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OSTSCHWEIZ: Vorläufig an der Arbeit

Vorläufig Aufgenommenen stehen bürokratische Hindernisse im Weg, wenn sie arbeiten wollen. Der Bundesrat will diese beseitigen. Die vorläufig Aufgenommenen arbeiten aber bereits jetzt häufiger als anerkannte Flüchtlinge.
Kaspar Enz
Vorläufig aufgenommene Personen haben es schwerer im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. (Symbolbild) (Bild: PATRICK STRAUB (KEYSTONE))

Vorläufig aufgenommene Personen haben es schwerer im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. (Symbolbild) (Bild: PATRICK STRAUB (KEYSTONE))

In Courtepin hat bereits ein Flüchtling seine Ausbildung bei der Micarna begonnen. Nächste Woche beginnt auch in Bazenheid einer seine Ausbildung. Maflü heisst das Projekt der Migros-Metzgerei, das Dutzenden weiteren Personen zu einer Ausbildung verhelfen soll. Die Flüchtlinge, die in den nächsten Monaten bei Micarna anfangen, sind streng genommen keine Flüchtlinge, sondern «vorläufig aufgenommene Personen». «Gerade diese haben es schwerer, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Micarna.

Denn statt die Anstellung nur zu melden, muss der Arbeitgeber eine Arbeitsbewilligung für den vorläufig Aufgenommenen beantragen. Zehn Prozent des Lohns muss er dem Staatssekretariat für Migration abgeben, zehn Jahre lang oder bis zum Betrag von 15 000 Franken. Hinzu kommt, dass der Status «vorläufig» Arbeitgeber abschreckt – sie müssen befürchten, dass der Angestellte jederzeit in sein Heimatland zurückgeschickt werden kann – auch wenn die meisten ihr Leben lang in der Schweiz bleiben. Aber gerade deshalb habe sich Micarna dafür entschieden, vorläufig Aufgenommene auszubilden. «Den Mehraufwand nehmen wir in Kauf», sagt Pfister. «Denn es handelt sich um ein gesellschaftlich relevantes Thema.»

Vorläufigen Status ersetzen

Vorläufig aufgenommen wird, wer zwar keine persönliche Verfolgung nachweisen kann, für den eine Rückweisung in die Heimat aber unmöglich oder unzumutbar wäre – weil der Heimatstaat die Leute nicht zurücknimmt oder dort Krieg herrscht. Dass der Status die Integration erschweren kann, hat auch der Bundesrat gemerkt. Darum schlägt er vor, den Status anzupassen. So könne man den Status durch eine Aufenthaltsbewilligung oder durch den neuen Status der Schutzgewährung ersetzen. Der dritte Vorschlag ändert den Status nur punktuell. Alle Vorschläge zielen aber darauf, die Regeln, die eine Integration in den Arbeitsmarkt erschweren, zu beseitigen.

Davon erhofft man sich mittelfristig tiefere Sozialhilfekosten. Ähnliche Vorschläge machte der Bundesrat aber schon im Hinblick auf die Beschränkung der Zuwanderung. «Wenn man die Einwanderung aus der EU einschränken möchte, muss man das Arbeitskräftepotenzial im Inland besser ausschöpfen», sagt Martin Reichlin, Sprecher des Staatssekretariats für Migration.

Ein Drittel ist erwerbstätig

Schweizweit sind heute nur rund 30 Prozent der vorläufig Aufgenommenen erwerbstätig. Damit liegt die Erwerbsbeteiligung der vorläufig Aufgenommen aber bereits höher als jene der anerkannten Flüchtlinge – von ihnen arbeiten nicht einmal ein Viertel. In der Ostschweiz sind die Zahlen ähnlich: Von den 1531 anerkannten Flüchtlingen im arbeitsfähigen Alter in den Kantonen Thurgau, St. Gallen und beiden Appenzell sind 433, etwas über 28 Prozent, erwerbstätig. Bei den 1758 vorläufig Aufgenommenen sind es 582, ein knappes Drittel. «Vorläufig Aufgenommene haben einen höheren Anreiz, zu arbeiten», sagt Reichlin. Nur wenn sie eine ausreichende Integration vorweisen können und nicht von der Sozialhilfe abhängig sind, können sie nach frühestens drei Jahren ihre Familien nachziehen. Und nach fünf Jahren kann ihnen per Härtefallregelung eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden – was nicht selten vorkommt. Im Thurgau, wo knapp 700 vorläufig aufgenommene Personen leben, werden jährlich 40 bis 50 solcher Bewilligungen erteilt.

Das lasse die Quote schlechter aussehen, als sie sei, sagt Reichlin. «Die Statistik bildet vor allem diejenigen ab, die es nicht geschafft haben.» Komme hinzu, dass dort auch Familienangehörige enthalten sind, die nicht arbeiten. Dass Flüchtlinge – ob anerkannt oder vorläufig aufgenommen – eine tiefe Erwerbsquote haben, hat nicht nur bürokratische Gründe. «Die meisten müssen bei null anfangen», sagt Reichlin – Sprache und Beruf müssen neu erlernt werden.

Klappen kann es trotzdem. Nicht nur Micarna bildet Fleischfachleute aus. Auch bei der Metzgerei Herrmann in Sulgen arbeiten drei Eritreer – zwei von ihnen sind anerkannte Flüchtlinge, einer ist vorläufig aufgenommen. Der erste hat die Lehre als Fleischfachassistent bereits abgeschlossen, «als Bester seines Jahrgangs», sagt Werner Herrmann. Die Stiftung Peregrina, die im Thurgau für die Integration der Flüchtlinge zuständig ist, habe ihm das vorgeschlagen. «Die Stiftung hat ihren Geschäftssitz ganz in der Nähe. Deshalb hat sie uns den Papierkrieg abgenommen», sagt Herrmann.

Flüchtlinge könnten für die Branche eine Chance sein, sagt Herrmann. «Wir brauchen Leute, die auch bleiben, nicht nur zukünftige Kader.»

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