Operationsstopp im Spital Rorschach: Die Regierung nahm den Entscheid ohne Widerrede zur Kenntnis – «völlig ungenügend», kritisiert die SP

Der St.Galler Spitalverwaltungsrat hat den Operationsbetrieb im Spital Rorschach geschlossen. Auf Druck der SP erklärt nun die Regierung das Vorgehen: Die Pandemie und die betriebliche Situation des Spitals hätten den Schritt notwendig gemacht. Der Streit ist damit nicht beendet.

Adrian Vögele
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Die SP hätte eine deutlichere Position der Regierung zur Schliessung des Operationsbetriebs in Rorschach erwartet.

Die SP hätte eine deutlichere Position der Regierung zur Schliessung des Operationsbetriebs in Rorschach erwartet.

Urs Bucher

Im Spital Rorschach wird nicht mehr operiert: Dieser Entscheid des Verwaltungsrats der St. Galler Spitalverbunde löste einigen Wirbel aus (Ausgabe vom 10. Juli). In den Monaten zuvor hatte das Kantonsspital bereits Fachpersonal der Standorte Flawil und Rorschach nach St. Gallen geholt – zur Bewältigung der Coronapandemie. Die Operationstätigkeit an den Aussenstandorten war auf Eis gelegt.

Dass es im Fall von Rorschach keine Rückkehr zum früheren Betrieb mehr geben soll, stösst der SP sauer auf. Sie warf dem Verwaltungsrat vor, ein Präjudiz zu schaffen, da die Spitalstrategie erst im September im Kantonsparlament beraten werde. Die Regierung müsse eingreifen, forderte die SP – und verlangte mit zwei Vorstössen nähere Auskünfte. Unter anderem wollte die Linke wissen, wie die Regierung auf die Pläne des Verwaltungsrats für das Spital Rorschach reagiert habe: «Hat sie zugestimmt, zur Kenntnis genommen oder – wie der Auftrag des Kantonsrates lautete – dagegen Stellung genommen?»

«Zur Kenntnis genommen» habe sie dies, schreibt die Regierung nun in ihrer Antwort – und verteidigt das Vorgehen des Verwaltungsrats. Zwar sei sich dieser der Vorgabe bewusst, dem politischen Entscheid nicht vorzugreifen und bis nach den Sommerferien auf präjudizierende Entscheide zu verzichten. «Im vorliegenden Fall musste der Verwaltungsrat jedoch Massnahmen ergreifen» – einerseits, um den Betrieb an den Standorten Flawil und Rorschach zu stabilisieren und anderseits, um rasch und adäquat auf die Zunahme der Zahl von Coronapatienten reagieren zu können.

Regierung warnt: Sicherer Dienstbetrieb ist gefährdet

Die Entwicklung der ambulanten und stationären Fallzahlen und Behandlungen in Flawil und Rorschach war zwischen 2017 und 2019 rückläufig, wie die Regierung schreibt. Dieser Rückgang habe sich wegen der Vorgaben und Massnahmen gegen die Coronapandemie noch beschleunigt. Das aktuelle Leistungsvolumen lasse kaum mehr einen «sicheren Dienst- und Notfallbetrieb rund um die Uhr» zu. «Es wird auch zusehends schwieriger, das Personal für Einsätze an den Standorten Flawil und Rorschach zu motivieren.»

Den Beschluss, die Operationen in Rorschach nicht wieder aufzunehmen, habe der Verwaltungsrat nach sorgfältiger Evaluation mit der Geschäftsleitung des Kantonsspitals und dem Kader der Standorte Rorschach und Flawil getroffen. Eine Rolle spiele dabei auch die geografische Nähe des Rorschacher Spitals zum Standort St.Gallen. Nur mit diesem Verzicht sei das St. Galler Spital in der Lage, richtig zu reagieren und die Qualität der Versorgung sicherzustellen, falls die Zahl der Covid-19-Patienten wieder zunehme.

SP-Fraktionschefin: «Regierung hätte sich klar äussern müssen»

Bettina Surber, St.Galler SP-Fraktionschefin

Bettina Surber, St.Galler SP-Fraktionschefin

Regina Kühne

Bei der SP kommt diese Erklärung schlecht an. Dass die Regierung das Vorgehen des Verwaltungsrats zur Kenntnis genommen habe, sei «völlig ungenügend», sagt Fraktionschefin Bettina Surber. «Die Regierung hätte sich klar äussern müssen.» Schliesslich habe die Regierung den Verwaltungsrat zuvor aufgrund einer Abstimmung im Kantonsrat dazu aufgefordert, auf präjudizierende Entscheide zu verzichten.

Die Fraktionschefin hat zudem inhaltliche Zweifel an der Argumentation der Regierung. «Gerade mit Blick auf einen möglichen Kapazitätenbedarf wegen Corona muss die Frage gestellt werden, ob es funktionierende Aussenstandorte mit Operationstätigkeit nicht umso mehr braucht», sagt Surber. «Das Kantonsspital würde bei einer deutlichen Zunahme bei den Hospitalisationen vermutlich die Behandlung der Coronapatienten übernehmen und dann auch weniger Eingriffe durchführen.» Auch schreibe die Regierung, viele Eingriffe, die aufgrund der Coronapandemie verschoben worden seien, könnten nur am Kantonsspital vorgenommen werden. «Warum dem so ist, wird nicht weiter begründet», kritisiert Surber – «wir müssen es einfach glauben.»

Wattwiler OP-Bereich wird für Sprechstunden genutzt

Im Spital Wattwil werden bereits seit vergangenem November keine Operationen mehr durchgeführt. Der Neubau, eingeweiht im Juni 2018, wird daher nun anders genutzt als ursprünglich geplant: Auf der Fläche im Neubau, die für den Operationsbereich vorgesehen war, ist ein zentrales medizinisches Untersuchungszentrum entstanden, wie die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg mitteilt. Dort findet ab sofort ein Grossteil der Sprechstunden, ambulanten Untersuchungen und Behandlungen statt, die bisher auf mehrere Ebenen und Räume des Spitals verteilt waren. Die Patientinnen und Patienten werden in einem eigenen Empfangsbereich begrüsst und deren Termine über alle Fachbereiche hinweg koordiniert. Nicht ins Untersuchungszentrum integriert sind Onkologie, Kardiologie, Schmerztherapie, Radiologie sowie die Physiotherapie. Auch bleibt die Integrierte Notfallpraxis nach wie vor auf der Notfallstation angesiedelt. (av)

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