OSTSCHWEIZ: Wenn die Nase wieder juckt

Der Frühling steht vor der Tür - und damit auch die Heuschnupfensaison. Allergiker in der Ostschweiz müssen sich dieses Jahr vor allem vor den Eschenpollen in Acht nehmen.

Christina Klein
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Jeder Fünfte in der Schweiz leidet unter Heuschnupfen. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten steigt die Zahl der Pollenallergiker stetig an. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Jeder Fünfte in der Schweiz leidet unter Heuschnupfen. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten steigt die Zahl der Pollenallergiker stetig an. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Christina Klein

christina.klein@tagblatt.ch

Es ist wieder so weit: Hasel und Erle haben die diesjährige Heuschnupfensaison in der Ostschweiz eingeleitet. Die Blütezeit hat zwei Wochen später als üblich eingesetzt und so das Leiden der Allergiker noch ein wenig verzögert. Bis Mitte April werden die Sträucher die eine oder andere Nase reizen, und schon bald kommen auch die Pollen von Eschen und Birken dazu. Die Eschenpollen dürften 2017 etwas stärker sein, da sie in einem Zwei-Jahres-Rhythmus blühen und vergan­genes Jahr eher schwach waren. Gemäss der Messstation Buchs/ St. Gallen von Meteo Schweiz werden die meisten Pollenallergiker aber erst ab April betroffen sein, wenn die Blütezeit der Gräser beginnt. Hinzu kommt, dass Betroffene oft auf mehrere Pflanzen allergisch reagieren. Beispielsweise haben Hasel, Birke und Erle sehr ähnliche Allergene, wodurch es sehr wahrscheinlich ist, dass Allergien auf alle drei Pflanzen vorhanden sind. Ähnlich verhält es sich mit den über 200 verschiedenen Gräsern in der Schweiz: Wer auf eine Art reagiert, ist nicht selten auch auf andere allergisch.

Jeder Fünfte in der Schweiz hat eine Pollenallergie

Gemäss dem Allergiezentrum Schweiz leiden 15 bis 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung unter Heuschnupfen. Dieser kann erb­lich veranlagt sein und schon in frühen Jahren eintreten oder im Laufe des Lebens entstehen. Warum das geschieht, ist nicht abschliessend geklärt. Die Allergie wird oft unterschätzt: Die Symptome können deutlich über das bekannte Laufen der Nase und das Brennen der Augen hinausgehen. Bleibt die Allergie für längere Zeit unbehandelt, kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen. Dabei greifen die ­allergischen Reaktionen von den oberen auf die unteren Atemwege über. Es ist also nicht mehr der Nasen-Rachen-Raum betroffen, sondern die Bronchien und Lungen. Dies führt oft zu allergischem Asthma.

Doch wie können Pollen das Immunsystem dermassen aus dem Lot bringen? «Gelangen die Pollen in den Körper, meint das Immunsystem, die eigentlich harmlosen Eiweisse seien schädlich, und schickt Antikörper los», sagt Sereina de Zordo vom Aha-Allergiezentrum Schweiz. «Die Antikörper docken dann an Zellen im menschlichen Gewebe an und bringen diese zum Platzen.» Dabei werden aus den Zellen Histamine freigesetzt, die zu einer Entzündung von Bindehaut und Nasenschleimhaut führen würden.

Die Allergie könne jedoch gut in Zaum gehalten werden, so de Zordo. Eine Behandlung des Heuschnupfens bestehe aus drei Pfeilern. Zunächst soll der Kontakt zu den Pollen so weit wie möglich vermieden werden. Dabei rät de Zordo, die Augen und die Nase mehrmals täglich auszuwaschen, eine Sonnenbrille zu tragen und die Haare vor dem Schlafengehen zu waschen. Nasenspray und Augentropfen seien ebenfalls wirksame Hilfsmittel. Als dritter Pfeiler biete sich eine sogenannte Desensibilisierung an. «Bei der Therapie werden kleine Dosen des allergieauslösenden Stoffes mittels Spritzen oder Tabletten verabreicht.» Über drei bis fünf Jahre hinweg werde diese Dosis stetig leicht erhöht. «So kann sich das Immunsystem allmählich an den Stoff gewöhnen, und die Allergie schwächt ab», sagt de Zordo. Dies kann auch eine vorbeugende Wirkung auf einen Etagenwechsel haben.

Gesellschaft ist «zu sauber»

Trotz der guten Behandlungsmöglichkeiten steigt die Zahl der Pollenallergiker stetig an. Das hänge auch mit der zunehmenden Hygiene der Gesellschaft zusammen, meint de Zordo. Das Immunsystem sei früher viel stärker mit der Bekämpfung von allerlei Erregern beschäftigt gewesen. Heute seien die Menschen nicht mehr gleich vielen Viren und Bakterien ausgesetzt, weshalb der Körper auch auf harmlose Stoffe reagiere. Zudem würden auch Umweltschadstoffe und die Klimaveränderung zur Verbreitung der Pollenallergie beitragen.