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OSTSCHWEIZ: Skilager: So ermöglicht sie der Kanton St.Gallen - trotz Bundesgerichtsentscheid

Das Bundesgericht hat entschieden, dass Elternbeiträge für obligatorische Sonderwochen 16 Franken pro Tag nicht übersteigen dürfen. Im Kanton St.Gallen sind die meisten Skilager deshalb freiwillig.
Joel Mähne
Bald keine Schüler mehr auf der Piste? Die Durchführung von Lagern wird schwieriger. (Bild: Benjamin Manser)

Bald keine Schüler mehr auf der Piste? Die Durchführung von Lagern wird schwieriger. (Bild: Benjamin Manser)

Das Skilager gehört sicher zu den prägendsten Wochen der Schulzeit. Dazu gehören ein bunter Abend, die Lagerdisco und lange Gespräche im dunklen Zimmer. Doch Skilager sind nicht nur schön, sie kosten auch viel Geld. Reisekosten, Skibillette, Verpflegung und Unterkunft summieren sich schnell zu mehreren hundert Franken. Kosten, die wenige Gemeinden komplett alleine tragen können und wollen. Ein Umstand, der den Thurgauer Grossen Rat im Jahr 2015 dazu bewog, den Schulen zu erlauben, Elternbeiträge in der Höhe von 300 Franken zu erheben.

Vier Thurgauer Eltern fochten diesen Entscheid vor dem Bundesgericht an. Ende 2017 erhielten sie recht: Eine obligatorische Lagerwoche gehöre zur regulären Schulzeit und müsse damit gemäss Artikel 19 der Bundesverfassung kostenlos sein. Das Bundesgericht urteilte, dass einzig Einsparungen, welche den Eltern durch die Abwesenheit ihrer Kinder entstehen, den Eltern belastet werden dürfen. Das Bundesgericht rechnet dabei mit zehn bis sechzehn Franken pro Person und Tag.

Ein Urteil, das im Thurgau zu Problemen führt: Laut Heinz Leuenberger, Präsident des Verbands der Thurgauer Schulgemeinden, entsteht durch die geringeren Elternbeiträge ein Fehlbetrag.Diesen müssten die Schulgemeinden nun selbst berappen. Denn die Wochen im Schnee könnten nun nicht mehr abgesagt werden. Leuenberger sieht sogar die weitere Durchführung der Skilager in Gefahr: "Wir diskutieren diese Woche mit Vertretern des Erziehungsdepartements, wie es nächstes Jahr weiter geht."

Teures Skilager nur mit Alternativangebot

Als Beispiel könnte der Kanton St.Gallen diskutiert werden. Bereits seit dem Jahr 2001 besteht dort eine Weisung des Erziehungsrates, wonach Schulen für besondere Unterrichtsveranstaltungen von Eltern nicht mehr als 15 Franken pro Tag verlangen dürfen. Alexander Kummer, Leiter des Amtes für Volksschule des Kantons St.Gallen, nennt aber eine Ausnahme: "Die Schulträger können grundsätzlich höhere Beiträge für eine Veranstaltung verlangen, wenn es ein Alternativangebot gibt, das den gleichen Zweck erfüllt und die Vorgaben der finanziellen Beteiligung der Eltern einhält. Zum Beispiel eine Sportwoche als Alternative zum Skilager." Ob Schulträger so ein Angebot anbieten wollen, sei aber Sache der einzelnen Schulbehörden, dazu äussere sich das Bildungsdepartement nicht.

Geringe Elternbeiträge sind also für die Schulen im Kanton St. Gallen nichts Neues. Das sagt auch Thomas Rüegg, Präsident des Verbands St. Galler Volksschulträger. "Die Schulen kennen die Weisungen und unterstützen selbstverständlich auch den Bundesgerichtsentscheid. Fakt ist aber auch: Nur mit einem Elternbeitrag von 15 Franken pro Tag kann kein Skilager durchgeführt werden." Die meisten Schulen im Kanton böten deshalb eine günstigere Alternative zu Hause an. Im Skilager würden die Schülerinnen und Schüler häufig etwa die Hälfte der Kosten übernehmen, also 150 bis 200 Franken. "Familien, die sich den Beitrag für ihre Kinder nicht leisten können, haben aber die Möglichkeit, ein Gesuch um eine Senkung des Lagerbeitrags zu stellen. Diesem wird in fast allen Fällen stattgegeben."

Laut Rüegg sind die Kosten nicht die einzigen Schwierigkeiten eines Skilagers: Die logistischen Herausforderungen seien gross. Und die Lehrpersonen müssten bereit sein, fünf Tage lang 24 Stunden im Einsatz zu stehen. Dazu kämen freiwillige Betreuer, die immer schwieriger zu finden seien.

Dennoch betont Rüegg, wie wichtig Skilager immer noch sind: "Wir leben heute in der Ich-AG-Gesellschaft. Soziales Lernen ist deswegen von grösster Bedeutung. Auch die Lehrpersonen sind vom Nutzen solcher Wochen, gerade zu Beginn der Oberstufe, überzeugt."

Keine Skilager in beiden Appenzell

Grundsätzlich sei man vom Problem in den Appenzeller Halbkantonen weniger betroffen: Die Schulen würden keine Skilager durchführen. Dies sagen die Amtsvorsteher beider Kantone. Man handle regelkonform. Dennoch wolle man die Schulen entsprechend des Bundesgerichtsurteils informieren. (jom)

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