Opfer war illegal im Land

Die Kantonspolizei hat ein Foto des Opfers der Bluttat von St. Gallen veröffentlicht. Dadurch erhofft sie sich von der Bevölkerung Hinweise zum Opfer und Beobachtungen zum Täter.

Larissa Flammer
Drucken
Teilen
Wer weiss, wo der 42jährige Spahiu Haki gearbeitet hat? (Bild: Kapo SG)

Wer weiss, wo der 42jährige Spahiu Haki gearbeitet hat? (Bild: Kapo SG)

ST. GALLEN. Der am Donnerstag in St. Gallen getötete Kosovare hatte keinen festen Wohnsitz in der Schweiz. Gegen ihn bestand seit August 2013 eine dreijährige Einreisesperre in die Schweiz, wie die Kantonspolizei gestern mitteilte. Der Mann sei im Jahr 2000 als Asylbewerber eingereist und anschliessend untergetaucht. «2013 wurde er, nachdem er als Schwarzarbeiter in Gossau gearbeitet hat, in den Kosovo ausgeschafft», heisst es.

Vor der Wohnung abgepasst

Das Opfer, der 42jährige Spahiu Haki, war am Donnerstagmorgen um fünf Uhr in der St. Galler Webergasse von mindestens einer Kugel tödlich getroffen worden. Er starb noch am Tatort. Das Motiv ist nach wie vor unklar, der Schütze weiterhin auf der Flucht. «Wir ermitteln noch immer in alle Richtungen», sagt Hanspeter Krüsi, Chef Kommunikation der St. Galler Kantonspolizei. Die Polizei steht mit den Angehörigen des Opfers in Kontakt und hat dessen Unterkunft ausfindig gemacht. «Das Zimmer des Opfers befindet sich unmittelbar beim Tatort an der Webergasse», schreibt die Polizei weiter. Sie geht davon aus, dass der Täter das Opfer abpasste, als es seine Unterkunft verliess. Daraufhin erschoss er den Mann.

Die Polizei geht weiter davon aus, dass Spahiu Haki als Bauarbeiter tätig war. Möglicherweise sei er auf dem Weg zur Arbeit gewesen. Laut Krüsi dürften der Täter und das Opfer in einer Beziehung zueinander gestanden haben.

Hinweise aus der Bevölkerung

Die Kantonspolizei sucht im Zuge der Ermittlungen nach Zeugen. Unter anderem erhofft sie sich Hinweise darauf, wo der Getötete gearbeitet hat und ob er in Konflikte involviert war. Ausserdem werden Zeugen von Vorkommnissen gesucht, die sich in den vergangenen Tagen – vor allem während der frühen Morgenstunden – an der Webergasse abgespielt haben.

Eine Frau hatte am Donnerstag beobachtet, wie der Täter, der als korpulent beschrieben wird, vom Tatort in Richtung Gallusplatz davonrannte. Er könnte dort in ein Auto gestiegen sein. Wer am Donnerstagmorgen zwischen vier und fünf Uhr einen Mann mittleren Alters mit blauem Schirm und hellblauen Jeans im Bereich des Tatortes oder der Innenstadt gesehen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Kameras in der Innenstadt

Hinweise auf den Täter erhofft sich die Polizei auch von Bildern zahlreicher Videokameras in der Innenstadt. Neben Kameras in unmittelbarer Nähe des Tatorts werden auch solche aus dem weiteren Umkreis ausgewertet. Die Beamten sichten derzeit eine riesige Datenmenge an Bildern. Die Grossfahndung nach dem Täter läuft weiter. «Wir haben ihn noch nicht», bestätigte Krüsi gestern abend. Die angrenzenden Kantone und Länder wurden über den Fall informiert.