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OSTSCHWEIZ: Umstrittenes Theaterstück: St.Galler Politiker fordern Kontrollen

Das umstrittene Theaterstück in Uttwil hat ein Nachspiel. Kantonsräte kritisieren die fehlende Aufsicht über den Unterricht in «Heimatlicher Sprache und Kultur». Sie ziehen aber unterschiedliche Konsequenzen daraus.
Katharina Brenner
Mit der Muttersprache soll auch der Erwerb der zweiten Sprache gefördert werden. (Bild: Thomas Kienzle (AP))

Mit der Muttersprache soll auch der Erwerb der zweiten Sprache gefördert werden. (Bild: Thomas Kienzle (AP))

«Wird der HSK-Unterricht für nationalistische Propaganda missbraucht?», lautet der Titel der Einfachen Anfrage, mit der die St.Galler CVP-GLP-Fraktion auf das Theaterstück in Uttwil reagiert. An der Aufführung Ende März waren mehrheitlich Primarschüler aus Flawil beteiligt. Sie haben im Rahmen des Unterrichts in «Heimatliche Sprache und Kultur» (HSK) die Schlacht von Gallipoli mit Spielzeuggewehren nachgespielt und als Leichen posiert. Das Nachspielen dieser Schlacht habe in der türkischen Diaspora eine lange Tradition, heisst es in türkischen Kreisen. Präsident Recep Tayyip Erdogan münzt die Erinnerung an die Schlacht für seine politische Agenda um.

Organisiert und finanziert werden die HSK-Kurse von Botschaften, Konsulaten und Vereinen der Herkunftsländer. Die Trägerschaft muss politisch und konfessionell neutral sein. Mit dieser Vorgabe orientiert sich der Kanton St. Gallen am Rahmenlehrplan HSK des Kantons Zürich. Im Unterschied zu Zürich gibt es im Kanton St. Gallen aber keine obligatorischen Weiterbildungen für HSK-Lehrer. «Die Ansprechpersonen der Vereine werden sporadisch zu fakultativen, unverbindlichen Informationen eingeladen», sagt Jürg Raschle, Generalsekretär des St.GallerBildungsdepartements.

Lehrpläne und regelmässige Schulbesuche

Seit die Bilder aus Uttwil im «Sonntags-Blick» erstmals veröffentlicht wurden, steht die St.GallerBehörde in der Kritik. «Wie nehmen die zuständigen Stellen die Aufsichtsfunktion über den HSK-Unterricht wahr?», fragt denn auch die CVP-GLP-Fraktion. Die Antwort hat der St.GallerBildungschef Stefan Kölliker bereits gestern in unserer Zeitung gegeben: Der Kanton habe keine Aufsicht über den Unterricht. Dafür fehle die Rechtsgrundlage.

Damit geben sich die Fragesteller aber nicht zufrieden: «Wir gehen nicht mit dem Bildungsdirektor einig, wenn er sagt, auf Grund der fehlenden rechtlichen Grundlage sei eine Aufsicht nicht möglich», meint Fraktionspräsident Andreas Widmer. Auch wenn es eine solche nicht gebe, müsse der Kanton genau hinschauen bei den HSK-Kursen. Wie bei den Volksschulen auch, sollten im HSK-Unterricht die Lehrpläne festgelegt sein und es sollten regelmässig Schulbesuche stattfinden. Nicht nur bei der CVP-GLP-Fraktion steht der HSK-Unterricht auf der Agenda: Die Einfache Anfrage der CVP sei kein schlechter Schritt, reiche aber nicht, sagt SVP-Kantonsrat Sandro Wasserfallen, Präsident der Fachkommission Bildungsdepartement. Die SVP prüfe im Moment einen verbindlicheren und tiefergreifenden Vorstoss, welche die Fraktion in der Juni-Session einreiche. Wasserfallen sieht zwei Optionen: «Entweder wir schaffen eine optimale gesetzliche Grundlage für eine Aufsicht über den HSK-Unterricht oder aber wir lösen den Unterricht ganz von der Schule.» Momentan stellen die Schulen Räume dafür, die Noten aus dem HSK-Unterricht können ins Zeugnis einfliessen. «Wir müssen uns fragen, ob diese Kurse an Schulen überhaupt noch eine Rechtfertigung haben.»

«Der Kanton tut so, als gehe ihn das alles nichts an»

Am anderen Ende des Parteienspektrums fordert SP-Kantonsrat Etrit Hasler das genaue Gegenteil: «Der HSK-Unterricht muss von ausgebildeten und anerkannten Lehrpersonen durchgeführt werden und sollte als Fach an den Schulen angeboten werden.» Das sei politisch derzeit aber unrealistisch, solange der Kanton nicht bereit sei, dafür die Verantwortung zu übernehmen und die notwendigen Gelder zu sprechen. Stattdessen tue er so, als gehe ihn das alles nichts an. «Wir sprechen ständig über Extremismusbekämpfung, aber bei den HSK-Kursen, in denen Kinder ideologisch beeinflusst werden, schaut der Kanton weg.»

Das Grundproblem der HSK-Kurse sei, dass sie von den Heimatstaaten finanziert werden. Die Scuola Italiana sei damals entstanden, um aus den Kindern der italienischen Arbeiter in der Schweiz gute italienische Bürger zu machen. «Bis heute haben die HSK-Kurse diese politische Komponente.» Das Beispiel in Uttwil sei kein Einzelfall. Trotzdem unterstützt Hasler den Unterricht, weil erwiesen sei, dass Kinder eine zweite Sprache viel besser lernen, wenn sie ihre Muttersprache gut beherrschen. Auch dass sie die Geschichte des Landes ihrer Eltern und Grosseltern kennen, sei wichtig. Hasler stellt die Forderung nach einer gesetzlichen Grundlage für die HSK-Kurse nicht zum ersten Mal. Mit seiner Motion scheiterte er 2015 aber. Die ersten Schulpräsidenten haben im Zuge des Vorfalls in Uttwil angekündigt, genauer hinzusehen beim HSK-Unterricht. Gemäss dem Verband der St.GallerVolksschulträger überprüfen die Schulträger den Inhalt des HSK-Unterrichts nicht, weil er nicht in ihrer Zuständigkeit und Verantwortung liegt.
Der SP-Kantonsrat und Schulleiter des Wiler Mattschulhauses Ruedi Blumer, hat Erfahrung mit HSK-Kursen. «Der Rahmen ist klar: Der Unterricht soll politisch und konfessionslos neutral sein.» Das genüge, eine Gesetzesänderung brauche es nicht. Denn für Blumer ist ebenso klar: «Als Schulleiter möchte ich wissen, was in meinen Räumen passiert.» Einmal im Jahr komme er dort mit den spanischen HSK-Lehrern, den Kindern und Eltern zusammen. Einmal habe er erklären müssen, dass im Schulhaus nur Pantoffeln getragen werden. «Darüber muss man sprechen. So löst man Probleme.»

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