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OSTSCHWEIZ: "Lächerlich, traurig, unsozial" - Reaktionen zum Migros-Hausverbot gegen eine Demenz-Patientin

Eine betagte, demenzkranke Frau bekommt Hausverbot in einer Migros-Filiale in St.Gallen. Der Fall bewegt die Leserinnen und Leser. Sie kommentieren fleissig - die wenigstens haben Verständnis für die Haltung der Migros-Verantwortlichen.
Christa Kamm-Sager
Leidet eine Person an Demenz, können selbst alltägliche Routinegänge wie Einkaufen zum Spiessrutenlauf werden. (Bild: Archiv)

Leidet eine Person an Demenz, können selbst alltägliche Routinegänge wie Einkaufen zum Spiessrutenlauf werden. (Bild: Archiv)

Seit 50 Jahren geht die demenzkranke Frau mit Jahrgang 1936 fast täglich in dieser St.Galler Migros-Filiale einkaufen. Man kennt sie dort, sie wohnt gleich um die Ecke. Doch in letzter Zeit hat sie zwei Mal vergessen, ihre Einkäufe an der Kasse zu bezahlen – das Gedächtnis macht der betagten Frau immer öfters einen Strich durch die Rechnung. Die Migros reagiert prompt und unmissverständlich: Die Frau bekommt ein Hausverbot für sämtliche Filialen ausgesprochen. Zudem flattert ein Strafbefehl ins Haus. Der Sohn ist empört und sucht das Gespräch mit der Migros. Diese schwächt das Hausverbot ab – die betagte Frau darf nun wieder in der Migros einkaufen, allerdings nur noch in Begleitung. Zudem zieht die Migros die Anzeige zurück.

"Wir werden alle älter"

Der Fall empört die Leserinnen und Leser unserer Zeitung – sie diskutieren in den sozialen Medien das Vorgehen des "orangen M". «Diese Frau geht schon seit Jahren in dieser Migros-Filiale einkaufen, sie ist dem Personal als gute Kundin bekannt. Aus diesem Grund verstehe ich die Haltung der Migros noch weniger», äussert sich ein Leser. «Ich erwarte eigentlich von einer Filial-Leitung so viel Sozialkompetenz, dass sie Änderungen im Verhalten einer langjährigen Kundin menschlicher beurteilen kann», schreibt er weiter. Er liefere seit Jahren den grössten Teil seines Haushaltsgeldes in der Migros ab und sei mit dem Angebot, der Qualität und der Freundlichkeit des Personals sehr zufrieden. «Aber ich muss ehrlich sagen, dieses Verhalten der Migros hat mich sowohl enttäuscht als auch nachdenklich gestimmt.» Demenz sei ein Thema, das uns alle beschäftigen sollte. «Wir werden alle älter und gewisse Fähigkeiten lassen nach. Wir tragen auch eine gewisse Verantwortung für unsere Mitmenschen.»

Kritik an der Migros-Werbung

"Diese faule Ausrede ist fast schon lächerlich, ziemlich asozial und intolerant. Hauptsache die Kasse stimmt und der Bonus fällt hoch aus", äussert sich ein anderer Leser auf Facebook. Mehrmals kommt auch Kritik auf in Zusammenhang mit der aktuellen Migros-Werbung: "Ich dachte, die Migros gehört uns allen. Das sagt uns doch wenigstens die Werbung. Als wäre diese Person eine Gefahr", äussert sich eine andere Facebook-Nutzerin und Leserin unserer Zeitung.

Auch eine andere Leserin stösst sich daran: "Traurig, dann machen sie solche Werbung, Migros-Familie usw., und handeln dann so unsozial", schreibt die Frau. "Diese ältere Person kann nichts dafür, dass sie diese Krankheit hat. Es scheint mir, das soziale Image ist nur Fassade bei der Migros." Auch eine andere Kundin stösst sich an der Diskrepanz zwischen Werbung und Wirklichkeit: "Da müsste aber die Migros ihre Werbung schnell ändern! Die Migros gehört doch den Leuten."

Diese Reaktion sei unverständlich und sicher nicht im Sinne von Gottlieb Duttwiler, äussert sich eine andere Leserin via Facebook. Und eine andere Migros-Kundin findet, dass diese Reaktion so gar nicht zur Migros passen will. "Diese alte Frau hat das ja nicht böswillig gemacht. Ich glaube, ich gehe künftig in den Coop einkaufen."

Ein anderer Leser meint, dass es doch andere Möglichkeiten geben müsse, mit demenzkranken Kundinnen und Kunden umzugehen: "Warum eine Kundin, die seit Jahren dort bekannt ist, nicht entsprechend begleitet werden kann, leuchtet mir nicht ein." Würde man ein, zwei Mitarbeiterinnen entsprechend schulen, wäre das kein so grosser Aufwand. "Möglichkeiten gibt es viele, man müsste nur wollen!" Wieder eine andere Migros-Kundin und Leserin ist empört: "Das ist sehr traurig. Ich bin seit Jahrzehnten Migros-Kundin, diese harte Vorgehensweise hat mich erschüttert. Die Idee mit den begleitenden Scouts finde ich sehr gut, das müsste sich die Migros-Geschäftsleitung leisten können."

Die Filiale informieren

Eine andere Leserin findet es richtig, wie der Sohn der demenzkranken Frau die Denner-Filiale - dort geht die betagte Frau nach dem Vorfall jetzt einkaufen - über die Krankheit seiner Mutter informiert hat. "Warum hat der Sohn nicht wie bei Denner vorher mit der Filialleitung von der Migros gesprochen? Aus Fehlern lernt man." Auch ein anderer Leser nimmt die Verantwortlichen der Migros in Schutz: "Die Angehörigen haben eine Verpflichtung, auf ihre Familienmitglieder zu achten. Das ist nicht die Aufgabe der Migros oder anderer Läden." Ein anderer Leser nimmt den Laden ebenfalls in Schutz: "Es ist doch korrekt, wenn die kranke Frau nur noch in Begleitung die Migros betreten darf. Die Migros in die Pfanne zu hauen ist komplett daneben."

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