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OSTSCHWEIZ: Die meisten Bauarbeiter in der Ostschweiz haben kältefrei

Temperaturen im zweistelligen Minusbereich: Die Schweiz schlottert. Viele sind vermutlich möglichst schnell, vom Fahrzeug ins warme Büro geeilt. Einige Baugeschäfte in der Ostschweiz haben die Arbeit wegen der kalten Temperaturen ganz eingestellt.
Lara Abderhalden
"Es nützt uns nichts, wenn wir die Arbeiter auf die Baustelle schicken und sie anschliessend mit einer Grippe oder gar Erfrierungen zuhause liegen," sagt Hans-Peter Schönenberger, Personalchef der Zeller-Balzer Bau AG. (Bild: Keystone)

"Es nützt uns nichts, wenn wir die Arbeiter auf die Baustelle schicken und sie anschliessend mit einer Grippe oder gar Erfrierungen zuhause liegen," sagt Hans-Peter Schönenberger, Personalchef der Zeller-Balzer Bau AG. (Bild: Keystone)

Dieser Artikel erschien zuerst auf FM1-Today.

«Wir haben darüber nachgedacht, unseren Arbeitern heissen Punsch zu servieren, es war aber einfach zu kalt. Wir haben sie in die warme Stube geschickt», sagt Karin Zeller. Sie ist in der Geschäftsführung der Zeller-Balzer Bau AG in Churwalden. «Wir wollen dass es unseren Mitarbeitern gut geht und nicht die nächste Grippewelle ausbricht.»

«Wollen keine Erfrierungen»

So wie die Zeller-Balzer Bau AG handhaben es viele andere Bauunternehmen in der Ostschweiz. Beim Baugeschäft Weber AG in Wattwil wurde bereits vergangene Woche entschieden, gewisse Gruppen nicht aufzubieten: «Wir haben die Kälte kommen sehen und einigen Gruppen bereits letzte Woche gesagt, dass sie zuhause bleiben können», sagt der Personalchef Hans-Peter Schönenberger. Gewisse arbeiten könne man bei diesen Temperaturen gar nicht ausführen: «Wir nehmen sowohl Rücksicht auf die Ausführung als auch auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Es nützt uns nichts, wenn wir die Arbeiter auf die Baustelle schicken und sie anschliessend mit einer Grippe oder gar Erfrierungen zuhause liegen.»

Einige Arbeiten wurden beim Baugeschäft Weber nach Drinnen verlagert, die meisten Bauarbeiter sind aber Zuhause. «Es gibt vom Verband keine Richtlinien, wann Arbeiter zuhause bleiben müssen, es ist gesunder Menschenverstand. Wir sagen selbst ‹stopp› das können wir unseren Mitarbeitern nicht zumuten.»


Kälte zu dieser Zeit eher ungewöhnlich

Beim Baugeschäft Cellere in St.Gallen haben die Arbeiter zum Teil keine Wahl. «Die Arbeit wurde grösstenteils eingestellt, weil es zu kalt ist für die Mitarbeitenden, aber auch für die Materialien. Auf einigen Baustellen muss jedoch wegen des Termindrucks gearbeitet werden», sagt der Geschäftsführer Alejandro Cerdan. Dies betreffe eine bis zwei Baustellen. Dafür versuche man auf unterschiedliche Weise die Arbeit angenehmer zu gestalten: «Unsere Angestellten sind gut ausgerüstet mit Winterjacken, Handschuhen und Kappen. Ausserdem können sie sich jede Stunde in den geheizten Baracken aufwärmen und einen Kaffee trinken. Wir schauen, dass es unseren Arbeitern gut geht.»

Rund 60- 70 Prozent der Angestellten seien aber zuhause, dies vermutlich bis Mittwoch. Dass es um diese Jahreszeit so kalt ist, findet Alejandro Cerdan eher ungewöhnlich: «Temperaturen wie dieses Jahr haben wir nicht immer. Normalerweise fangen wir erst im Februar oder März mit dem Strassenbau an, weil dann die kalten Monate vorbei sind. Dass es so spät nochmals kalt wird, hätten wir nicht gedacht.» Auch Alejandro Cerdan war am Montag morgen auf einer Baustelle. «Es ist schon sehr kalt und ich bin froh, wieder im warmen Büro zu sein.»

Dachdecker können Materialien nicht brauchen

Besonders hart haben es die Dachdecker, sie sind jedem Wind und Wetter auf dem Dach ausgesetzt. Doch auch dort wurde die Arbeit heute quittiert, sagt Arthur Müggler von der Arthur Müggler & Co. AG in Altstätten: «Ab Temperaturen unter Minus fünf Grad können wir gewisse Arbeite nicht ausführen.» Alle Arbeiten die das Kleben beinhalten: «Nimmt man den Kleber von der Wärme in die Kälte, kondensiert er und es gibt keine Haftung.»

Zeitungsverträgerin arbeitet bei jedem Wind und Wetter

Alles andere als «kältefrei» hat Gerda Hunger aus Maienfeld. Sie ist Zeitungsverträgerin und für sie gilt jeden Morgen: Um 4.00 Uhr aufstehen und Zeitungen verteilen: «Heute war es zwischen Minus vier und Minus sechs Grad. Ich fand es aber überhaupt nicht schlimm, da ich relativ gut angezogen war.» Gerda Hunger trug eine Hose, lange Unterhosen, Jogginghosen, vier dicke Pullover und eine Winterjacke: «Wie heisst es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.» Für die Maienfelderin gehört die Kälte dazu. Sie versuche immer möglichst schnell wieder ins warme Auto zu kommen.

Bei diesen Temperaturen seien die Leute auch sehr verständnisvoll: «Viele fragen, ob ich noch einen Kaffee will oder mich drinnen aufwärmen möchte. Dies mache ich auch ab und zu.» Sobald die Schicht von Gerda Hunger fertig ist, geht sie aber auch so schnell wie möglich in die warme Stube: «Am besten gleich ins Bett. Einen Kaffee trinken und dann ab ins Bett.»

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