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ORTHOPÄDIE: Kliniken im Verdrängungskampf

Die Klinik am Rosenberg in Heiden entlässt sechs Mitarbeitende. Sie leidet unter dem Erfolg der benachbarten Berit-Klinik. Zudem ist die Kooperation mit dem Ausserrhoder Spitalverbund gescheitert.
Michael Genova
Vor rund einem Jahr haben 15 Fachärzte von der Hirslanden-Klinik am Rosenberg (Bild) an die Berit-Klinik in Speicher gewechselt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Vor rund einem Jahr haben 15 Fachärzte von der Hirslanden-Klinik am Rosenberg (Bild) an die Berit-Klinik in Speicher gewechselt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auf einen Schlag verlor die Hirslanden-Klinik am Rosenberg im vergangenen Sommer fast ihr gesamtes Ärzteteam. 15 Fachärzte der Praxisgemeinschaft Orthopädie Rosenberg wechselten zur Berit-Klinik in Speicher. Nun wird deutlich, dass die Klinik diesen Einschnitt noch nicht ganz verdaut hat: Sie entlässt sechs Mitarbeitende, die als Teilzeitkräfte angestellt sind, wie Claude Kaufmann, Sprecher der Privatklinikgruppe Hirslanden, bestätigt.
Abgebaut wird je eine Stelle in der Pflege, im technischen Dienst, in der Codierung, in der Cafeteria sowie zwei Stellen an der Rezeption. Die Arbeitspensen entsprechen 300 Stellenprozenten. Die Klinik am Rosenberg habe sich in den vergangenen zwölf Monaten neu ausgerichtet, wodurch eine Anpassung des Personalbestandes nötig wurde, sagt Kaufmann.

Berit-Klinik zieht vorbei

Mit der vor einem Jahr eröffneten Berit-Klinik entstand in unmittelbarer Nähe eine direkte Konkurrentin, die ebenfalls auf orthopädische Eingriffe spezialisiert ist. In der Folge blieben in Heiden viele Betten leer. Zurzeit seien nur zwei der fünf Operationssäle in Betrieb, heisst es aus dem Umfeld der Klinik am Rosenberg. Claude Kaufmann widerspricht: «Alle Operationssäle sind in Betrieb.» Das OP-Personal sei von den Stellenkürzungen nicht betroffen.

Kaufmann räumt jedoch ein, dass die Eröffnung der Berit-Klinik eine spürbar geringere Auslastung zur Folge hatte. In ihrem ersten Betriebsjahr behandelte die Berit-Klinik rund 5500 stationäre Patienten. Zum Vergleich: An der Klinik am Rosenberg waren es im Geschäftsjahr 2015/16 rund 3800 stationäre Patienten. Dies zwang die Hirslanden-Gruppe zum Handeln: Die Klinik am Rosenberg arbeite nun verstärkt mit der Hirslanden-Klinik Stephanshorn in St. Gallen zusammen, sagt Kaufmann. Auch die Abhängigkeit von einem medizinischen Fachbereich soll verringert werden. «Zusätzlich zum Schwerpunkt orthopädische Chirurgie und Wirbelsäulenmedizin baut die Klinik ein breiteres medizinisches Spektrum innerhalb der Akutmedizin auf.» In der Zwischenzeit habe die Klinik zudem neue Belegärzte akkreditiert und Prozessoptimierungen eingeleitet. Auch Investitionen würden getätigt, darunter die Renovation des Eingangsbereichs sowie die Beschaffng neuer Medizintechnikgeräte. Im vergangenen Herbst hatten die Klinik am Rosenberg und das Spital Heiden auf den 1. April eine verstärkte Zusammenarbeit angekündigt. Geplant war eine Auslagerung der Chirurgie vom Spital Heiden an die Klinik am Rosenberg. Zudem hätte die Klinik am Rosenberg den Anästhesiebetrieb für das Spital Heiden sichergestellt. Zum Stand der Kooperation sagt Claude Kaufmann: «Beim SVAR haben sich diverse Veränderungen ergeben, die ursprünglich geplante Kooperation ist unter den neuen Rahmenbedingungen zu überarbeiten.» Von einem Scheitern will Kaufmann jedoch nicht sprechen. Die Klinik am Rosenberg stehe weiterhin für eine Kooperation zur Verfügung.

Anästhesieteam ist abgesprungen

Allerdings hätte die Privatklinik zurzeit Mühe, ihren Teil der Kooperation zu erfüllen. In den vergangenen Monaten soll nämlich ein grosser Teil des Anästhesieteams gekündigt haben. Kaufmann sagt: «Es ist korrekt, dass es im Anästhesieteam personelle Wechsel gibt.» Das sei nicht ungewöhnlich, wenn ein Führungswechsel stattfinde. Am 1. April hat Sacha Geier als Direktorin die Leitung der Klinik übernommen. Die Rekrutierung von Anästhesisten sei «gut unterwegs» und ein nahtloser Übergang gewährleistet.

Arbeitnehmervertreter reagieren besorgt auf die Entlassungen. Bereits im Januar verloren 45 Mitarbeitende des Spitals Heiden ihren Arbeitsplatz. «Wir bedauern sehr, dass wiederum in Heiden Stellen abgebaut werden», sagt Edith Wohlfender, Geschäftsleiterin der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Berufsverbands für Pflegefachleute (SBK). Der Abbau zeige, dass der Verdrängungskampf im Gesundheitswesen immer intensiver werde. Die seit 2012 geltende Spitalfinanzierung und die Einführung der Fallpauschalen hätten dazu geführt, dass die Dauer der Spitalaufenthalte in den vergangenen Jahren gesunken sei. Bei konstantem Personalbestand bräuchten Spitäler folglich mehr Patientinnen und Patienten, um ihren Betrieb auszulasten.

Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht hofft Edith Wohlfender, dass die Hirslanden-Gruppe wie auch der SVAR an ihren Standorten in Heiden festhalten werden. Beide Spitäler seien wichtige Arbeitgeber für das Appenzeller Vorderland. «Es ist wichtig, dass es wohnortnahe Arbeitsplätze für Frauen gibt.» Dies sei eine Voraussetzung, um Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren zu können.

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