OSTSCHWEIZ: Rettung für Stricklers Löwen

Der Rapperswiler Raubkatzen-Flüsterer René Strickler atmet auf. Für seinen Tierpark zeichnet sich eine Lösung ab. Die Zwangsräumungsbehörde will allerdings erst Beweise für die Rettung sehen.

Pascal Büsser
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Ruhe vor dem Umzug: Die Löwen des Rapperswiler Tiertrainers René Strickler sollen ein neues Zuhause bekommen. (Bild: Vier Pfoten/PD)

Ruhe vor dem Umzug: Die Löwen des Rapperswiler Tiertrainers René Strickler sollen ein neues Zuhause bekommen. (Bild: Vier Pfoten/PD)

Pascal Büsser

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@tagblatt.ch

Seit Monaten kämpft er wie ein Löwe für seine geliebten Raubkatzen. Nun scheint für den ehemaligen Rapperswiler Zirkusdompteur René Strickler und ­seinen Kleinzoo endlich eine handfeste Lösung greifbar, wie die «Südostschweiz» berichtet. «Die letzte Zeit war schlimm», sagt der 65-Jährige. «Mein Lebenswerk stand auf der Kippe.» Nun kann Strickler fürs Erste aufatmen. Er will mit den fast 20 Tigern, Löwen, Pumas, einem Bären sowie über zwei Dutzend Kleintieren von Subingen bei Solothurn ins knapp 30 Kilometer entfernte Crémines im Berner Jura übersiedeln. Die Raubtierpark Subingen AG übernimmt per 1. Juni die dortige Siky Ranch, wie sie mitteilt. Man habe eine Vereinbarung unterzeichnet. Zur Finanzierung soll das Aktienkapital der Firma um zwei Millionen erhöht werden. Woher das Geld stammt, darüber hielt sich Verwaltungsratspräsident Werner Ballmer gegenüber den Medien bisher bedeckt. Der Tierpark in Crémines mit Raubvögeln und heimischen Tierarten befand sich laut Ballmer in finanzieller Schieflage. Für Strickler und Co. kommt diese Lösung offenbar massiv günstiger als ein Fortbestehen am bisherigen Ort. In Su­­bingen hätte er für das fast 50 000 Quadratmeter grosse Gelände nach eigenen Angaben 14AABB22Millionen Franken hinblättern müssen.

Weil er diesen Betrag nicht zusammenbrachte, droht ihm die Zwangsräumung. Das Bundesgericht bestätigte diese im vergangenen Sommer. Zuvor hatte sich Strickler mehrmals Gnadenfristen erstritten. Die Vermieterin, die Firma Espace Real Estate, hatte ihm seinen 10 000 Quadratmeter grossen Park gekündigt, weil sie eine gesamtheitliche Nutzung für die Industriebrache anstrebte. Strickler war Ende der 1970er-Jahre als Raubtierdompteur mit dem Circus Knie unterwegs und neben anderen Engagements später fast ein Jahrzehnt mit dem Zirkus Roncalli. Mehrere Dokumentarfilme widmeten sich ihm und seinen Raubkatzen. Diesen droht nach dem Aus in Subingen, wo Strickler seit 2004 ist, im schlimmsten Fall die Einschläferung.

Anlagen müssen artgerecht sein

Vor dem Umzug in die Siky Ranch in Crémines sind laut Strickler umfangreiche Planungs- und Bauarbeiten erforderlich. Bis die Anlagen den heutigen Anforderungen an eine «moderne, artgerechte Haltung von Raub- und Wildtieren» angepasst sind, müssen Stricklers Raubkatzen auf den Umzug warten. Dieser soll im Herbst passieren. Auf eine artgerechte Haltung pocht auch die Organisation Vier Pfoten, wie sie in einer Mitteilung schreibt. «Wir sind froh, dass die Zukunft der Tiere nun nicht mehr ungewiss ist.» Man hoffe aber auch, «dass keine neuen Wildtiere angeschafft werden».

Vorsichtig optimistisch äussert sich das Oberamt Solothurn als Vollstreckerbehörde der Zwangsräumung in Subingen. Er sei vorgängig über die Absichten Stricklers informiert worden, sagte Alain Hervouet zur «Solothurner Zeitung». Er ist für den Fall zuständig und hält fest: Die Ankündigung Stricklers müsse noch mit verlässlichen Informationen gestützt werden. Etwa mit der Bestätigung der Aktienkapitalerhöhung, dem Kaufvertrag sowie einem Plan, dass die nötigen Umbauten in nützlicher Frist gemacht werden können. «Wenn es sich bewahrheiten soll, ist das sicher eine gute Lösung», so Hervouet. Andernfalls habe er für einzelne Tiere Lösungen vorbereitet. Aber: «Wir haben keine Komplettlösung im Moment.» Die Raubtierpark Subingen AG solle nun öffentlich mit Fakten ihre Absichten untermauern und das verlorene Vertrauen nach dem monatelangen Hin und Her wieder zurück­erobern, so Hervouet weiter. Christoph Neuhaus, der zuständige Berner Regierungsrat, sagte gegenüber der gleichen Zeitung, dass der Kanton bereit sei, bei der Umsetzung zu helfen. Für René Strickler sind die letzteren Aussagen Balsam für die Seele. Er kündigt für den April eine detaillierte Präsentation des Projekts an. Dann wird sich zeigen, ob der Kampf für seine Raubkatzen wirklich ein Happy End haben wird.