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OSTSCHWEIZ: Moslem-Gräber wenig genutzt

Moslemische Grabfelder, wie auf einem St.Galler Friedhof eingerichtet, sind meist spärlich belegt. Dies hat auch demographische Gründe.
Urban Rechsteiner
Wenige moslemische Gräber auf dem Friedhof Feldli in St.Gallen sind belegt. (Bild: Jakob Ineichen)

Wenige moslemische Gräber auf dem Friedhof Feldli in St.Gallen sind belegt. (Bild: Jakob Ineichen)

Nun auch Wil: In der Äbtestadt – ausgerechnet – sind jüngst die Voraussetzungen für Grabfelder geschaffen worden, auf denen Bestattungen nach den Sitten des Islam möglich sind. Die entsprechende Gesetzesänderung trat am 1. September in Kraft. Lange Zeit war es in der Schweiz kaum möglich, eine Bestattung nach islamischer Tradition durchzuführen. Im Kanton St. Gallen sind seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2013 zumindest die juristischen Voraussetzungen für separate Moslem-Gräber gegeben. Die Zuständigkeit für das Bestattungswesen liegt jedoch, wie in vielen Kantonen, auf kommunaler Ebene.

Bis anhin wurden solche Gräber im Kanton St. Gallen erst in der Hauptstadt umgesetzt. Auf dem Friedhof Feldli, im Westen St. Gallens, gibt es momentan 212 Gräber, die an die Bedürfnisse des Islam angepasst sind. «464 Gräber sind insgesamt geplant», sagt Gerold Jung, beim Gartenbauamt St. Gallen zuständig für den Friedhof Feldli. Dass erst die Hälfte der vorgesehenen Gräber eingerichtet wurde, hat einen praktischen Grund: Die Nachfrage nach moslemischen Gräbern ist klein. Laut Jung sind bislang neun Gräber besetzt. «Das entspricht in etwa der nationalen Tendenz auf den moslemischen Friedhöfen.»

Kein Angebot ausserhalb der Stadt

Warum ist die Nachfrage nach Gräbern in der moslemischen Gemeinschaft so gering? Bekim Alimi, der Präsident des Dachverbands islamischer Gemeinschaften der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein (Digo), nennt dafür verschiedene Gründe. «Die Einwanderer moslemischen Glaubens der ersten Generation sind noch sehr stark mit ihrem Heimatland verbunden. Sie lassen sich oft auch dort bestatten.» Dazu kommt, dass sich früher keine Alternative geboten habe. «Die Rückführung in das Herkunftsland war lange Zeit die einzige Möglichkeit für Moslems, sich dem Islam entsprechend bestatten zu lassen», sagt Alimi. Vor allem Moslems aus der Türkei und dem Balkan lassen ihre Verstorbenen oft in ihr Herkunftsland überführen. Dies bedeutet jedoch einen grossen finanziellen und organisatorischen Aufwand.

Der St. Galler Friedhof Feldli ist der bisher einzige Friedhof mit Grabfeldern für Moslems. «In anderen Kantonen der Ostschweiz gibt es – meines Wissens – kein Angebot für Bestattungen nach den Sitten des Islam», erklärt Alimi. Die städtische Verordnung über das Bestattungs- und Friedhofswesen lässt aber nur in Ausnahmefällen zu, dass Auswärtige auf städtischen Friedhöfen beerdigt werden. Eine dieser Ausnahmen bilden Urnenbestattungen, doch diese sind im Islam nicht erlaubt. Die Erdbestattung ist die einzig zulässige Art der Beisetzung im Islam. Dabei wird der Leichnam meist in die Seitenlage gebracht, wobei das Gesicht so positioniert wird, dass der Blick nach Mekka gerichtet ist. Dies ist auf dem Friedhof Feldli möglich. Doch für Moslems ausserhalb der Stadt St. Gallen bietet sich weiterhin keine Möglichkeit, die Angehörigen so zu bestatten.

Demographische Gründe für geringe Nachfrage

Ein Grund für die geringe Nachfrage nach moslemischen Gräbern ist wohl auch die Demographie der moslemischen Bevölkerung der Schweiz: Laut Zahlen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2010 sind gerade einmal 2,53 Prozent der Moslems in der Schweiz über 60 Jahre alt; das deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach moslemischen Gräbern erst in Zukunft ansteigen wird. Sowohl Jung als auch Alimi gehen davon aus, dass sich die zweite und dritte Generation der Schweizer Moslems hier bestatten lassen wird. Diese haben keinen intensiven Bezug mehr zur Heimat ihrer Vorfahren. «Das war schon bei anderen Gruppen von Einwanderern so – beispielsweise bei den Italienern», sagt Jung.

Tatsächlich scheint ein Umdenken stattzufinden. In einigen Gemeinden sind in den vergangenen Jahren Grabfelder für Moslems geschaffen worden. Nach Städten wie Winterthur, Zürich, Luzern, Lugano oder Genf zieht auch Glarus Nord nach und schafft Grabfelder für Moslems. Offen bleibt die Frage, ob die Nachfrage nach den Gräbern fehlt, weil das Angebot nicht vorhanden war – oder ob das Angebot nicht geschaffen wird, weil die Nachfrage fehlt.

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