache bekannt ist, die Schuldfrage und die Gesamtschadensumme aber noch nicht geklärt sind, wollen diese beiden Fraktionen, dass auf dem Schadenplatz unverzüglich ein Neubau erstellt wird. Hierbei bestünde das Risiko, dass der Kanton bei einem Wiederaufbau der Turnhalle ohne Rücksicht auf den Verursacher Mängelrechte verlieren würde und den Schaden teilweise selbst tragen müsste.

Eine solche Vorgehensweise setzt ein fragwürdiges Signal und dürfte vom Steuerzahler kaum verstanden werden. Zu bekannt ist in diesem Zusammenhang die Redeweise von den «Grossen, die man laufen lässt».

Da von der FDP noch keine Stellungnahme zu lesen war, hoffen wir, dass diese Fraktion ebenfalls Ja zu der Planung des Provisoriums sagt und es zulässt, dass dieses so weit vorangetrieben wird, dass noch dieses Jahr mit der Realisierung begonnen werden kann.

1700 Lernende wie auch die Verantwortlichen der Berufsschule würden vom momentanen Provisoriumsbetrieb erlöst, der trotz der gewaltigen Anstrengungen kaum befriedigen kann.

Juristenstreit programmiert

Wir befürchten, dass die Klärung der rechtlichen Fragen viel Zeit beanspruchen wird. Bei einer Schadensumme von rund zehn Millionen Franken ist ein Juristenstreit programmiert. Die Frage, wer den Schaden zu bezahlen hat, wird Juristen und Gerichte noch Jahre beschäftigen.

Bedenkt man, dass beim Eishalleneinsturz in Bad Reichenhall (Deutschland) vor vier Jahren bis heute noch kein definitives Urteil gesprochen werden konnte, werden wir in unserer Meinung bestärkt, dass das zuständige Departement jetzt in der Nähe der Gewerbeschule Riethüsli die Planung einer Dreifachhalle mit vorfabrizierten Holzelementen vorantreiben kann.

Diese Halle bietet Gewähr, dass die dringend benötigten Räumlichkeiten für den Sportunterricht der Lernenden wie auch für die Sportvereine endlich realisiert werden kann.

Das ist oberstes Gebot, denn bereits ist mehr als ein Jahr vergangen seit dem Einsturz der Dreifachsporthalle, welcher nur dank riesigem Glück nicht zu einer grossen Katastrophe geführt hat.

Die geplante Ersatzhalle wird nur deshalb als Provisorium bezeichnet, weil sie nach erfolgtem Neubau des Einsturzobjekts (bis maximal 2015) wieder entfernt werden soll. Die Holzelemente können problemlos wieder abgebaut und an einem neuen Bestimmungsort als permanente Sporthalle über Jahre ihren Zweck erfüllen. Dass dem so ist, beweist die Tatsache, dass sich bereits ein Interessent für das sogenannte Provisorium gemeldet hat. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem noch fraglich ist, ob die Halle überhaupt realisiert wird.

Denn machen SVP und CVP ihre Aussagen wahr, die sie im Vorfeld an der Kommissionssitzung geäussert haben, so wird es gar nicht so weit kommen. Die Lernenden an der GBS müssten also über Jahre in provisorischen «Anlagen» unterrichtet werden, welche diesem Namen gerecht werden: Kellerräume, Olma-Hallen, Velounterstände usw. Wir Sportlehrpersonen wären ebenfalls der unhaltbaren Situation ausgesetzt, dass wir keinen regulären Sportunterricht erteilen könnten, und dies in einer Zeit, in der auch Grossräte lautstark Qualität und Professionalität von den Schulen fordern.

Wie soll das zusammenpassen?

Geplante Sporthalle ein Muss

Wir wollen und müssen unseren Lernenden eine vielseitige Ausbildung bieten. Dazu gehört auch qualitativ guter Sportunterricht, für den die geplante Sporthalle an der Demutstrasse ein Muss ist.

Mario Tinner und Alessandro Bonaria, St. Gallischer Verband für Sport an Berufs- und Mittelschulen