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OSTSCHWEIZ: Frauenfeld ist attraktiver als St.Gallen

Beim Bevölkerungswachstum in der Ostschweiz hat der Thurgau die Nase vorn. In St.Gallen erreicht nur die Region Werdenberg eine ähnliche Zuwachsrate. Auch der Arbeitsmarkt hat im Thurgau deutlicher zugelegt als in St. Gallen.
Adrian Vögele

Das Bevölkerungswachstum in der Ostschweiz verlangsamt sich. Damit zeigt sich in der Region derselbe Trend wie in der gesamten Schweiz. Während Neuenburg und das Tessin für das vergangene Jahr rückläufige Zahlen melden, legen alle Ostschweizer Kantone zwar weiterhin zu. Die Unterschiede sind jedoch gross. Der Kanton Thurgau, mit seinen 273 000 Einwohnerinnen und Einwohnern gut halb so gross wie der Kanton St. Gallen, wächst am stärksten. Die ständige Wohnbevölkerung nahm im vergangenen Jahr im Thurgau um 3049 Personen zu, in St. Gallen um 2066 Personen. Der Anstieg von 1,1 Prozent im Thurgau ist höher als der nationale Wert (0,7 Prozent), der Kanton St. Gallen hingegen liegt mit 0,4 Prozent klar tiefer. Appenzell Ausserrhoden kommt ebenfalls auf 0,4 Prozent, Innerrhoden auf 0,6 Prozent.


Im Thurgau ist der Einfluss der Zentren Zürich und Konstanz deutlich sichtbar: Die Bezirke Kreuzlingen und Frauenfeld haben das stärkste Bevölkerungswachstum der gesamten Ostschweiz – und zwar sowohl prozentual als auch in absoluten Zahlen. Der Bezirk Frauenfeld hat 915 Einwohner mehr (+1,4 Prozent), der Bezirk Kreuzlingen 705 Einwohner (+1,5 Prozent). Im Kanton St. Gallen sind die Werte geringer, selbst in den zugkräftigsten Regionen: 423 Personen im Wahlkreis Werdenberg (+1,1 Prozent), 493 Personen im Rheintal (+0,7 Prozent). Die tiefste Zuwachsrate im Thurgau hat der Bezirk Arbon (+0,8 Prozent), in St. Gallen sind es die Regionen St. Gallen und Toggenburg – hier ist das Wachstum mit 0,1 Prozent praktisch zum Stillstand gekommen. Als einzige Ostschweizer Region hat das Appenzeller Vorderland im vergangenen Jahr einen Rückgang verzeichnet, um 89 Personen oder 0,6 Prozent.

St.Gallen verliert Einwohner an andere Kantone

Dass die Thurgauer Bevölkerung stärker zulegt als jene in St. Gallen, ist für den St. Galler Kantonsplaner Ueli Strauss-Gallmann nicht überraschend. «Der Thurgau profitiert von der Nähe zu Zürich.» Der Kanton gehört auch zu den Gewinnern der Binnenwanderung. Das heisst, er hat unter dem Strich mehr Zuzüger aus anderen Kantonen als Wegzüger. Im Gegensatz dazu verliert der Kanton St. Gallen Einwohner an andere Kantone. Im schweizweiten Vergleich hat der Thurgau den vierthöchsten Wanderungssaldo, St. Gallen liegt an drittletzter Stelle. Nur Neuenburg und Basel-Stadt haben eine noch höhere Abwanderung innerhalb der Schweiz. Einen Zuwachs erfährt die St. Galler Bevölkerung darum nebst den Geburten nur durch die Zuwanderung aus dem Ausland. «Dass die Zuwanderung schweizweit abnimmt, trifft den Kanton St. Gallen somit besonders», sagt Strauss.

Dass Rheintal und Werdenberg das grösste Wachstum innerhalb des Kantons aufweisen, hat mit der Wirtschaftsstruktur zu tun. In diesen Regionen gebe es häufig Neuansiedlungen, so Strauss. Die Einwohnerzahl in Werdenberg steige zudem auch wegen der Nähe zu Liechtenstein als Wirtschaftsstandort. «Die Einwanderungspolitik des Fürstentums ist relativ rigide.»
Jährliche Veränderungen der Einwohnerzahlen in Städten und Gemeinden haben gemäss Strauss stark mit der Bautätigkeit zu tun. «Dass ein Ort unter dem Strich einige Dutzend Einwohner gewinnt oder verliert, kann mit dem Fortschritt einzelner Bauprojekte zusammenhängen.» Wenn eine Wohnüberbauung fertig sei, nehme die Bevölkerungszahl im entsprechenden Jahr eher zu. Die Stadt St. Gallen, die mit stagnierenden Einwohnerzahlen kämpft, will nun bei diesem Thema ansetzen: Der Stadtrat erarbeitet eine Wohnraumstrategie.

Vollzeitstellen pro Einwohner: Thurgau beginnt aufzuholen

Die Bevölkerungszahlen bestätigen einen Trend, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell in einer neuen Auswertung für die Jahre 2011 bis 2015 feststellt: Der Thurgau ist überproportional gewachsen. Sämtliche Thurgauer Bezirke hätten einen Beitrag zum Wachstum geleistet, der deutlich über ihrem Anteil an der Bevölkerungszahl der Ostschweiz liege. Gleiches gelte für das Rheintal, Werdenberg und Sarganserland. «Auffällig schwach war das Wachstum dagegen in der Zentrumsregion St. Gallen.» Unterdurchschnittlich sei die Entwicklung zudem in den Regionen Toggenburg, Rorschach, Wil sowie beiden Appenzell gewesen.
Auch bei der Beschäftigung kamen die stärksten Impulse aus dem Thurgau. Die Zahl der Vollzeitstellen ist hier seit 2011 um 4,2 Prozent gewachsen, in St. Gallen um 2,7 Prozent. In den Thurgauer Bezirken Münchwilen, Weinfelden und Kreuzlingen hat der Arbeitsmarkt gemessen an seiner Grösse besonders deutlich zugelegt, wie die IHK schreibt. Allerdings hat der Thurgau auch Nachholbedarf: Die Arbeitsplatzdichte ist geringer als im Kanton St. Gallen. 2015 gab es in St. Gallen 59 Beschäftigte pro 100 Einwohner, was knapp dem Schweizer Durchschnitt entspricht. Im Thurgau sind es 50 Beschäftigte, womit sich der Kanton schweizweit auf dem drittletzten Platz befindet. Auch bei der Anzahl Vollzeitstellen liegt der Kanton St. Gallen bislang vorne – vor allem dank der Stadt als Dienstleistungszentrum. Der Wahlkreis St. Gallen hat 64 Vollzeitstellen pro 100 Einwohner. Der Abstand zu den anderen Wahlkreisen ist deutlich: Am nächsten kommt der Stadt noch das Rheintal mit 45 Vollzeitstellen, der kantonsweite Durchschnitt liegt bei 46. Der Kanton Thurgau hat 38 Vollzeitstellen auf 100 Einwohner, Appenzell Ausserrhoden 37 und Appenzell Innerrhoden 41. Alle Ostschweizer Kantone befinden sich unter dem nationalen Schnitt von 48 Vollzeitstellen.

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