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Orientierungslos im ÖV? Das sind die Baustellen auf dem Ostschweizer Streckennetz

In der Ostschweiz arbeiten derzeit nicht nur die SBB am Schienennetz. Auch die Appenzeller Bahnen und die Südostbahn sanieren, erweitern und erneuern. Über die Fahrplanänderungen ärgern sich manche Zugpassagiere, andere freuen sich.
Marlen Hämmerli
Mit einem Bauzug erneuern die SBB den Schotter unter den bestehenden Schienen. (Bild: Benjamin Manser, St.Gallen, 12. Juli 2018)

Mit einem Bauzug erneuern die SBB den Schotter unter den bestehenden Schienen. (Bild: Benjamin Manser, St.Gallen, 12. Juli 2018)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die SBB bauen. Schweizweit gibt es diesen Sommer 30 Grossbaustellen. Die Züge fahren nach einem «Sommerfahrplan», wie die SBB den eigens eingeführten Baustellenfahrplan nennen. Besonders stark wirkt sich neben zwei weiteren Baustellen jene bei St.Gallen-Winkeln. «Für die Bahnkunden ist die gesamte Situation überhaupt nicht attraktiv», sagt eine Frau im Bahnersatz von Winkeln nach St.Gallen. Normalerweise würde die Pendlerin von Wil herkommend mit der S11 direkt in die Kantonshauptstadt fahren. «Zugausfälle, Busse, kurzfristige Gleisänderungen – ich kontrolliere meinen Fahrplan täglich», sagt sie und wendet sich wieder ihrem Smartphone zu.

Grund für den Ärger ist die Tatsache, dass die SBB zwischen Winkeln und St.Gallen an beiden Gleisen die Fahrbahn erneuern. Dadurch ist bis zum 12. August jeweils nur ein Gleis befahrbar, während beim anderen unter anderem der Unterbau ersetzt wird. Insgesamt kostet das Projekt rund 28,5 Millionen Franken. Ohne Totalsperrung wäre es teurer geworden. (siehe unten «Sommerfahrplan spart Geld».)

Von Teufen nach Zürich

Für die Baustellen auf der Strecke zwischen Teufen und St.Gallen war eine Teilsperrung keine Option. Derzeit führen die Appenzeller Bahnen (AB) in Teufen bei Lustmühle sowie in St.Gallen in der Liebegg, im Riethüsli-Quartier und bei der Ruckhalde umfassende Arbeiten durch. So wurde im April etwa die Eisenbahnbrücke über die Oberstrasse abgerissen. Die neue Brücke wird derzeit fertiggestellt. Insgesamt investieren die AB in die Modernisierung der Infrastruktur rund 150 Millionen Franken, davon entfallen 60 Millionen auf den Ruckhalde-tunnel.

Bauarbeiten am Ruckhalde-Tunnel. (Bild: Benjamin Manser, St.Gallen, 25. Mai 2018)

Bauarbeiten am Ruckhalde-Tunnel. (Bild: Benjamin Manser, St.Gallen, 25. Mai 2018)

Als Bahnersatz verkehren zwischen Teufen und St.Gallen Postautos. «Das stört mich nicht so», sagt eine Frau, die mindestens einmal wöchentlich von Teufen nach Zürich pendelt. Mit dem Sommerfahrplan der SBB ist sie hingegen «überhaupt nicht einverstanden». Weil der sogenannte «Sprinter» ausfällt, der zwischen St.Gallen und Winterthur nirgends hält, dauert ihre Reise 30 Minuten länger als gewöhnlich. Im Übrigen klappt es in St.Gallen mit dem Anschluss nach Zürich. Der Bahnersatz aus Teufen ist an den SBB-Fahrplan angepasst. «Wir stimmen die Fahrpläne Jahre im Voraus aufeinander ab», sagt AB-Direktor Thomas Baumgartner auf Anfrage.

Von Wil nach Zürich

Für eine etwa 50-jährige Frau, die zwischen Wil und Zürich pendelt, hat sich hingegen die Situation verbessert. «Der Zug steht schon da, wenn ich komme, und es hat weniger Leute.» Ein Grund sind die Sommerferien, der andere Grund ist, dass ab Wil ein Zug mehr als üblich fährt. Der «Sprinter» wird nämlich wegen des Nadelöhrs vor St.Gallen ab Wil geführt.

Das sind nur zwei Verbesserungen, die der Sommerfahrplan für die Region Wil bringt. Die dritte: Uzwil und Flawil haben derzeit pro Stunde zwei Direktverbindungen nach Zürich, normal ist eine.

Von Winterthur nach Frauenfeld

Trotz des Sommerfahrplans: Alltägliche Verspätungen gibt es weiterhin. In Winterthur verspäten sich an diesem Vormittag die Züge nach Romanshorn und nach St.Gallen. Beide um fünf Minuten, beide wegen einer «Störung an einem ­anderen Zug», wie eine Lautsprecherdurchsage verkündet. Zumindest ein Seniorenpaar im IC8 nach Romanshorn kümmert die Verspätung wenig. Auch der Sommerfahrplan stört sie nicht. Das gut gebräunte Paar hat andere Probleme: «Ist die Ostwind-Tageskarte auf dem ­Bodensee gültig?», fragt der Mann den Kondukteur. «Je nach Schiff», antwortet dieser.

Von Frauenfeld nach Weinfelden

Im Thurgau bauen die SBB zwischen Weinfelden und Kreuzlingen. Die Strecke wird teilweise zur Doppelspur ausgebaut und die Bahnhöfe Berg und Lengwil zu vollwertigen Kreuzungsstationen.

