OSTSCHWEIZ: Ostschweizer Kantone profitieren vom Lottofieber

Die kantonalen Lotteriefonds profitieren vom bis gestern andauernden Lottoboom. Deswegen passen die Ostschweizer Kantone ihre Budgets aber nicht gleich nach oben an.

Sebastian Keller
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Jeder Spieler hofft, dass die Lottokugeln mit seinen Zahlen in die Rohre fallen. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Jeder Spieler hofft, dass die Lottokugeln mit seinen Zahlen in die Rohre fallen. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

An den Stammtischen dominierte ein Thema: das Lottofieber. Etliche malten sich aus, was sie mit den Millionen anstellen würden, wenn ihre Zahlen gezogen würden. Der Geldtopf wuchs Woche für Woche an – auf rekordhohe 70 Millionen Franken. Erst gestern haben drei Spieler den Jackpot geknackt – nach 48 Ziehungen, bei denen niemand alle Zahlen richtig tippte. Die Aussicht auf den einen Geldsegen lockte Woche für Woche auch Leute an die Kioske, die sonst nur ihre ausgekätschten Kaugummis in Lottozettel wickeln. Von dieser Spielfreude profitieren auch die Kantone. Denn: 30 Rappen jedes gespielten Lottofrankens bei Swisslos fliessen an die Deutschschweizer Kantone, das Tessin und das Fürstentum Liechtenstein. Swisslos, die interkantonale Landeslotterie mit Sitz in Basel, ist eine Genossenschaft im Besitz der Kantone. Sie führt in deren Auftrag Lotterien und Sportwetten durch. Vergangenes Jahr flossen 330 Millionen Franken an die Kantone und ins Nachbarland. «Der Reingewinn wächst, wenn mehr Leute Lotto spielen», sagt Willy Mesmer, Sprecher von Swisslos.

Ein rekordhoher Jackpot und damit verbundenes Lottofieber sind dem zuträglich. Entscheidend für die Höhe der Auszahlung sei aber, wie viel über das ganze Jahr gespielt werde. Der Anteil, den die Kantone erhalten, richtet sich nach einem Verteilschlüssel. Für diesen sind zwei Zahlen massgebend: die Einwohnerzahl und die Zahl gespielter Lottoscheine im Kanton. So flossen 2015 fast 77 Millionen Franken in den bevölkerungsreichsten Kanton Zürich, während Appenzell Innerrhoden etwas über 800000 Franken erhielt. Der Anteil Zürichs wird zusätzlich erhöht, weil viele Auswärtige an Zürcher Kiosken ihren Lottoschein abgeben. «Die Leute spielen häufig dort, wo sie auch arbeiten», sagt Mesmer. Der spielfreudigste Kanton ist im Pro-Kopf-Vergleich aber das Tessin. «Dazu tragen auch die italienischen Grenzgänger bei, die im Tessin spielen», sagt Mesmer. Am wenigsten Lotto werde im Kanton Appenzell Ausserrhoden gespielt. «Früher sagte man, dass die katholischen Kantone spielfreudiger seien als die protestantischen.» Im Fall von Ausserrhoden würde dies heute noch zutreffen. Dagegen spricht, dass im katholischen Innerrhoden auch nicht gerade viel Lotto gespielt wird.

Das Geld ist für bestimmte Zwecke vorgesehen

Mit dem jährlichen Geldsegen aus Basel können die Kantone aber keine Tunnels bauen oder Kantonsstrassen sanieren. Das Geld ist für kulturelle, gemeinnützige Zwecke und den Sport reserviert. Die Kantone schrauben ob des Lottofiebers in jüngster Zeit aber nicht gleich am Budget. «Wir passen das Budget nicht an», sagt Georg Amstutz, Sprecher des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Entscheidend sei ohnehin, wie viel übers ganze Jahr gespielt werde. Im Thurgau tönt es ähnlich. «Dieser Posten ist schwierig zu budgetieren», sagt Martha Monstein, Leiterin des Kulturamtes. Die Höhe der Beiträge – etwa an kulturelle In­stitutionen – werden vielfach in Leistungsvereinbarungen über drei Jahre festgelegt.

Wer das Geld verteilen darf, ist unterschiedlich geregelt. Im Kanton St. Gallen entscheidet das Kantonsparlament zweimal jährlich. In den beiden Appenzell sind es die Regierungen. Im Thurgau ändern die Spielregeln per Neujahr. Der Regierungsrat kann nur noch bis zu einem einmaligen Betrag von drei Millionen selber entscheiden. Wird dieser Betrag überschritten, ist das Parlament am Zug.