OSTSCHWEIZ: Nulltoleranz für Horrorclowns

Menschen in Clownkostümen treiben nicht nur international, sondern auch in unserer Region ihr Unwesen. Im Vorarlberg wurde ein erster Horror-Clown gesichtet. In der Ostschweiz ist das Phänomen aus den USA vereinzelt bekannt.

Alexandra Pavlovic
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Horror-Clowns wollen mit ihrem Aussehen unschuldige Passanten erschrecken. (Symbolbild) (Bild: FELIPE TRUEBA (EPA))

Horror-Clowns wollen mit ihrem Aussehen unschuldige Passanten erschrecken. (Symbolbild) (Bild: FELIPE TRUEBA (EPA))

Sie tauchen im Dunkeln unerwartet an Orten auf, tragen gruselige Clown-Masken und terrorisieren wahllos Passanten mit Kettensägen oder anderen Waffen. Das Ziel der sogenannten Horror-Clowns ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten. Was hinter dem Phänomen aus den USA steckt, weiss niemand so genau. Besteht echte Gefahr, oder ist es einfach nur ein schlechter Scherz?

Zwei Meldungen im Oberthurgau
In Deutschland zumindest gab es schon eine erste bestätigte Attacke. Zwei Maskierte haben in Gelsenkirchen einen 33-Jährigen mit einem Messer angegriffen und ihm Schnittwunden an der Hand zugefügt. Ein erster Fall von Horror-Clowns wurde nun auch im Vorarlberg bekannt. Wie vol.at berichtet, wurde ein Kostümierter am Bahnhof Bludenz gesichtet. Passanten filmten, wie er die Strasse Richtung Bushaltestelle überquerte. Beim Horror-Clown hat es sich um einen 15-jährigen Bludenzer gehandelt, wie Stefan Morscher von der Landespolizeidirektion Vorarlberg erklärt. Ihn erwarte eine Anzeige wegen einer Ordnungsstörung. Der Strafrahmen könne bis zu 500 Euro betragen.

In der Ostschweiz sind die Horror-Clowns kein unbekanntes Phänomen. Vor zwei Jahren haben drei Jugendliche in Frauenfeld im Alter zwischen 16 und 17 Jahren einen 18-jährigen Mann angegriffen und ihn mit einem Schlagstock am Arm leicht verletzt.Die Angreifer hatten sich damals ebenfalls Clownmasken übergezogen und waren bewaffnet.Im Oberthurgau hat es in diesem Jahr bereits eine Meldung von Maskierten gegeben. Eine Anwohnerin sah zwei Personen mit Clown-Masken und meldete dies der Polizei, wie Matthias Graf, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei, auf Nachfrage bestätigt. "Eine Patrouille der Kantonspolizei Thurgau rückte sofort aus, konnte aber keine Personen mit einer Clown-Maske antreffen." In den vergangenen Jahren gab es zwar vereinzelt Meldungen vor Halloween, ob sich in diesem Jahr die Fälle allenfalls häufen werden, konnte Graf nicht beurteilen.

Gemäss Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei, ist die Lage im Kanton St.Gallen derzeit ruhig. Das Phänomen sei bekannt und die Polizei sensibilisiert, man beobachte das Ganze weiterhin. "Wir haben uns im Vorfeld überlegt, ob präventiv eine Meldung an die Bevölkerung Sinn machen würde. Wir haben aber davon abgesehen, da das Phänomen in unseren Breitengraden noch nicht so präsent ist", sagt Rezzoli. Auch aus den vergangenen Jahren sei ihm kein Zwischenfall mit Horror-Clowns bekannt. Wie sich das vor Halloween abspielen werde, sei abzuwarten.

"Grenzt an Gewalt"
Kein Thema sind die Horror-Clowns in Appenzell. Wie Ueli Frischkneckt, Sprecher der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, sagt, sind ihm keine derartigen Fälle bekannt. "In den Tagen vor Halloween und am Tag X gehen zwar Meldungen von Sachbeschädigungen ein, diese beschränken sich aber auf Vandalismus oder verschmierte Hausfassaden", sagt er. Das sei nichts Neues, damit rechne die Polizei jedes Jahr. Sollte aber eine Anzeige wegen Horror-Clowns eingehen, so gelte Nulltoleranz.

Rigoros vorgehen will auch die St.Galler Kantonspolizei. "Je nach Tatbestand kann es bis zu einer Anzeige kommen", sagt Sprecher Gian Andrea Rezzoli. Wer die neusten Meldungen gelesen habe, wisse, dass es sich hierbei um keinen gewöhnlichen Scherz handle. "Menschen mit einer Kettensäge oder mit einem Messer zu bedrohen ist nicht harmlos, sondern grenzt schon an Gewalt. Das hat nichts mehr mit Erschrecken zu tun." Matthias Graf, Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei, rät deshalb Personen, die sich durch Horror-Clowns belästigt oder in Angst und Schrecken versetzt fühlen, umgehend die Notrufnummer 117 zu wählen. 

Welches Strafmass den Maskierten blüht, wenn sie erwischt werden, entscheidet im Kanton Thurgau etwa die zuständige Staatsanwaltschaft. In den anderen beiden Kantonen kommt es auf den Tatbestand an. Je nach Fall könne es sein, dass es sich nur um eine Drohung, um Körperverletzung oder gar um Verletzung des Waffenrechts handle, wie Ueli Frischknecht von der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden sagt. "Grundsätzlich ist es ja nicht strafbar, sich als Clown verkleidet im öffentlichen Raum zu bewegen."
 

Horror-Clowns

Der grinsende Serienkiller Joker, der Gegenspieler des Comichelden Batman, ist nur eines der Vorbilder der sogenannten Horror- oder auch Killer-Clowns. Böse Clowns kommen auch im Roman "Es" des US- Horrorautors Stephen King oder im Film "A Clockwork Orange" von Stanley Kubrick vor. In den USA haben in diesem wie auch im vergangenen Jahr als Clowns Maskierte Passanten erschreckt und entsprechende Filme auf das Videoportal YouTube gestellt. Horror-Clowns haben dann im vergangenen Oktober in Frankreich Leute terrorisiert und verletzt. In Genf wurden ebenfalls Maskierte gesichtet. Mit dem Überfall in Frauenfeld im Jahr 2014 hatte das Phänomen auch die Ostschweiz erreicht. (red.)