OSTSCHWEIZ: Der schnelle Zug wird ausgebremst

In zwölf Minuten von Arbon nach St.Gallen: Mit einer schnellen S-Bahnverbindung sollten die beiden Städte näher zusammenrücken. Doch nun wurde das entsprechende Projekt im Aggloprogramm zurückgestuft.

Tanja von Arx
Drucken
Teilen
Eine schnellere Verbindung zwischen den Städten St.Gallen und Arbon wird - wenn überhaupt - erst 2027 umgesetzt. (Bild: Urs Bucher, Montage: oas)

Eine schnellere Verbindung zwischen den Städten St.Gallen und Arbon wird - wenn überhaupt - erst 2027 umgesetzt. (Bild: Urs Bucher, Montage: oas)

Es scheint nicht so zu pressieren, wie noch bis vor kurzem alle dachten. Obwohl die Stadt Arbon grosses Interesse an einer Schnellverbindung nach St. Gallen angemeldet hat, scheint das Vorhaben in nächster Zeit auf Eis gelegt. Der Grund: Das Agglomerationsprogramm St.Gallen-Bodensee, im Rahmen dessen das Projekt angedacht worden ist, misst der Konzeptstudie geringere Priorität zu als noch vor wenigen Monaten.

Der Massnahmenbericht in Anlehnung an die letzte Vernehmlassung hielt noch fest, dass das Konzept der sogenannten Kategorie A zugehörig ist und zwischen 2019 und 2022 realisiert werden sollte. Wie Tobias Winiger, Projektleiter des Aggloprogramms, auf Anfrage sagt, ist das Vorhaben im Zuge der letzten Sitzungen allerdings in die Kategorie C gerutscht. Will heissen: Umgesetzt wird es frühestens 2027.

St.Gallens Begeisterung hält sich in Grenzen

Ein Dämpfer? Schon vorgängig hatten sich Hürden gestellt. Der Kanton St.Gallen ist von dem Projekt wenig begeistert und der Bund der Steuerzahler Thurgau hat Widerstand angekündigt. Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg sagt indes: «Für das Projekt gibt es nach wie vor grünes Licht.» Man habe von Anfang an 2030 anvisiert, und das Konzept sehe unverändert vor, dass die neue Bahnlinie im Rahmen des nationalen Ausbauschritts dann gebaut werden solle. Projektleiter Winiger fügt an, dass es sich um «ein Riesenprojekt» handle und erst «ein bisschen mehr als Ideen» vorhanden seien. Es brauche vertiefte Abklärungen im Hinblick auf Technik, Fahrplan und Finanzierung. Das Augenmerk gebühre auch dem politischen Willen. So seien etwa «Abkreuzungskonflikte» bei der Ein- und Ausfahrt im Bahnhof St.Gallen ungelöst und man werde eine Trassensicherung in den kantonalen Richtplänen vornehmen müssen. Dennoch wolle man bis Ende Jahr Eingabe beim Bund machen, sagt Winiger.

Zwölf Minuten, halbstündlich, 100 Millionen Franken

Bislang sieht das Konzept vor, die Strecke Arbon–St.Gallen innert zwölf Minuten zurückzulegen. Die Abfahrtszeiten sollen halbstündlich angesetzt werden. Basis der Überlegungen bildet eine Studie der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich, wonach drei Streckenvarianten denkbar sind. Erstens eine Bahnlinie über Roggwil–Berg, zweitens eine Verlängerung der S-Bahn ab Wittenbach und drittens eine Abzweigung der Linie auf Höhe Mörschwil.

Die Experten favorisieren die Varianten ab Wittenbach und Mörschwil. Ein Entscheid ist aber noch nicht gefallen. Weitere Infrastrukturanalysen und Kostenschätzungen der Schweizer Südostbahn AG sind derzeit bei den Kantonen Thurgau und St.Gallen in Vernehmlassung. Das Resultat der Studien: Der Neubau beläuft sich auf rund 80 bis 100 Millionen Franken.

Nationalrätin Edith Graf-Litscher zweifelt

Das beschäftigt. Nationalrätin Edith Graf-Litscher, die das Gesamtpaket des Bahn-Ausbauschritts dereinst beraten wird, hegt wegen der Kosten Zweifel und misst dem Projekt geringe Chancen bei. «Da wir zukünftig die Mittel zuerst für den Unterhalt der bestehenden Strecken einsetzen müssen und dieser Finanzbedarf aufgrund der starken Nutzung wohl noch steigen wird, gehe ich davon aus, dass neue Linien nur noch sehr beschränkt realisiert werden.»

Davon will sich Arbons Stadtpräsident Balg nicht beirren lassen. «Das Projekt liegt zwar zur Prüfung beim Bund, und nicht mehr in den Händen der Ostschweiz. Aber die Region kann kooperativ kämpfen und erfolgreiches Lobbying betreiben.» Bei der ersten Etappe des Bahn-Y hätte auch niemand gedacht, dass der Doppelspurausbau Buchs-Sargans einbezogen würde. Aber das Lobbying nationaler Parlamentarier im Zusammenspiel mit einem idealen Zeitfenster habe gewirkt.