Zwei weitere Baustellen befinden sich bei Felben-Wellhausen und Müllheim-Wigoltingen. Dort ist aus der doppelspurigen Bahnstrecke eine einspurige geworden. Die S30 zwischen Weinfelden und Frauenfeld wurde gestrichen, stattdessen fahren Postautos. «Herzlich willkommen im Bahnersatz», begrüsst der Chauffeur die Fahrgäste: die Schreibende und eine Fahrkontrolle.

Von Weinfelden nach Gossau

Auf der Strecke von Weinfelden nach Gossau hat es keine Baustellen. Einige der Passagiere haben aber trotzdem unangenehme Erfahrungen mit dem Baustellenfahrplan gemacht. «Ich vertraue dem Fahrplan nicht mehr», sagt eine Frau. Wegen einer Baustelle sei sie kürzlich in Effretikon gestrandet. «Kurz vor dem Bahnhof hiess es, der Zug fahre nicht weiter. Im Fahrplan stand aber nichts davon.» Die Konsequenz: «Vergangenen Samstag ging ich eine halbe Stunde früher auf den Zug.»

Von Wittenbach nach St.Gallen

Ein Mann im selben Zug vermeidet derzeit Fahrten nach Romanshorn. Wegen der SBB-Baustellen und weil die Südostbahn (SOB) bei Wittenbach baut, fällt der «Münchner» zwischen Zürich und München aus. Zwischen St.Gallen und Wittenbach fährt ein Bus.«Da muss man zwei Mal umsteigen statt durchzufahren.»

Das Nordportal des Bruggwaldtunnels wird mit Betonelemente verlängert. (Bild: Ralph Ribi, Wittenbach, 14. Juli 201

Das Nordportal des Bruggwaldtunnels wird mit Betonelemente verlängert. (Bild: Ralph Ribi, Wittenbach, 14. Juli 201

Konkret ist die Strecke zwischen St.Gallen-St.Fiden und Wittenbach gesperrt. Die SOB saniert dort für rund 20 Millionen Franken den Bruggwald- und den Galgentobeltunnel. Die Gewölbe werden ausgebessert, die Entwässerung erneuert, die Fugen saniert, neue Deckenstromschienen eingebaut. So können künftig auch Doppelstockzüge durch die Tunnel fahren. Im Galgentobeltunnel wird die Schotterfahrbahn ersetzt, im Bruggwaldtunnel eine feste Fahrbahn eingebaut. Zudem wird der Tunnel um zehn Meter verlängert, was mit der Neugestaltung des Wittenbacher Zentrums zusammenhängt. Seit März werden am Bahnhof Wittenbach die Gleise saniert, was etwa sechs Millionen Franken kostet. Diese Arbeiten pausieren, während die Tunnels saniert werden.

Weil in den Tunneln die Fahrbahnen ausgewechselt werden, wären die Arbeiten ohne Totalsperrung nicht möglich. Aus vergleichbaren Fällen weiss die SOB aber, dass Arbeiten während einer Totalsperre rund 20 Prozent günstiger sind.

Die Strecke zwischen St.Fiden und Wittenbach ist noch bis zum 9. September gesperrt. Bis zum Jahresende dauert hingegen die 21-Millionen-Baustelle beim Bahnhof Neukirch-Egnach. Seit März 2017 ist die SOB daran, den Bahnhof zu modernisieren und ihn zu einer Kreuzungsstation auszubauen.

Nach dem 9. September steht bald die nächste Totalsperrung an. Ab dem 22. Oktober passen die AB zwischen Rorschach-Hafen und Heiden Weichen an, erneuern auf 150 Metern die Fahrbahn und ersetzen auf 350 Metern die Schienen. Da lohnt sich eine Zugfahrt ins ­Toggenburg: Dort wird für einmal nicht gebaut.

Sommerfahrplan spart Geld

Durch die vorübergehende Sperrung eines Gleises zwischen St.Gallen und St.Gallen-Winkeln sparen die SBB 7,8 Millionen Franken, die Baukosten liegen also gut ein Fünftel tiefer. Schweizweit beträgt die Ersparnis 30 Prozent. Während einer kompletten Sperrung können die SBB die Gleisbaumaschinen effizient und ohne Unterbruch einsetzen. Zudem sind die Arbeiten in kürzerer Zeit erledigt, als wenn sie auf viele Nächte aufgeteilt werden. Das heisst auch, dass Zugpassagiere und Anwohner weniger lang von Fahrplanänderungen und Lärm betroffen sind.

Damit weniger Berufspendler tangiert sind, führen die SBB die Arbeiten während der Sommerferien aus. Es ist das erste Mal, dass die SBB Hauptlinien total sperren. Bei der Südostbahn hat man damit mehr Erfahrung. So war vergangenes Jahr etwa die Strecke zwischen Herisau und Brunnadern-Neckertal gesperrt.

Grund für den Sommerfahrplan ist, dass die SBB Geld sparen müssen. 2010 ergab eine Analyse der Unterhaltskosten, dass vor allem die Vermehrung der Anlagen und deren stärkere Nutzung kostentreibend sind. 2016 ­erklärten die SBB, dass sie bis 2020 ein Fünftel mehr für den Unterhalt zahlen, wenn nicht Gegenmassnahmen getroffen werden. Zu diesen Massnahmen gehört die Vereinfachung der Anlagen, aber auch, dass Bauarbeiten einfacher abgewickelt werden. So haben die SBB in den vergangenen Jahren Nebenlinien über mehrere Wochen gesperrt.

Doch auch der Sommerfahrplan sorgt für Mehraufwand bei den SBB. So ändern sich zum Beispiel rund 70 Prozent der Konzepte, die bei Störungen zum Einsatz kommen. In den Betriebszentralen arbeitet zudem zusätzliches Personal in längeren Schichten.

Die Fahrplanänderungen in der Übersicht

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